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Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 9 in der NFL

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4. Packers fallen, Bears klettern: Wo steht die NFC North?

Manchmal liegt man richtig, wenn man versucht, die Themen des Spieltags zu antizipieren, zu antizipieren, worüber man schreiben wird und welche Themen die Diskussionen am Montag nach dem Spieltag prägen werden.

Ich bin ehrlich, dass ich diese Woche über die NFC North schreiben würde, hatte ich nicht erwartet. Ich bin davon ausgegangen, dass die Bears dann doch wieder einige Probleme haben würden, mit einer Dolphins-Defense, die zwar durch die Luft anfällig, am Boden aber stark ist.

Ich bin davon ausgegangen, dass die Vikings in Washington relativ sicher gewinnen - und dass die Packers gegen Detroit ihren zarten Positiv-Trend fortsetzen würden.

Den zumindest war ich bereit, Green Bay nach dem Bills-Spiel zu attestieren. Das war der in meinen Augen - gerade wenn man den Gegner bedenkt - beste Auftritt der Packers-Offense. Das Run Game wirkte explosiver (Anmerkung hier: ich verstehe nach wie vor nicht, warum das nicht zu 90 Prozent Aaron Jones' Backfield ist!), vor allem aber Rodgers spielte deutlich besser.

Und in der Frühphase schien sich das gegen die Lions fortzusetzen. Die frühe Interception per Helm-Abpraller war in erster Linie Pech, doch Rodgers attackierte wieder vertikal und aggressiv und schien ein wenig von seinem Mojo zurück zu haben.

Das aber war nicht von Dauer. Insgesamt drei Interceptions an oder in der gegnerischen Red Zone, mit einem vermasselten Trick Play und einem Wurf relativ klar in Coverage. Rodgers hatte einige Underthrows, die Green Bay potenzielle Punkte kosteten, während vor allem vor der zweiten Interception auch das Red-Zone-Play-Calling mit zwei Shotgun-Runs und einer Fade von der gegnerischen 1-Yard-Line sehr viel Raum für Verbesserungen bot.

Die Packers schlugen zurück, der erste Touchdown-Pass zu Lazard war glänzend platziert von Rodgers, aber das Spiel drehten sie nicht mehr. Es war, nach einem ermutigenden Auftritt gegen Buffalo, eine desaströse Niederlage.

State der NFC North: Wohin geht diese Division?

Doch wie bereits erwähnt, fand ich diesen Spieltag so passend, um über den Ist-Zustand, vor allem aber die Prognose dieser Division zu sprechen, weil alle vier Teams auf unerwartete Art und Weise in drei parallel stattfindenden Spielen auffällig wurden. Und weil sich mit Blick auf diese Division die Frage stellt: Sehen wir gerade eine Staffelstabübergabe?

Und wenn ja: An wen?

Denn klar ist, dass diese Division den Packers über die letzten Jahre gehörte. Green Bay dominierte die NFC North, gewann sie regelmäßig vorzeitig und mit Abstand. Klar scheint jedoch auch, dass die Zeit der Packers ihrem Ende entgegen geht. Und die Packers scheinen es zu wissen!

Wenn wir nur einigen der Berichte glauben, war Green Bay sehr aktiv auf dem Receiver-Markt vor der Deadline. Einen Erstrunden-Pick soll man den Panthers für D.J. Moore geboten haben, einen Zweitrunden-Pick den Steelers für Chase Claypool.

Es wirkt fast so, als wäre Green Bay mit dem Rodgers-Vertrag All-In gegangen, nur um dann erst viel zu spät zu bemerken, dass dieses Fenster kurz sein wird und dass Rookie-Receiver nur bedingt dabei helfen werden. Dass man auch wirklich All-In gehen muss, nicht nur mit dem Vertrag des Quarterbacks.

Green Bay ging mit einem Team an den Start, das eine Elite-Defense und einen Quarterback auf MVP-Level gebraucht hätte, um nochmals auf Titeljagd zu gehen. Aktuell haben die Packers beides nicht, und die Uhr tickt. Und wenn Rodgers jetzt schon gegen die schlechteste Defense der Liga Pässe mit kostspieligen Konsequenzen unterwirft, tickt sie vielleicht noch etwas schneller.

Bears finden eine bessere Offense-Formel

Was die Bears angeht bleibe ich dabei, dass die Bears zwar was den generellen Rebuild-Zustand dieses Kaders richtig lagen, und dass sie gute Moves gemacht haben, um Veterans weg zu traden und Kapital zu sammeln - aber dass die dennoch in der Offseason mehr hätten machen müssen, um Fields zu unterstützen.

Das war immer ein schwieriger Spagat, welchen Chicagos neues Regime bewältigen musste, und mit dem Trade für Claypool haben sie zumindest ein wenig eine erste Kurskorrektur vorgenommen.

Die größte Kurskorrektur aber fand nach der Thursday-Night-Niederlage gegen Washington statt, als die Bears beschlossen, dass der bisherige offensive Plan mit zumeist klar unterlegenem individuellen Talent so nicht aufgeht. Dass Fields noch nicht bereit ist, um aus der Pocket als Passer zu gewinnen, erst recht nicht in diesen Umständen, welche ein Kader im Umbruch eben mit sich bringen kann.

Fields selbst sprach nach dem überraschenden Sieg in New England darüber, dass man einige Designs aus dem Playbook der Baltimore Ravens übernommen habe, und das machte sich überdeutlich bemerkbar. Fields lief den Ball gegen die Patriots zwölf Mal, nur zwei davon waren Scrambles. Gegen die Dolphins am Sonntag waren es sogar 15 Runs, für 178 Rushing-Yards - so viele hatte noch nie ein Quarterback in einem Regular-Season-Spiel aufgelegt.

Fields war als Runner spektakulär. Er rettete Plays, und er war auch als designter Runner die gefährlichste Waffe für die Bears. Aber er hatte auch einige sehenswerte Pässe, darunter den Touchdown zu Darnell Mooney. Fields' exponierte Rolle als Runner öffnet auch Dinge im Passspiel, das Armtalent steht außer Frage und über die letzten Wochen bekommt man vermehrt den Eindruck, dass er sich im Passspiel steigert.

Die Bears zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Der QB-Run-lastige Ansatz ist keine Langzeitlösung, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Fields muss sich als Passer weiterentwickeln, er muss in der Pocket nach wie vor deutlich besser werden.

Aber er ist ein außergewöhnlicher Runner: Diese Beschleunigung, das haben wir auf der Quarterback-Position selten gesehen und ich würde argumentieren, dass das aktuell auch niemand auf diesem Level abrufen kann, wenn es darum geht, Straight-Line zu beschleunigen. Die Offense muss diesen Aspekt schematisch einbauen, Fields ist hier zu wertvoll, um das nicht zu machen.

Die Bears sind noch immer inmitten eines Rebuilds, aber Fields' Trend über die letzten drei Wochen ist absolut ermutigend; ermutigend genug, um gezielter um sein Talent aufzubauen. Und Chicago hat die Mittel, um jetzt weiter um Fields aufzubauen, um sich schematisch weiter zu entwickeln. Plötzlich ist es ein Team, das eine konkrete Perspektive hat - und die sieht viel spannender aus, als ich vor der Saison gedacht hätte.

Die Bears könnten das interessanteste Team sein für die mittel- und langfristige Perspektive sein, wenn Fields seine Entwicklung fortsetzt. Die Vikings sind das Team, das kurzfristig in der Division übernehmen wird. Minnesota gewinnt weiterhin enge Spiele und stellt, das können wir an diesem Punkt auch relativ deutlich sagen, den komplettesten Kader dieser Division.

Auch in Minnesota wird es spannend sein, zu sehen, wie sich die Vikings perspektivisch aufstellen wollen. Das ist ein älteres Team in mehreren Bereichen, gleichzeitig wird Justin Jefferson bald sehr teuer - und beinahe jährlich stellt sich die Frage, ob man mit Cousins weitermachen will oder nicht. Aktuell sind die Vikings das beste Team in der Division. Daraus sollten sie allerdings auch Kapital schlagen, solange diese Aussage zutrifft.