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NBA

"Schröder hat sicher mehr Potenzial"

Polens Nationaltrainer Mike Taylor diskutiert in der Triangle Offense mit den SPOX-Redakteuren
© getty

Die Entlassung von Coach Blatt war richtig

Mike Taylor: Als Trainer sage ich da natürlich "Nein". Er hat sie im letzten Jahr in die Finals geführt und stand jetzt auch wieder mit einer Bilanz von 30-11 da. Das ist die beste Bilanz, die je ein Coach hatte, der gefeuert wurde. Aber das ist die NBA und bei den Cavs geht es darum, Starspieler LeBron immer glücklich zu machen. Das gehört auf diesem Niveau auch zum Coachen dazu. Aber bei der Sache müssen wir ganz zum Start zurückgehen. Als Cleveland Coach Blatt unter Vertrag nahm, hatte LeBron sich noch nicht entschieden, dass er zurückkehren wird. Owner Dan Gilbert hat sich durchgesetzt und Blatt als Trainer installiert, obwohl GM David Griffin schon in Verhandlungen mit Tyronn Lue stand. Blatt kam mit der Aufgabe, das junge Cavs-Team zu entwickeln und dann änderte die Rückkehr von LeBron alles. Man muss sich die Frage stellen, ob Blatts Aufgabe nicht von Beginn an zum Scheitern verurteilt war. Er würde sicher einige Sachen heute anders machen als damals - gerade in Sachen Kommunikation und Umgang mit den Spielern. Aber die Tatsache, dass er gefeuert wurde, obwohl er als Rookie-Coach die Finals erreichte und auch jetzt eine gute Bilanz hatte, zeigt, wie schwierig es in der NBA zugehen kann. Es ist wichtig, die richtigen Beziehungen zu haben, vor allem bei so einem Starspieler. Du musst den Locker Room glücklich machen.

Martin Klotz: Die NBA ist schon ein hartes Pflaster - auch für Coaches. Wie sagte doch Steve Kerr vor wenigen Tagen: "Aber dafür bekommt man auch eine ganze Menge Geld." Ja, der hat gut reden - er ist ja auch Coach der Warriors. Beim Finals-Gegner aus Cleveland hingegen lief es einfach nicht. Und da bin ich Pragmatiker: Wenn die Chemie im Team nicht stimmt, dann musst du etwas daran ändern. Und GM David Griffin hat Recht: Die Cavaliers sind nicht gut genug, um den Titel zu holen. Das muss in Ohio der Anspruch sein. Und da die Cavs LeBron James nicht abgeben können/wollen/werden, bleiben nicht viele Optionen. Zudem sehe ich die Rolle und Entwicklung von Kevin Love kritisch. Da hätte Blatt durchaus andere Varianten ausprobieren können, als ihn als Spot-Up-Shooter am Perimeter zu parken. Ich würde Mikes These da stützen und gehe sogar noch weiter: Es war falsch, Blatt überhaupt zu holen. Der King kam zwar trotzdem zurück in seine Heimat, doch wenn James schon auf dem Court der dominante Spieler sein muss, dann braucht er einen starken Coach mit Erfahrung und einer harten Hand an der Seitenlinie. Und vor allem einen, der weiß, was er tut. Der die anderen Spieler von ihrer Ehrfurcht vor dem King befreien kann. Und der James auch mal in die Schranken weisen kann. Blatt konnte das nicht.

5 Fragen zur Blatt-Entlassung: "Ziemlich gut"? Nicht gut genug

Stefan Petri: Ja - was nicht heißt, dass es gegenüber Blatt fair gewesen ist. Blatt hat in seinen eineinhalb Jahren dort einen richtig guten Job gemacht, hat die LeBron-Rückkehr verdaut und mit einem erheblich geschwächten Roster die Finals erreicht und die Warriors ins Schwitzen gebracht. Mehr konnte man beim besten Willen nicht verlangen. Trotzdem darf man sich von einem guten Run nicht blenden lassen, siehe Randy Wittman in Washington. Wenn man der Meinung ist, dass man mit Blatt nicht die bestmöglichen Chancen auf den großen Wurf hat, dann muss man ihn gehen lassen. Die Warriors haben es mit Mark Jackson vorgemacht: Der war richtig gut - aber eben nicht so gut wie möglich, hatte nicht das Maximum aus dem Team herausgeholt. Die Frage ist, ob man mit Tyronn Lue bessere Chancen auf einen Title Run hat. Da bin ich nicht überzeugt: Lue hat zwar den Rückhalt von LeBron (diesen hatte Blatt nicht, und daran ist er letzten Endes gescheitert), gleichzeitig fehlt ihm aber eine Menge Erfahrung, und ich bin nicht sicher, ob er die nötige Autorität hat, um seinen Superstar hart zu coachen. Bzw. ob dieser sich coachen lassen will. Von Blatt wollte er es offensichtlich nicht...

Marc-Oliver Robbers: Alles richtig. Blatt ist in erster Linie über LeBron gestolpert und das ist ob seiner abgelieferten Coaching-Performance schon eine Sauerei. James hat die Franchise fest im Griff. Es wird gemacht, was er will. In einer sport-romantischen Welt hätten die Cavs sich vor ihren Coach stellen müssen. Auch wenn er Fehler (Love, Kommunikation) gemacht hat, gab ihn der Erfolg letztlich doch recht. Doch das ist natürlich unrealistisch. Aus moralischer Sicht war die Entlassung völlig falsch, aber die Franchise hatte LeBrons Pistole auf der Brust. Das Druckmittel eines erneuten Abgangs zieht als Drohkulisse, auch wenn ich nicht glaube, dass James das ernsthaft in Erwägung zieht. Vielmehr will er wahrscheinlich diesen Titel mit seinem Heimatteam so sehr, dass er dabei keine Gefangenen macht. Das ist in meinen Augen nicht der richtige Weg und Nachfolger Lue ist für mich nicht mehr als eine Marionette. Ich hoffe, Blatt kommt noch mal in der NBA unter.

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