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NFL

Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 15 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf Woche 15 in der NFL.
© getty

Arizona bekommt in Detroit einen herben Dämpfer - was verrät uns das über die Cardinals? Was ist die beste Qualität der Packers, und warum waren Analytics diese Woche einmal mehr ein heiß diskutiertes Thema? Außerdem: Fünf Spieler, die vermutlich nicht im Pro Bowl stehen werden, aber Erwähnung verdienen, und meine Wahl für den vakanten Head-Coach-Posten der Jacksonville Jaguars.

Auf einmal war es dann doch wieder das dominante Thema, das Corona-Thema. Nicht, dass die NFL ansonsten davon verschont gewesen wäre - es gab durchaus prominente Ausfälle und bisweilen unerwartete und absurde Vorfälle - aber zumindest mir ging es so, dass ich es im NFL-Alltag auf die Saison betrachtet vergleichsweise wenig wahrgenommen habe.

Ich denke, das spricht für die Teams und die Spieler, welche die Sache weitestgehend mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angegangen sind - und auch für die Protokolle selbst, welche entsprechend befolgt wurden.

Das änderte sich in dieser Woche nicht auf einen Schlag - trotzdem sah die Liga ab Montag bis zum Wochenende weit über 125 positive Tests, mehrere Teams alleine kamen auf über 20 Fälle. Und irgendwo ergibt es Sinn, wenn man bedenkt, dass eine offenbar signifikant ansteckendere Variante des Virus zunehmend die dominante Variante ist, während gleichzeitig der Großteil der Spieler im Sommer geimpft wurde - mit Sicherheit auch nicht wenige mit Johnson&Johnson - sodass die Wirkung der Impfung zunehmend nachlässt.

Die Liga stand somit an einem Scheideweg: Weitere Wochen wie diese, in welcher jetzt letztlich drei Spiele verschoben werden mussten, wird man sich nicht mehr allzu häufig leisten können. Zumindest nicht, ohne den Schedule signifikant auszuweiten, etwas, gegen das sich die Liga seit Beginn der Pandemie rigoros stellt. Und mit Blick auf die anstehenden Playoffs wäre es natürlich umso bitterer aus Produkt-Sicht, wenn plötzlich in der Divisional Round ein vermeintlicher Titelkandidat mit einer Rumpftruppe antreten müsste.

Die Antwort der Liga liegt nicht etwa darin, künftig auch geimpfte Spieler täglich zu testen und so das Netz möglichst engmaschig zu halten - was unweigerlich aber auch dazu führen würde, dass viele Spieler positiv getestet werden und ausfallen würden. Die Antwort der NFL liegt darin, geimpfte Spieler signifikant weniger und nur noch bei Symptomen oder einem Risiko-Kontakt zu testen, den Fokus stattdessen auf Prävention durch wieder strengere Maskenpflicht, Outdoor-Meetings und dergleichen zu legen - und, sind wir ganz ehrlich, ein Risiko einzugehen.

Das Risiko liegt natürlich darin, darauf zu bauen, dass die neue Variante tatsächlich zwar ansteckender, aber eben auch signifikant weniger gefährlich ist. Was möglich ist, aber was wir einfach nicht wissen, und eine Folge aus dieser Maßnahme wird zweifellos sein, dass mehr Spieler sich anstecken. Spieler, deren körperliche Gesundheit ein elementarer Teil ihres Kapitals ist.

Meine erste Reaktion auf diesen radikalen Paradigmenwechsel im Umgang mit Corona fiel gelinde gesagt äußerst erstaunt aus. Ein derart drastischer Hinweis darauf, dass die Show immer weitergehen muss und der Preis dafür relativ egal ist? Puh. Umso mehr, weil wir vor vier Tagen von der NFLPA nochmals die Bestätigung erhalten hatten, dass der Spielerverband eigentlich tägliche Tests auch für geimpfte Spieler haben will.

Aber womöglich kam die Aussage nicht im Interesse aller Spieler? Zumindest sind über die vergangenen Tage die Stimmen aus Spieler- und Trainerkreisen lauter geworden, wonach die direkt Betroffenen selbst zunehmend weniger Interesse daran haben, das Test-Netz noch engmaschiger zu gestalten, und den Fokus lieber darauf richten wollen, die Saison zu Ende spielen zu können.

Wenn wir das - also, dass der Großteil der Spieler und Coaches wirklich den jetzt von der Liga eingeschlagenen Weg bevorzugt - mal als gegeben hinnehmen, verstehe ich aber immer noch nicht, warum die Liga nicht zumindest Booster-Impfungen für die Spieler verpflichtend macht, um den "vollständig geimpft"-Status zu erhalten. So wie Coaching Staffs das jetzt machen müssen.

Beziehungsweise, das war falsch formuliert. Ich verstehe, warum die Liga so entscheidet: Es wäre eine weitere Hürde für die lange so hochgelobte Impfquote innerhalb der Liga, und die Gefahr, dass mehr Spieler plötzlich in den "ungeimpft"-Status rutschen und täglich getestet werden, ist zu hoch. Letztlich sind wir dann wieder zurück bei diesem Punkt, welcher einen zynischen Pragmatismus untermauert: The Show must go on.

1. Cardinals-Desaster: Klare Baustellen, Suche nach Antworten

Dass man mal ein schlechtes Spiel hat, ist die eine Sache; die Cardinals waren auswärts über sieben Spiele eindrucksvoll und gewannen jedes Spiel am Ende deutlich. Eine Niederlage im achten Versuch wäre sicher entschuldbar - solange der Kontext wenigstens einigermaßen passt.

Dass das gegen die Lions, die ohne Frage hart spielen und sich nicht von ihrem Record davon abbringen lassen, passiert, ist für sich betrachtet schon eigentlich nicht zu entschuldigen. Nicht für ein Team, das vor acht Tagen noch den Top-Seed in der NFC innehatte, mit einem Sieg gegen die Rams die Division quasi in der Tasche gehabt hätte und ernsthafte Playoff-Ambitionen hat.

Aber die Art und Weise, wie Arizona dieses Spiel verloren hat, unterstreicht vor allem, dass die Cardinals fragiler sind als es vor ein paar Wochen gewirkt hat. Als Arizona zwischenzeitlich auch ohne Hopkins, ohne Murray, ohne Watt, ohne Hudson Spiele gewann, als gerade eine Stärke dieses Teams zu sein schien, dass man Ausfälle kompensieren und immer noch mit einem hohen Floor Spiele bestreiten kann, schematisch, aber eben auch mit einer "Next-Man-Up"-Qualität.

Cardinals: Lions-Pleite als Realitätscheck

Das Lions-Spiel war dahingehend ein deutlicher Realitätscheck. Murray verfehlte mehrere Pässe aus sauberer Pocket, Receiver ließen Bälle fallen, Arizona kam komplett "flat" aus der Kabine. Und es gibt kein Team in der NFL, gegen das du so erwarten kannst, ein Spiel zu gewinnen.

Das Spiel aber untermauerte auch zwei der elementaren Baustellen in diesem Kader: Die Run-Defense ist noch immer ein großes Problem. Das war auch bei einigen der Siege früher in dieser Saison schon deutlich - Minnesota beispielsweise -, aber auch etwa gegen die damals offensiv stark angeschlagenen Packers, und immer wieder phasenweise blitzte es auf.

Zwei Dinge passierten dann aber häufig: Die Offense punktete, sodass der Gegner nach und nach mehr vom Run Game weggehen musste - während die Defense dann dadurch aggressiver werden konnte und zu Takeaways kam. Das kann funktionieren, aber es ist eben ein wackliges Konstrukt, weil die Offense eher auf die Big Plays aus ist, und zwar lange umgekehrt wenige Big Plays zugelassen hat, aber mit kontinuierlichen Drives immer wieder Punkte kassieren kann. Was dann wiederum den Druck auf die Offense erhöht, und so dreht sich das Rad weiter.

Die grundsätzlichen Probleme in der Run-Defense - insbesondere seit dem Ausfall von J.J. Watt - waren aber nie weg, und mittlerweile wird die über die ersten beiden Saisondrittel sehr solide Secondary auch häufiger für Big Plays erwischt. Das Rams-Spiel war da der erste echte Extremfall, aber auch die Lions schafften es mehrfach.

Cardinals verfehlen den Standard aktuell klar

Der andere Punkt betrifft die Offensive Line. Das war ein sehr präsentes Thema gegen die Rams, es war ein Thema auch gegen Detroit.

Während man gegen L.A. eher individuell dominiert wurde, war es gegen die Lions mehrfach ein Problem der Kommunikation; Detroit hatte einige Male freie Rusher aus dem Zone Blitz, was ich direkt mit dem Ausfall von Rodney Hudson zusammenbringen würde. Arizona hatte auch offensichtliche Probleme damit, den Ball durch das Zentrum am Boden zu bewegen.

Die Cardinals haben somit klare Aufgaben für die Offseason: Arizona muss in die Lines investieren, defensiv wie offensiv, und so den Floor des Teams erhöhen und weniger von Big Plays und Third Downs abhängig zu sein. Der Pass-Rush ohne Blitzing ist problematisch, und Arizona braucht mehr als die Hoffnung auf einen fitten J.J. Watt in der Front, um das zu ändern. Chandler Jones hat sich, abgesehen vom Week-1-Spiel gegen Tennessee, ebenfalls nicht wirklich für einen neuen Vertrag in Empfehlung gebracht. Ich denke, hier muss ein Umbruch eingeleitet werden.

Aber was bedeutet es für die weitere Saison jetzt? Ohne DeAndre Hopkins als offensive "Get out of Jail"-Card - also als den Problemlöser, der die Offense mal aus einem Loch holen und für einen Drive an sich reißen kann - wird sich die Offense umstellen, und andere Antworten finden müssen, andere Schwerpunkte setzen.

Vielleicht kommt J.J. Watt vor den Playoffs zurück, und wenn die O-Line fit ist, kann Arizona immer noch ein gefährliches Team sein. Aber ich denke es ist fair, zu sagen, dass die Cardinals nach einer dominanten ersten Saisonhälfte mittlerweile ein inkonstantes Team sind. Und das ist ein Problem, das Kingsbury, Murray und die Leader in diesem Team angehen müssen. Watt ist so ein Spieler, der ist aktuell nicht da. Hudson ist so ein Spieler, er hat rund ein Viertel der Saison verpasst. Andere müssen in diese Rollen treten, und es muss schnell passieren. Andernfalls droht gegen die Colts eine weitere Pleite.

Vielleicht ist da auch ein mentaler Aspekt mit drin: Arizona steht jetzt 0-4 unter Kingsbury, wenn ein Sieg das sichere Playoff-Ticket bedeutet hätte, und beide Primetime-Spiele waren vor allem in der ersten Halbzeit sehr enttäuschend. Manchmal muss ein Team auch einfach bestimmte Hürden überwinden. Die Aufgaben werden aber definitiv schwieriger, und Arizona muss aufpassen, dass die Saison jetzt nicht zum kompletten Meltdown wird.

Im Moment ist die Baseline der Buccaneers und der Packers auf einem anderen Level, und das sind nun einmal die Teams, an denen man früher oder später in den NFC Playoffs vorbei muss, und damit der Standard. Den verfehlen die Cardinals im Moment deutlich.

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