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Fussball

FC Bayern München - Roy Makaay im Interview: "Weißbier im Bus - das hat einfach dazugehört"

 

Trotzdem brauchten Sie nicht lange, um sich ins Team einzufügen und Ihren Torinstinkt unter Beweis zu stellen. Woran lag das?

Makaay: Der FC Bayern ist wie eine große Familie, die sich gegenseitig an allen Ecken und Enden unterstützt. Zumindest habe ich das in meiner Zeit als Spieler dort so empfunden. Stellen Sie sich mal vor, ein Verein verpflichtet Sie als neuen Torjäger und Ihr Vorgänger hilft Ihnen bei der Eingewöhnung. Das passiert bei keinem Top-Verein außer beim FC Bayern. Da hat Giovane Elber mich bei meinem Umzug nach Grünwald unterstützt und Tipps gegeben, bevor er nach Lyon gegangen ist. Außerdem hat Uli Hoeneß alles dafür getan, damit wir Spieler uns wohlfühlen.

Inwiefern?

Makaay: Er hat an spielfreien Wochenendtagen oft ein Restaurant in der Innenstadt für einen Brunch reserviert. Da sind dann alle Spieler mit ihren Familien zusammengekommen, und so hat man sich besser kennengelernt. "Ihr seht euch oft genug, also bringt bitte auch eure Frauen und Kinder mit", hat Uli immer gesagt. Ein klasse Manager, der rund um die Uhr und auch bei privaten Angelegenheiten immer für uns da war, vieles organisiert hat.

Wer waren Ihre besten Kumpels in der Mannschaft?

Makaay: Bastian Schweinsteiger ist ein sehr enger Freund von mir geworden. Er war schon damals ein unfassbar guter Fußballer, obwohl er meist noch gegen seinen Willen im linken oder rechten Mittelfeld gespielt hat, und nebenbei ein ganz feiner Kerl. Bei aller Rivalität zwischen Deutschland und Holland: Ich habe ihm den WM-Titel 2014 sehr gegönnt. Wie er da im blutüberströmten Trikot gekämpft hat, war der Wahnsinn.

Gab es einen Spieler, mit dem Sie überhaupt nicht zurechtkamen?

Makaay: Nein, da fällt mir niemand ein. Natürlich gab es in der Kabine hin und wieder ein paar Nickligkeiten, aber große Probleme? Nein. Es war eine gute Mischung aus Spaß und Ernst. Die südamerikanische Fraktion um Ze Roberto, Roque Santa Cruz und Claudio Pizarro hat eine gewisse Lockerheit reingebracht. Da ich aus meiner Zeit bei Teneriffa und Depor Spanisch konnte, waren wir auf Anhieb auf einer Wellenlänge.

Roy Makaay über Oliver Kahn: "Hat einen nicht vollgelabert"

Mit Pizarro bildeten Sie meist die Münchner Doppelspitze.

Makaay: Das hat Spaß gemacht. Claudio und ich haben auf dem Platz nur Spanisch gesprochen. Für unsere Gegenspieler war das ziemlich verwirrend. Sie wussten eigentlich nie, was wir im Schilde führten.

Wie kamen Sie mit Oliver Kahn, dem Kapitän, zurecht?

Makaay: Sehr gut. Oli war ein Leader aus dem Lehrbuch. Einer, der den Dialog gesucht, einen aber nicht vollgelabert hat. Vor den Spielen war er meist sogar der ruhigste in der Kabine, hat sich auf sich fokussiert und Musik auf seinem MP3-Player gehört.

Gab es keinen Kabinen-DJ?

Makaay: Nein, das war damals noch nicht so in Mode. Jeder hatte seine eigene Musik dabei.

Wie oft waren Sie eigentlich im P1?

Makaay: Viermal, und auch nur nach Titelfeiern. Mit Diskotheken konnte ich nie etwas anfangen. Ich war mehr der Restaurantgänger. In Grünwald haben wir uns oft mit Mitspielern zum Essen getroffen. Je älter der Abend wurde, desto voller wurde der Tisch. Das war perfektes Teambuilding.

Roy Makaay: Training unter Magath "hatte es in sich"

Wer war das Partybiest in der Mannschaft?

Makaay: Diese Frage kann ich Ihnen nicht verlässlich beantworten. Aber dass Südamerikaner gut im Feiern sind, ist kein Geheimnis. Trotzdem muss ich sagen, dass wir niemanden hatten, der jedes Wochenende um die Häuser gezogen ist. Das kann man sich auch nicht leisten, wenn man beim FC Bayern spielt.

Wohl erst recht nicht, wenn der Trainer Felix Magath heißt. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn und seine Trainingsmethoden?

Makaay: Bei Magath wird mir immer ein wenig übertrieben. Klar, in der Saisonvorbereitung hatten es die drei Einheiten am Tag mit dem morgendlichen Waldlauf vor dem Frühstück schon in sich. Aber während der Saison war wegen der vielen Spiele oft nur regeneratives Training möglich. Das war schon okay.

Mussten Sie im traditionellen Trainingslager am Tegernsee auch mal am "Quälix'schen" Berglauf teilnehmen?

Makaay: Nein, davon bin ich verschont geblieben. Im ersten Jahr unter Magath bin ich später aus der Sommerpause gekommen, im zweiten Jahr war das Wetter zu schlecht. Ehrlich gesagt hätte ich einen dieser Bergläufe aber schon ganz gerne mitgemacht. Vielleicht hätte ich Spaß daran gehabt.

Roy Makaay "zufrieden" mit seiner Zeit beim FC Bayern

Außer Magath arbeiteten Sie nur mit Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern zusammen. Wie war er als Trainer?

Makaay: Ottmar war entspannter. Er wusste aber auch genau, wann er laut werden und die Zügel anziehen musste.

Mit dem FCB gewannen Sie in vier Jahren unter anderem zweimal das nationale Double, blieben in der Champions League aber erfolglos. Wie würden Sie Ihre Zeit an der Isar rückblickend einordnen?

Makaay: In der Champions League hat uns oft das Glück gefehlt, wir hatten teilweise auch sehr früh sehr schwierige Gegner. Ich bin aber auch ohne diesen Titel zufrieden mit meiner Zeit beim FC Bayern. Allein das doppelte Double war ein toller und zum damaligen Zeitpunkt auch außergewöhnlicher Erfolg, weil das Rennen in der Bundesliga noch viel ausgeglichener war als heute. Werder Bremen und Schalke 04 haben es uns immer richtig schwer gemacht. Schade, dass sie jetzt so weit von der Spitze entfernt sind.

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