"Dirk und ich waren Gegner"

Rodrigue Beaubois kämpft sich nach vielen Verletzungen zurück
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SPOX: In der Saison 2011 bestritten Sie 53 Spiele für die Mavs, verpassten aber die Playoffs wegen einer Knöchelverletzung und konnten ihren Teamkollegen nicht helfen, den Titel zu gewinnen. Wie sehr hat es geschmerzt, auf dem Weg zur Meisterschaft an der Seitenlinie zu sitzen?

Beaubois: Das war enorm schwer. Meine Verletzung war leider wirklich schlimm und ich musste operiert werden, aber es war trotzdem eine tolle Erfahrung. Es war der erste Titel für Dallas, darauf hatten die Stadt und die Franchise ewig gewartet. Ein Teil davon zu sein, war wundervoll. Und es war auch der lang ersehnte Titel für Dirk Nowitzki und Jason Kidd, daher hat er noch mehr Bedeutung. Ich hätte mir natürlich gewünscht, in den Playoffs dabei zu sein. Aber ich habe mich genauso gefreut, wie der Rest des Teams und ich werde diese Zeit nie vergessen.

SPOX: Rick Carlisle hat gerade einen neuen Fünfjahresvertrag in Dallas bekommen. Was für ein Typ ist er?

Beaubois: Er ist ein toller Mensch und ein richtig guter Coach. Als ich später ein Basketball Camp auf Guadeloupe organisiert habe, fragte ich ihn, ob er nicht als Coach teilnehmen wollte und er sagte sofort ja. Er arbeitet hart für seinen Erfolg und auch er hatte die Meisterschaft wirklich verdient. Wir haben ihm immer vertraut und ich freue mich für ihn, dass es immer noch so ist. Über fünf weitere Jahre in Dallas wird er sich sehr freuen, weil ich weiß, dass er für die Mavericks lebt. Hoffentlich ist er dort noch lange erfolgreich.

SPOX: Warum haben Sie die Mavericks 2014 verlassen?

Beaubois: Am Anfang des letzten Jahres in meinem Rookie-Vertrag habe ich mich leider wieder verletzt und mir die Hand gebrochen. Leider gab es Komplikationen und ich musste erneut operiert werden. Das war echt schlechtes Timing. Als ich dann Ende Februar endlich wieder fit war, konnte ich mich nicht in die Rotation zurückspielen und im Sommer wäre ich Free Agent gewesen. Nach der Verletzung machte ich mir da keine großen Hoffnungen. Ich wäre gerne in Dallas geblieben, aber es läuft leider nicht immer so, wie man sich es wünscht.

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SPOX: Sie wechselten nach Belgien und spielten in Charleroi die Saison zu Ende, im Sommer ging es dann weiter nach Frankreich zu Le Mans. Hätten Sie nach den Jahren in der NBA nicht auch bei einem europäischen Top-Team anheuern können?

Beaubois: Ehrlich gesagt nein. Ich hatte fast ein Jahr nicht gespielt und als ich die Verletzung hinter mir hatte, war ich außer Form und hatte mein Selbstbewusstsein verloren. Für die letzten Saisonspiele hätte ich einem Top-Team nicht helfen können. Stattdessen habe ich mich für Belgien entschieden, weil dort im Vergleich noch die meisten Spiele zu absolvieren waren. Das habe ich gesucht, um meinen Rhythmus wiederzufinden. Dann folgte der nächste Schritt nach Frankreich. Das war alles, was möglich war.

SPOX: Nun spielen Sie in Strasbourg und sind einer der besten Scorer in der französischen Liga. Denken Sie manchmal darüber nach, es noch einmal in der NBA zu versuchen oder jetzt zu einem Team wie Real Madrid oder Fenerbahce zu wechseln?

Beaubois: Im Moment bin ich immer noch dabei, mein altes Spiel wiederzufinden, aber ich merke, wie es langsam zurückkommt. Ich bin wieder in besserer körperlicher Verfassung und wir werden sehen, was im Sommer passiert. Ich habe in Strasbourg einen Einjahresvertrag. Es gab auch Interesse aus der NBA. Ein Team wollte mich zum Probetraining sehen, aber es war nicht sehr konkret. Mal sehen, was in der Zukunft passiert.

SPOX: Derzeit geht es für Sie mit Strasbourg in der Turkish Airlines Euroleague um den Einzug ins Top 16, die Situation in der Gruppe A ist aber richtig verzwickt. Fünf Teams fighten hinter Fenerbahce um die drei verbliebenen Plätze. Was ist für Strasbourg in diesem Kampf wichtig?

Beaubois: Jedes Spiel ist für uns quasi wie ein Finale. Wie können aber nicht auf die Qualifikation schauen, sondern müssen uns auf das Spiel am Freitag konzentrieren. Es wird schwer genug, gegen Bayern München zu gewinnen. Aber wir werden uns bestmöglich vorbereiten, damit wir den Sieg holen können.

SPOX: Was wissen Sie über Bayern und auf welche Dinge legen Sie in der Vorbereitung auf das Spiel den größten Wert?

Beaubois: Bayern ist derzeit gut drauf und spielt richtig starke Defense. Das haben wir im Hinspiel in München am eigenen Leib erfahren. Da geben sie vollen Einsatz. Wir müssen unser Ball Movement verbessern, sonst können wir sie nicht knacken. Sie haben einige Spieler, die auch offensiv großen Schaden anrichten können, aber was sie so besonderes macht, ist das Team. Sie spielen wirklich sehr gut zusammen. Das wird ein harter Kampf.

SPOX: Gegen welchen Guard-Typ spielen sie lieber - einen schnellen, scorenden Point Guard wie Alex Renfroe oder einen Old-School-Ballverteiler?

Beaubois: (lacht) Schwierige Frage. Beide Spielertypen haben ihren Einfluss auf das Spiel, wenn auch auf andere Weise. Man muss dagegen natürlich unterschiedlich verteidigen, aber ich habe da eigentlich keine Präferenz. Die Devise ist einfach - egal, ob er nun scoren oder passen möchte: Verhindere, dass er zur Entfaltung kommt.

Seite 1: Beaubois über sein 40 Punktespiel und Steph Curry

Seite 2: Beaubois über Rick Carlisle, seinen Abschied und die Bayern

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