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NBA

"Dallas' Fehler liegt im System"

Welche Auswirkungen hat der Sommer auf Schröder, Durant, Westbrook und Nowitzki?
© spox

Der Mavs-Sommer war...

Ole Frerks: Da ich kein Fan bin, verfolge ich die Free-Agency-"Versuche" der Mavs seit Jahren mit einer gewissen Faszination, zum Glück ohne Emotionen. Und die Fan-Reaktionen sind dabei sogar noch faszinierender. Das war auch in diesem Sommer der Fall: Effektiv wurden Parsons und Pachulia durch Harrison Barnes und Bogut ersetzt. Befreundete Mavs-Fans wollten mir das als Erfolg verkaufen. Man sieht, wie leidgeprüft die Anhänger mittlerweile sind, wenn sie einen Maximalvertrag für einen unterdurchschnittlichen Starter als Erfolg ansehen. Sorry, Mavs-Fans: Barnes ist nicht besser als Parsons, er ist zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere ein schlechterer Spieler. Bogut ist nicht (mehr) großartig besser als Zaza, wenn überhaupt. Ein Erfolg war dieser Sommer sicherlich nicht. Es bleibt dabei, dass die Mavs auf der Stelle treten und eine Erstrunden-Niederlage das Höchste der Gefühle wäre. Und selbst dafür müsste Dirk vermutlich immer noch den Großteil der Last tragen. Wie gesagt: Zum Glück bin ich kein Mavs-Fan, sonst wäre ich langsam richtig sauer.

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Matthias Bielek: Ich kann dir erklären, warum Mavs-Fans gute Miene zum bösen Spiel machen: Wir sind es eben einfach gewohnt! Leidgeprüft ist da das richtige Stichwort. Deswegen hält sich auch die Enttäuschung in Grenzen. Natürlich horcht man immer auf und hofft ein bisschen, wenn die großen Namen genannt werden, aber so richtig kann man nie dran glauben, dass wirklich einer kommt. Und dann läuft es eben wieder so, dass die erste Playoff-Runde gemessen am Kader ein Erfolg wäre. Das ist aber kein Erfolg und das nervt nicht nur die Fans, sondern mittlerweile sehr offensichtlich auch Dirk, der vor kurzem ja ungewohnt offensiv seinem Ärger Luft gemacht hat. Aber ich muss auch dazu sagen: Dallas ist am Ende eben leider auch keine Stadt, in die man unbedingt wechseln möchte, wenn man die Wahl hat. Beispiel Durant: Ich hätte mich an seiner Stelle auch eher für Oakland als für Dallas entschieden. Man zahlt zwar keine Einkommenssteuer in Texas, aber jemand wie KD muss sich um Geld dank all seiner Werbeverträge ja nun keine Gedanken mehr machen. Das ist bitter, aber eben auch schwer zu ändern. Wobei die Mavs sich mit ihrem Umgang mit Leuten wie Tyson Chandler oder vorher Steve Nash sicherlich auch keinen Gefallen getan haben, was ihren Ruf als Team angeht. Darunter leiden sie noch immer, und das ist für Dirk in seinen letzten Jahren einfach nur schade. Es wird ihm nicht gerecht.

Martin Klotz: Das ist der Punkt, Matze. Wie immer in den letzten fünf Jahren war der Sommer eine Katastrophe. Dallas hat es geschafft, aus einem Titelteam ein Durchschnittsteam zu machen. Dallas bezahlt seit fünf Jahren für den Umbruch von 2011. Vergangenes Jahr war die Reputation wieder so weit aufgebaut, dass es fast mit einem erfolgreichen Sommer geklappt hätte (danke, DeAndre). Die Tatsache, dass es Dallas (fast) jedes Jahr geschafft hat, noch ein halbwegs solides Team auf die Beine zu stellen und dank Magier Rick Carlisle und Jungbrunnen-Spezialist Nowitzki in die Playoffs einzuziehen, grenzt an ein Wunder. Ja, es ist eine Qualität, aber sie ist trügerisch. Denn Dallas muss froh sein, nicht längst mit diesem Prinzip auf die Schnauze geflogen zu sein. Dieses Jahr ist es ähnlich. Mit Barnes und Bogut hat Dallas so unfassbar - und ich meine unfassbar, also wirklich unfassbar - glücklich zwei gute Trostpreise abgestaubt. Ich traue Barnes zwar mehr zu als Ole, aber der Fehler liegt im System. Eine Franchise, deren Problem seit Jahren die Free Agency ist, setzt jeden Sommer wieder - Trommelwirbel - auf die Free Agency. Cubans Luftschlösser sind bisher noch alle zerplatzt, auch die Buddy-Nummer mit Parsons. Der Umgang damals mit Chandler und jetzt der - ohne Einsicht der Krankenakte - nach außen hin respektlose Umgang mit Parsons machen es nicht besser. Ein erneuter Platz 6 und das Aus in der ersten Runde ist da wirklich keine Verbesserung zu den letzten Jahren.

Thorben Rybarczik: Auflösung des Meister-Teams, Chandler, Nash, Parsons: Klar, man kann in der Vergangenheit nach Gründen suchen, wieso sich die großen Fische (Whiteside und Conley) mal wieder gegen Dallas entschieden haben. Das Problem ist aber eher, dass Mark Cuban offenbar in seiner eigenen Welt lebt und glaubt, ein krasser Move in der Free Agency würde seine Mavs wieder zum Contender machen. Und wie du es schon angedeutet hast, Martin, wird er es auch nächstes Jahr glauben - und wieder scheitern. Denn die von ihm umworbenen Spieler werden die sportliche Perspektive etwas weniger subjektiv bewerten und feststellen: Mittelfristig gibt es in Dallas nichts zu holen. Wieso also wechseln? Um bei Conley und Whiteside zu bleiben: Beide Akteure sind da, wo sie jetzt geblieben sind, sportlich besser aufgehoben. Das wird auch bei den Free Agents der Zukunft so sein. Das heißt, so lange Dirk noch da ist, wird es weitere katastrophale Sommer voller Enttäuschungen geben. Früher oder später führt wohl kein Weg am Rebuild samt Tanking vorbei.

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