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NBA

"Dallas' Fehler liegt im System"

Welche Auswirkungen hat der Sommer auf Schröder, Durant, Westbrook und Nowitzki?
© spox

Die Warriors werden mehr Probleme haben als angenommen

Matthias Bielek: Irgendwie ist es schwer vorstellbar, dass sie viele Probleme kriegen werden. Denn eigentlich ist das der absolute Traum-Kader, den man in der aktuellen Zeit haben kann. Aber ich denke trotzdem, dass sie von Zeit zu Zeit damit hadern werden, dass fünf hungrige Bullen sich um ein einziges Stück Fleisch streiten müssen. Sie alle wollen ja ihre Würfe haben und ihren Wert zeigen. Da ist es die große Aufgabe von Steve Kerr, die Egos zu managen und dafür zu sorgen, dass niemand das eigentliche Ziel aus den Augen verliert. Eine gewisse Hierarchie braucht jedes Team und daher sollten sie diese festlegen, das ist aber leichter gesagt als getan. Wer will denn Stephen Curry sagen, dass er ab jetzt die Nummer zwei in der Offense ist? Oder Green, dass er nur noch die viertmeisten Würfe bekommt? Das ist für mich das einzige, was die Warriors abgesehen von Verletzungen von totaler Dominanz abhalten könnte. Dieser Kader ist nämlich so gut, dass sich die Dubs eigentlich nur selbst schlagen können, das hat Bulls-in-den-90ern Niveau. Wenn zu viele 'große Köpfe' in einem Team stecken, kann das aber eben auch mal nach hinten losgehen. Wenn es aber passt, gewinnen sie vermutlich sogar noch mehr Partien als in der letzten Saison.

Ole Frerks: Prinzipiell hast du recht, Matze. Aber ich schätze die Charaktere im Team allesamt so ein, dass sie sich nicht allzu viele Gedanken um die Anzahl ihrer Würfe machen. Kevin Durant etwa geht sicher nicht davon aus, genauso viele Würfe wie bei den Thunder zu nehmen. Er geht davon aus, einfachere Würfe zu bekommen, weil er eben bessere Mitspieler und ein historisch gutes Ball-Movement an seiner Seite hat, und genau dafür ist er ja auch nach Golden State gewechselt. Qualität schlägt da Quantität. Von daher mache ich mir keine Sorgen um die Dubs, solange alle mehr oder weniger fit bleiben und Draymond sich den Großteil der Zeit von den Weichteilen seiner Gegenspieler fern hält. Was die Bilanz angeht, sehe ich das aber völlig anders. Die Dubs haben den Rekord ja schon und haben in den Playoffs meiner Meinung nach ein Stück weit den Preis dafür bezahlt. Natürlich hatten die Cavs (und vorher auch die Thunder) auch viel damit zu tun, aber am Ende sah Golden State einfach stark danach aus, als gingen sie auf dem Zahnfleisch. Das wird man in dieser Saison auf jeden Fall verhindern wollen und der erste Schritt dafür wurde mit der KD-Verpflichtung bereits getan - mehr Luxus geht nicht. Der zweite Schritt wird sein, dass Kerr auch mal ein Machtwort spricht und Curry, Iggy, Klay, Draymond und KD gelegentlich schont. Rekorde werden sie im Vorbeigehen vermutlich auch noch knacken, aber es zählt nur noch der Titel. Daher springen in der Regular Season weniger als 70 Siege heraus.

Thorben Rybarczik: Ich bin da auch eher bei Ole. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es interne Machtkämpfe um Touches geben wird. Die "ursprünglichen" Warriors haben ja ohnehin schon bewiesen, dass ihnen andere Dinge wichtiger sind. Und wenn KD auf so etwas wert legen würde, hätte er woanders unterschrieben. Auch das viel zitierte Argument, dass jedes Team mit einer Portion Extra-Motivation gegen den Vize-Champ antreten wird, zieht für mich nicht - denn das war auch letztes Jahr schon so, ob in den Playoffs oder während der Rekord-Jagd der Regular Season. Wenn wir mal die Finals ausklammern, in denen es ohnehin um alles oder nichts ging, sind Curry und Co. cool mit dieser Situation umgegangen und werden es auch künftig tun. Darüber hinaus haben sie mit Durant nun einen Spielertypen an Bord, der das vielleicht größte Problem, das die Warriors in den Finals hatten (neben LeBron James natürlich), beheben kann: In kritischen Situationen, wenn das Ball-Movement und die offensiven Plays nicht mehr funktionieren, aus Isolationen heraus Punkte zu kreieren. Irving und James haben dadurch die Championship entschieden, ein Curry mit menschlicher Dreier-Quote ist dagegen keine Eins-gegen-Eins-Maschine. Um also zur These zurück zu kommen: Reißen keine Kreuzbänder oder ähnlich wichtige Körperteile, sehe ich keinen Grund, warum das neue Super-Team nicht schnurstracks in die Finals rauschen sollte.

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Martin Klotz: Jein. Zu Anfang müssen sich natürlich selbst die besten Spieler dieser Welt finden und ein Konzept entwickeln, wie der Spalding gevierteilt werden kann. Mit Kerr haben sie dazu einen echten Experten am Taktik-Board. Ab Januar werden alle vor den Warriors auf die Knie fallen. Was soll bitte das Problem sein? Ein Ball für zu wenige Stars? Durant ist kein Westbrook, Green wird sich über zu wenige Würfe auch nicht beschweren und Curry und Thompson geben sicher gern zwei bis drei pro Spiel her. Und zusammen mit den zehn Würfen pro Spiel von Barnes, die nun KD bekommt, sollte das allemal für ihn reichen. Offensiv ist kein Team der letzten Jahre so stark wie die Dubs, 120 Punkte pro Spiel sind locker drin. Auch wenn Golden State nicht an die Nuggets um Alex English herankommen wird (Saison 81/82: 125,6 PPS!), wird diese Abteilung Attacke wie geölt laufen. Ein guter Screen - bang! Eine Fehlkommunikation in der Defense - bang! Pick-and-Pop mit Curry und Durant - bang, bang, bang! So lange es meine Anti-Warriors in der Realität nicht gibt, kann dieses Team niemand stoppen.

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