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NBA

"Schröder hat sicher mehr Potenzial"

Polens Nationaltrainer Mike Taylor diskutiert in der Triangle Offense mit den SPOX-Redakteuren
© getty

Boston ist zu früh zu gut

Marc-Oliver Robbers: Das halte ich für Blödsinn und entspricht auch nicht meiner Auffassung von Leistungssport. Jedes Team sollte immer den Anspruch haben, so gut wie möglich zu sein. Ich weiß, das ist ein leidiges Thema und ich will hier auch keine Tanking-Debatte vom Zaun brechen. In meinen Augen, sind die Celtics genau auf dem richtigen Weg. Sie haben ein junges, talentiertes Team, das vielleicht in der Tiefe ein bisschen zu breit ist. Das macht es schwer, genug Minuten für jedes Talent zu finden, aber gibt auch die Chance, Trades einzufädeln, die den nächsten Schritt beschleunigen können. GM Danny Ainge scheut bekanntlich nicht das Risiko und wird auch jetzt wieder auf der Suche nach dem Deal sein, der die Franchise wieder einen Schritt Richtung Contender bringt. Der Nets-Pick ist dabei pures Gold wert. Ich bin aber gespannt, wie du die Sache siehst, Mike. Du warst schließlich schon Teil der Franchise und kennst die handelnden Personen.

Mike Taylor: Genau. Für mich ist dieser unerwartete Aufschwung die Power von positivem Coaching. Brad Stevens und sein Trainerteam machen einen großartigen Job. Sie haben ein großartiges System und entwickeln das Team wirklich Schritt für Schritt. Der Schlüssel zum Erfolg war dabei der Trade von Isaiah Thomas. Er macht den Unterschied. Er ist so schwer zu verteidigen und man schafft es nicht, ihn aus der Zone zu halten. Dadurch lässt er die Defense einstürzen und macht es für die Kollegen einfacher. Wenn man sich den Kader anschaut mit all den Assets, die sie angesammelt haben, warten eigentlich alle darauf, dass Danny Ainge DEN Move macht. Du ja auch, Olli. Was viele dabei aber vergessen, ist die Tatsache, dass sie sich durch die vielen kleine Moves schon enorm verbessert haben. Sie haben nun viel mehr Verteidiger im Team. Marcus Smart als athletischen Verteidiger am Perimeter, Amir Johnson im Frontcourt sind nur zwei Beispiele. Ich glaube daher nicht, dass sie zu schnell zu gut geworden sind. Vielmehr sollte man die Trainer und das Management loben, dass sie das Team schon so weit gebracht haben. Dritter im Osten zu sein, ist sicher gut, aber sie wissen natürlich auch, dass sie sich weiter verbessern müssen, um mit den Elite-Teams mithalten zu können.

Martin Klotz: Das sehe ich ganz anders. Die Celtics sind nicht nur zu früh zu gut, sondern auch noch mit den "falschen" Spielern. Kelly Olynyk, Avery Bradley, Evan Turner, Jared Sullinger - das alles sind solide NBA-Profis. Aber eben nicht mehr und nicht weniger. Es fehlt der Franchise-Player, das Herzstück. Isaiah Thomas ist dieses Jahr zwar zum ersten Mal All-Star geworden, aber Richtung Titel tragen kann er ein Team nicht. Es stimmt, Brad Stevens macht einen ausgezeichneten Job, doch es ist für eine Franchise immer schwierig, dem Zeitplan voraus zu sein. Was dabei zwangsläufig steigt, ist die Erwartungshaltung. Platz drei im Osten war im zweiten Jahr des Neuaufbaus nicht zu erwarten, dementsprechend denken die C's nun schon über Trades nach, die sie im Hier und Jetzt verbessern könnten. Der Fokus sollte aber auf der Zukunft liegen, um die Traditionsfranchise langfristig wieder zu einem Elite-Team zu machen. Boston riskierte beim Draft-Day-Angebot an die Hornets mit vier Erstrundenpicks schon deutlich zu viel. Ein Schritt nach dem anderen wäre angebracht. Hoffentlich bleibt Stevens seiner besonnenen Linie treu und kann GM Danny Dinge von riskanten Moves abhalten.

Stefan Petri: Geht das überhaupt? Zu früh "zu gut" sein? Der Gedanke dahinter ist doch, dass die Celtics noch länger im Keller der Eastern Conference hätten herumkrebsen sollen, damit man noch einen oder zwei richtig gute Picks abgreift und sich so den fehlenden Superstar ins Haus holt, richtig? Und wenn es so wäre? Erst einmal ist der Draft immer noch Glückssache: Die Ping-Pong-Bälle müssen richtig fallen, und dann muss man auch noch richtig draften (siehe Philly). Also wäre ein besserer Pick keinesfalls die Garantie für einen Superstar. Und selbst wenn man am 23. Juni 2016 mit einem Top-3-Pick einen absoluten Rohdiamanten erwischen würde: Damit es soweit kommt, müssten doch alle jetzigen Spieler sehr viel schlechter sein. Will man das wirklich? Ein potenzieller Superstar flankiert von Graupen? Wie schnell kommt man so an eine realistische Titelchance? Die Antwort ist: nicht sonderlich schnell. Ich sage, es läuft perfekt für die Celtics: Sie haben ein ganzes Arsenal an fähigen Spielern - und sie haben eine Menge Picks, darunter den Nets-Pick! Jetzt gilt es nur, entweder richtig clever zu draften, oder ein Paket an Picks und Spielern für einen Superstar wie Boogie Cousins herzugeben. Das muss nicht klappen, ist also keine Garantie für den sehnlichst erhofften neuen Franchise-Retter. Aber die gäbe es auch nicht, wenn man mit einer Bilanz von 12-42 die positive Energie aus dem eigenen Roster saugen würde.

Mike Taylor: Du sagst es, sie haben so viele Assets und eben den Nets-Pick. Sie müssen jetzt abschätzen, ob sie dadurch schon jetzt einen besseren Spieler bekommen, als der Pick ihnen in der Zukunft durch den Draft bringen kann. Wenn es diesen Deal geben sollte, werden sie ihn machen. Sie wollen zurück an die Spitze, aber der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Mit so einem Deal lässt sich der Weg aber vielleicht abkürzen.

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