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NBA: Mavs-Experte Tim MacMahon im Interview: "Für Doncic waren Medientermine wie Mathe-Hausaufgaben"

Spiel 5 bei den OKC Thunder war 2016 das letzte Playoff-Spiel in der Karriere von Dirk Nowitzki.

Tim MacMahon ist für ESPN als Beatwriter für die Dallas Mavericks zuständig und schreibt derzeit an einem Buch über Luka Doncic. SPOX sprach im Rahmen der EuroBasket mit MacMahon über Doncic, die Dallas Mavericks und seine Erinnerungen an Dirk Nowitzki.

Am Dienstagabend spielt das DBB-Team um 20.30 Uhr gegen Doncic und die slowenische Nationalmannschaft. Alle Spiele der deutschen Mannschaft bei der EuroBasket gibt es live und kostenlos bei MagentaSport zu sehen!

Herr MacMahon, in ESPN-Podcasts werden Sie in der Regel als "Banned" MacMahon angekündigt. Das haben Sie ursprünglich Mark Cuban zu verdanken, richtig?

Tim MacMahon: Die Kurzversion ist, dass mich Mark Cuban damals kurzzeitig von Spielen der Dallas Mavericks verbannt hat. Ich hatte bis dahin ausschließlich über die Mavericks berichtet, und wir haben damals entschieden, meinen Wirkungsbereich zu vergrößern, ich sollte mich also auch mit anderen Teams beschäftigen. Das hat Cuban nicht gefallen. Er wollte ein Zeichen setzen, nicht in meine Richtung, sondern in die von ESPN, deswegen ließ er mich auf einmal nicht mehr in die Arena. Zum Glück haben er, meine Chefs und das Liga-Büro schnell gemeinsam eine Lösung gefunden. Es war eigentlich harmlos, aber ich habe einen guten Spitznamen mitgenommen.

Hat die Episode irgendetwas zwischen Ihnen und Cuban verändert?

MacMahon: Nein, es war ja nie etwas Persönliches. Wir haben das beide schon lange abgehakt, und ich würde sagen, dass wir eine professionelle Beziehung miteinander haben, von der beide Seiten profitieren.

Da Sie sich seit vielen Jahren mit den Mavericks beschäftigen: Wer ist einfacher im Umgang, Dirk Nowitzki oder Luka Doncic?

MacMahon: Es ist egal, wen Sie bei "Dirk oder ..." nennen, es wird immer Dirk sein. (lacht) Das muss ich ganz klar sagen. Ich kann mir keinen Superstar vorstellen, der so einfach und angenehm im Umgang ist wie Dirk. Er mochte meine Fragen natürlich nicht immer, aber das ist Teil des Jobs. Ich war durch ihn absolut verwöhnt.

Und wie ist es mit Doncic? Gerade zu Beginn seiner Karriere gab er ja kaum Interviews.

MacMahon: Luka will die Medien auf Distanz halten. Als er nach Dallas kam, wollte er gar nichts sagen. Für ihn waren Medientermine wie Mathe-Hausaufgaben. Er hat getan, was er musste, Spaß gemacht hat es ihm nicht ... er wäre auch jetzt noch begeistert, wenn er nie wieder ein Interview geben müsste. Er ist trotzdem etwas aufgetaut, er versteht mittlerweile, dass es Teil seines Jobs ist. Das Witzige ist: Ich weiß, dass da irgendwo eine Persönlichkeit versteckt ist, dass er einen guten Sinn für Humor hat. Über das letzte Jahr hat er davon gelegentlich etwas durchblitzen lassen. Hoffentlich wird das auch noch mehr, aber er wird sicherlich kein neuer Dirk werden.

Über Nowitzki heißt es ja, dass er in Dallas sofort Bürgermeister werden könnte. Ist Doncic auch schon an dem Punkt?

MacMahon: Er wird geliebt. In Dallas interessieren sich mehr Leute für die slowenische Nationalmannschaft als für Team USA. Sie realisieren natürlich, was für ein Glück sie haben, dass so ein Kaliber für die Mavs spielt. Er ist der populärste Athlet in einer Football-Stadt. Das sagt schon einiges aus, diesen Weg ist auch Dirk gegangen.

Sie erleben ihn täglich in Dallas, nun hier in Europa bei seiner Nationalmannschaft - verhält er sich da anders?

MacMahon: Er spielt mit Slowenien mit einer konstanten Freude. Das hat sicherlich auch mit dem Erfolg zu tun. In Dallas sieht man diese Seite auch, wenn es gut läuft. 20/21 sah man sie kaum, weil es aber auch einfach keine glückliche Saison war. Er hat das auch nach Olympia 2021 gesagt: Was er von der Nationalmannschaft am liebsten mit nach Dallas nehmen wollte, ist die Teamchemie. Es macht ihm hier einfach sehr viel Spaß.

Mit 23 Jahren ist Doncic bereits in der Konversation um den besten Spieler der Welt. Dabei wird immer mal wieder in Frage gestellt, ob er seriös genug ist. Vor dem Spiel gegen Deutschland in München etwa wurde er rauchend gesehen, sein Gewicht ist regelmäßig Thema ... wie stehen Sie dazu?

MacMahon: Ob das mit dem Rauchen stimmt, weiß ich nicht. Es steht aber außer Frage, dass seine Essensgewohnheiten, seine Disziplin abseits des Feldes, ein Thema sind. Er kam in den vergangenen beiden Saisons außer Form zum Team, das hat er auch zugegeben. Luka wird nie dünn sein. Aber es ist ein Unterschied, ob er 108 Kilo wiegt oder 10 Kilo mehr. Jetzt sieht er gut aus ... das ist eigentlich ja schaurig: Luka kann außer Form bleiben und ist trotzdem ein Hall-of-Famer. Wenn er disziplinierter wird und auf seinen Körper achtet? Dann kann er zum engsten Kreis der besten Spieler aller Zeiten gehören.

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