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NFL

Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 14 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf Woche 14 in der NFL.
© getty

5. Seahawks: Der Adams-Trade - Anatomie eines Fehlgriffs

Nur ein paar Stunden lagen in der vergangenen Woche zwischen der Nachricht, dass Seahawks-Safety Jamal Adams in dieser Saison nicht mehr spielen wird - und dem jüngsten neu aufgetauchten Gerücht dahingehend, für welche Teams Quarterback Russell Wilson seine No-Trade-Klausel aufheben würde.

Die Giants, Broncos und Saints sind laut NFL-Insider Jordan Schultz die glücklichen Kandidaten, aber das soll hier gar nicht im Vordergrund stehen. Zumal Wilson entsprechende Berichte später dementierte, wenngleich Rapoport dann am Sonntag wiederum berichtete, dass ein möglicher Wilson-Trade in der Offseason abermals ein Thema sein wird.

Doch es war eher einerseits die Ironie der Tatsache, dass nach dem ersten guten Spiel der Seahawks-Offense seit Wochen plötzlich wieder derartige Gerüchte auftauchen - und andererseits die Art und Weise, wie diese beiden Meldungen den Zustand der Seahawks und die Wahrnehmung des Teams zusammenfassen.

Die Seahawks stehen vor einem größeren Umbruch, und der zweite Erstrunden-Pick, der für Adams zu den Jets wandert, wird höchstwahrscheinlich ein Top-10-Pick sein. Es wird die Möglichkeiten, den mit Blick auf diesen Kader dringend nötigen Rebuild voranzutreiben, empfindlich einschränken. Und es dient gleichzeitig als warnendes Beispiel, dafür, wie dieser All-In-Ansatz schiefgehen kann, wenn man sich selbst falsch einschätzt.

Identitätssuche statt -Findung mit Jamal Adams

Der Adams-Trade wirkte immer wie ein verzweifelter Versuch, einer Defense alten Glanz zu verleihen, nachdem die goldenen Jahre der Legion of Boom längst vorbei waren und Pete Carroll sich auf der Suche nach der Identität für sein Team befand. Adams aber war nicht das erhoffte fehlende Puzzleteil - ein einzelner Verteidiger ist das grundsätzlich selten - und er war auch nicht der identitätsstiftende Spieler für diese Defense.

Vielmehr trug er dazu bei, dass Seattle länger auf der Suche nach einem defensiven Scheme war, welches für Carroll funktioniert - und nun auch nach einem, in dem Adams bestmöglich zur Geltung kommt.

Seattle hat im Laufe dieser Saison eine bessere Rolle für Adams gefunden, auch weil sie ihr Defense-Scheme umstellten. Aus der einst strikten Single-High-Defense wurde zunehmend eine Mischform, mit mehr 2-High-Shells eingebaut. Adams kann so mehr Run Gaps aus der Tiefe füllen, während er gleichzeitig in Coverage mehr antizipieren kann als dass er blitzartig lesen und reagieren muss.

Das war bereits letztes Jahr auffällig, als Seattle Adams auffallend mehr in den Slot stellte als das die Jets zuvor getan hatten, weil die Seahawks ihn generell mehr in der Box und rund um die Line of Scrimmage einsetzen wollten. Dort machte er zwar als Blitzer den auffälligsten Unterschied für die Defense, aber häufig agierte er darin wie ein Fremdkörper.

Er wirkte sicherer, wenn er von hinten nach vorne arbeiten konnte - also aus einer etwas tieferen Rolle heraus - als wenn er aus dem Slot oder spezifisch aus der Box heraus covern musste.

Adams' Impact angesichts des Preises ist inakzeptabel

Natürlich entbehrt auch das nicht einer gewissen Ironie. Die Seahawks hatten Adams teuer geholt, weil sie in ihm den Superstar sahen, der die Defense auf ein neues Level heben und so das Titelfenster mit Wilson nochmals öffnen kann.

Doch nicht nur war es von vornherein eine schwierige Rechnung, von einem Safety einen solchen Impact zu erwarten - die Rolle, in der Adams aktuell am ehesten eine Rolle innerhalb der Seahawks-Defense gefunden hat, ist die eines Hybrid-Safeties, der aus 2-High-Shells aggressiv nach vorne verteidigen kann.

Mit Sicherheit keine unwichtige Rolle, aber Adams' Entwicklung innerhalb der Defense ist auf bestem Wege, zwar konstanter, aber auch in gewisser Weise austauschbarer zu werden. Was, angesichts des bezahlten Preises via Draft-Kapital und Cap Space, inakzeptabel ist.

Wie geht es weiter in Seattle?

Vielleicht ändert sich das zumindest ein wenig, wenn Adams fit ist und er diese Rolle in höherer Qualität ausfüllen kann. Klar ist, dass Adams ein fester Bestandteil dieses Teams für die nächsten Jahre sein wird. Doch wer wird sich ihm dabei anschließen? Welches sind die Säulen, um die man dieses Team für die nächsten drei bis fünf Jahre aufbaut?

Adams, DK Metcalf, Quandre Diggs - eher drei als fünf Jahre bei ihm -, vielleicht einer der jungen Verteidiger wie Jordyn Brooks oder Darrell Taylor - aber da endet die Liste auch. Tyler Lockett wird nächstes Jahr 30 und lebt auch von seiner Explosivität, ich weiß nicht, inwieweit ich ihn in so einer Liste noch aufführen würde. Und ich denke nicht, dass Wilson noch lange in Seattle sein wird, ansonsten wäre er natürlich eine weitere logische Antwort.

Die Seahawks haben bei der Zusammenstellung dieses Kaders eine bemerkenswerte Hilflosigkeit an den Tag gelegt; und als sie dann All-In gingen, indem sie Premium-Kapital in einen Superstar investierten, geschah das augenscheinlich ohne dass man eine echte Rolle für ihn im Kopf hatte; der Unterschied zwischen der Art, wie Seattle ihn letztes Jahr einsetzte und wie die Seahawks ihn dieses Jahr einsetzen, unterstreicht das. Oder eben alternativ, es geschah, weil man Adams' potenziellen Impact drastisch überschätzte. Vielleicht auch von beidem ein bisschen.

Natürlich ist das nur eine Personalie, natürlich wird ganz Seattle nach der Saison nicht darüber sprechen, ob Adams nach erneuter Operation an der gleichen Schulter wie in der vergangenen Offseason wieder komplett zu alter Stärke findet, und was das für die Defense bedeutet. Russell Wilson wird das zentrale Thema sein.

Doch der Adams Trade als ein versuchtes letztes Hurra, welches mit Ansage so schiefgegangen ist, steht irgendwo sinnbildlich dafür, dass in Seattle über die letzten Jahre zu viele Fehler gemacht wurden. Ein Kader kommt nicht über Nacht und nicht aufgrund einer einzelnen Entscheidung in diesen Zustand scheinbarer Richtungslosigkeit.

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