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NFL

Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 16 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf Woche 16 in der NFL.
© getty

Mit Woche 16 wird das Bild klarer: Die Cowboys, Bucs, Packers, Cardinals und Rams stehen in der NFC als Playoff-Teams fest, Cowboys, Bucs und Packers als Division-Sieger. In der AFC gewinnen die Chiefs die Division - und bringen sich in Position, als Favorit in die AFC-Playoffs zu gehen. Aber was erwartet uns in den Playoffs? Welche Trends kündigen sich an? Und welche übergreifenden Erkenntnisse lassen sich aus dieser Saison und deren Verlauf mitnehmen?

Ich muss schon zugeben, dass die vergangenen zwei Wochen eine Herausforderung dahingehend waren, wie man mit Prognosen und generell dem Blickwinkel auf die weitere Saison verfahren soll. Die Vielzahl an Corona-Fällen macht den Großteil der Spiele zu einer kompletten Wundertüte, und das schon mit den runter gefahrenen Test-Protokollen - wer weiß, wie die reale Situation in der Liga aussieht und welche Kader und Schedule-Verschiebungen wir heute hätten, wenn auch geimpfte Spieler noch wöchentlich getestet werden würden.

Aber es sind nicht nur die Corona-bedingten Ausfälle, die das Bild gerade vor allem mit Blick auf die Playoffs sehr unscharf machen. Fast jeder Playoff-Anwärter muss gravierende Ausfälle verkraften, von Chris Godwin und Lavonte David, über DeAndre Hopkins und J.J. Watt, bis hin zu David Bakhtiari, Jaire Alexander und Za'Darius Smith, den Langzeitverletzten in Green Bay. Und von dem was in Baltimore und New Orleans dieses Jahr passiert, fange ich lieber gar nicht erst an.

Der Zufall spielt ohnehin eine riesige Rolle in der NFL, wo durch die vergleichsweise kurze Saison die Sample Size immer gering ist, sodass einzelne Ausschläge in die eine oder andere Richtung, ein paar knappe Niederlagen durch spätes Kicker-Pech und dergleichen das Gesamtbild extrem trüben können. Das für sich betrachtet ist schon eine Realität, an die ich mich regelmäßig erinnern muss; eine Realität, die natürlich umso unbefriedigender ist, wenn man jede Woche zahllose Stunden damit verbringt, die Trends, Teams und Matchups bestmöglich verstehen zu wollen.

Dieses Jahr aber scheint all das nochmal extremer, und neben den ligaweit inkonstanten Offenses, über die ich hier ja bereits einige Male geschrieben hatte, ist die Kadersituation bei so vielen Teams eine derart unvorhersehbare Lotterie geworden, dass alles nochmal unberechenbarer wird. Und neben dem aktuell hohen Zufallselement wollen wir natürlich auch die besten Teams möglichst in Topbesetzung in den Playoffs gegeneinander sehen.

Die NFL wird diese Saison zu Ende spielen, daran habe ich keinen Zweifel. Und das wird in der Rückbetrachtung im Frühjahr für einige merkwürdige Datenpunkte und Storylines sorgen - und andererseits womöglich auch für sehr unterhaltsame Playoffs. Daraus dann die Trends, die wirklich Aussagekraft haben, herauszufiltern, wird eine zentrale Offseason-Aufgabe sein.

1. AFC-Playoffs: Bills, Patriots und der Spielraum für Fehler

Wenn wir auf das so langsam konkreter werdende Playoff-Bild schauen, fällt mir - neben der Unberechenbarkeit, auf die ich später nochmal am Beispiel eines anderen Teams eingehe - auf, wie man Teams mehr in Kategorien einteilen kann.

Und hier gibt es viele Ansätze. Man kann die Teams in Tiers einteilen, was in der NFC tendenziell einfacher ist als in der AFC dieses Jahr. Man kann Offenses, Quarterback, Defenses und so weiter ranken. Aber ich würde mal einen anderen Maßstab versuchen, der vielleicht ein aus einer anderen Perspektive wenig mehr Licht ins Dunkle bringen kann:

Spielraum für Fehler.

Manche Teams - und auch darauf komme ich gleich im Zusammenhang eines größeren Themas nochmal zurück - haben hier spürbar mehr als andere. Manche Teams können Spiele mit individueller Qualität in kritischen Positionen aufbrechen. Andere sind mehr vom Spielverlauf abhängig.

Die Patriots sind ein ideales Beispiel für das Thema "Spielraum für Fehler". Denn gegen die Bills waren sie zu schwach was Situational Football angeht: Ein abgefälschter - weil der Linebacker super reagiert - Pass zur Interception, davor ein richtig bitterer Drop von N'Keal Harry.

Leichte Ungenauigkeiten von Mac Jones bei einigen Third Downs, ein paar Strafen - Barmore bei 4th Down etwa - obendrauf und alles in allem war es ein sehr unrunder Auftritt - oder eben auch zu viele Fehler gegen ein gutes Bills-Team, bei denen man (noch?) nicht erwarten kann, dass Mac Jones diese kompensiert. Mac Jones spielt alles in allem eine eindrucksvolle Rookie-Saison, aber er hatte in den vergangenen Wochen auch einige Rookie-Momente.

Wer kann Schwächen kompensieren - und wer nicht?

Spielraum für Fehler kann in den Playoffs eine kritische Eigenschaft sein. Mit Blick auf die AFC sehe ich die Bills hier weit vorne, die Chiefs ebenfalls, wenn auch aus anderen Gründen: Kansas City - ähnlich wie Dallas in der NFC - hat mittlerweile die Defensive Front als Trumpfkarte im Ärmel und kann Spiele damit eng halten. Cincinnati muss man denke ich auch mehr und mehr dazuzählen, bei der offensiven Feuerkraft, welche die Bengals teilweise an den Tag legen. Die Bengals sind zumindest in der Lage, Spiele noch auf den Kopf zu stellen.

Und dann gibt es ein Team wie die Chargers, das offensiv keinen Spielraum hat - was auch einige Fourth-Down-Entscheidungen von Brandon Staley am Sonntag gegen Houston durchaus fragwürdig erscheinen lässt -, weil die Defense so wacklig ist. Selbst mit Joey Bosa ist das die schwächste Run-Stopping-Front in der NFL, und dann setzt sich das fort, was wir teilweise gegen die Chiefs schon gesehen haben: Die Run-Defense ist so desolat, dass sie teilweise aggressiv Post-Snap in eine Single High rotieren, um mehr Spieler in der Box zu haben.

Das allerdings öffnet dann Eins-gegen-Eins-Situationen in Coverage, und darauf ist diese Defense nicht ausgerichtet. Das war gegen die Chiefs zuletzt bereits zu sehen, als plötzlich die Big Plays spät im Down für Mahomes wieder da waren, als Kansas City vertikal gehen konnte, als Kelce ein Monster-Spiel hatte. Und es setzte sich gegen die Texans fort, die mit Davis Mills zumindest mal einen Quarterback haben, der den Ball tief feuert und seinen Receivern Gelegenheiten für Big Plays gibt.

Die Chargers haben noch zu viele Löcher im Kader, um Staleys Defense spielen zu können, und die Offense steht so permanent sehr unter Druck. Gegen Houston war das die Geschichte des Spiels. Die Offense hatte sicher nicht ihren besten Tag, ich hatte den Eindruck, dass die Texans- und die Chargers-Offense sich strukturell frappierend ähnlich sahen. Trotz des offensichtlichen Talent-Unterschieds zwischen beiden Teams.

Und dann hatte Herbert eben zwei klare Fehlwürfe bei den Interceptions, wo er den Ball einfach schlecht platziert. Die Chargers kreierten so nie einen Abstand in diesem Spiel - bis es schließlich kippte. Und dann in so eine Partie zurück zu kommen ist schwer, wenn eine Seite des Balls derart auseinanderbrechen kann.

In erster Linie nämlich wurde die Defense von einem dezimierten Texans-Team auseinander genommen. Und derartige Prügel bezogen die Chargers auf der Seite des Balls längst nicht das erste Mal dieses Jahr. Wer eine so schwache Defense hat, hat meist nicht den Luxus, offensiv mit drei Turnovern davon zu kommen.

Patriots vs. Bills: Das erste Duell wurde überschätzt

Und dann wäre hier noch eine andere Storyline aus dem Patriots-Bills-Spiel vom Sonntag, die nämlich an das erste Duell zwischen diesen beiden Teams anknüpft. Ich halte es für eine legitime Storyline, dass Buffalos Defense mit physischen Fronts dieses Jahr Probleme hatte und hat - und das nutzten die Patriots in jenem ersten Spiel ebenfalls aus.

Für die Bills könnte das in potenziellen AFC-Playoff-Duellen mit den Colts oder auch den Titans problematisch werden.

Was aber überzogen war, waren die Schlussfolgerungen daraus, und das in diverse Richtungen. Denn gewinnen konnten die Patriots das Spiel nur, weil das Wetter nur den Pats in die Karten spielte: Die Bills konnten den Ball - ihre bevorzugte Art und Weise - aufgrund des Wetters kaum durch die Luft bewegen, das führte zu einem Low-Scoring-Spiel.

Aber dass das nicht einfach so wiederholbar ist, machte das Rematch deutlich; denn das eigene Run Game war nicht New Englands Problem. Ja, Josh Allen hätte beim letzten Drive, der den Deckel auf diese Partie drauf machte, eine Interception haben müssen - J.C. Jackson hielt den Ball schlicht nicht fest. Und ja, Patriots-Fans werden den einen oder anderen Ref-Call auch am Montagmorgen noch kritisieren.

Josh Allen Buffalos Trumpfkarte

Aber die Bills haben mit Josh Allen einen Playmaker auf der Quarterback-Position, der solche Spiele an sich reißen kann. Auch ohne Cole Beasley und Gabriel Davis, auch mit einem Emmanuel Sanders, der vermeintlich sichere Pässe in der Endzone fallenlässt.

Wenige Spiele eines Quarterbacks haben mich in den letzten Wochen mehr beeindruckt als die zweite Hälfte von Allen gegen Tampa Bay vor zwei Wochen. Gegen die Patriots machte er auch wieder kritische Plays und brachte schwierige Bälle an, die einfach nicht viele Quarterbacks in der NFL machen.

Und das soll ausdrücklich nicht heißen, dass Allen ein fehlerfreies Spiel ablieferte. Wir wissen alle, dass Ergebnisse am Ende jede Storyline prägen, und wenn Jackson den Ball abfängt, haben wir vielleicht ein ganz anderes Thema heute auf der Agenda. Unter den Tisch fallen sollte es deshalb allerdings nicht.

Aber mir gefiel, wie Buffalo dieses Spiel anging. Wie sie früh Mac Jones blitzten, um den Rookie-Quarterback ein paar Mal aus dem Konzept zu bringen. Wie sie mit Isaiah McKenzie Mismatches kreierten und die Man Coverage der Pats angreifen konnten. Wie sie einen Plan hatten, um New Englands Linebacker und Underneath-Verteidiger von Anfang an in Coverage zu attackieren.

Die Bills sind - wie so ziemlich alle AFC-Teams - inkonstant. Allen jedoch hat in den letzten Wochen gezeigt, dass er das Team in kritischen Situationen unabhängig vom Matchup und der Spielsituation tragen kann. Und in einer komplett offenen Playoff-Prognose ist das vermutlich schon mehr, als man über die meisten anderen Teams aktuell sagen kann.

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