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NHL

"Ich könnte nicht glücklicher sein"

Von Interview: Jonas Schützeneder
Leon Draisaitl ist zurück bei den Edmonton Oilers
© getty

Es waren turbulente Wochen für Leon Draisaitl. Kurz vor Ende der Frist strichen ihn die Edmonton Oilers aus dem NHL-Kader und schickten den Kölner zum AHL-Farmteam Bakersfield Condors. Zwei Wochen später kam der 20-Jährige zurück und spielt seitdem groß auf (8 Spiele, 13 Punkte). Keiner hat er in der NHL aktuell einen besseren Punkteschnitt als Draisaitl. Kein Crosby, kein Ovechkin, kein Malkin. Im SPOX-Interview spricht Draisaitl über das Traum-Comeback, die Zukunft bei den Oilers und seinen Rückhalt aus der Familie.

SPOX: Leon, Sie sind vor zwei Wochen kurzfristig zurück in den NHL-Kader der Oilers gekommen. Danach folgten 13 Scorerpunkte (5 Tore, 8 Assists) aus 8 Spielen, damit sind Sie beim Punkteschnitt pro Spiel mit 1,63 sogar die Nummer eins in der NHL vor Superstars wie Patrick Kane und Tyler Seguin. Wie kann man das erklären?

Leon Draisaitl: Ich denke, dass mein Selbstvertrauen zurzeit sehr groß ist und ich deshalb einfach erfolgreicher bin. Zurzeit bekomme ich viel Spielzeit und habe mit Taylor Hall und Ryan Nugent-Hopkins natürlich gute Linemates. Für einen jungen Spieler ist das unglaublich wichtig. Deshalb bin ich einfach nur glücklich, wie es zuletzt gelaufen ist.

SPOX: Trotzdem hätte man Sie natürlich von Saisonbeginn an im Team erwartet. Wie sind Sie damit umgegangen?

Draisaitl: Ja, ich gebe es natürlich zu: Es war nicht einfach für mich, diese Entscheidung zu mitgeteilt zu bekommen. Man arbeitet hart im Trainings-Camp, um dann auch im Kader zu stehen. Aber im Sport muss man solche Entscheidungen annehmen.

SPOX: Macht so etwas einen jungen Spieler auch stärker?

Draisaitl: Ich denke schon. Ich war natürlich nicht glücklich, habe es aber dann gut angenommen und weiter hart an mir gearbeitet. Dass ich dann so schnell meine Chance bekommen habe, ist natürlich super.

SPOX: Die Oilers hatten von Experten und Fans massive Kritik dafür enthalten, wie die Franchise mit ihren Top-Picks umgeht. Fühlen Sie sich nach wie vor gut aufgehoben?

Draisaitl: Definitiv. Wie schon gesagt, muss man sich als junger Spieler in der NHL alles mit harter Arbeit verdienen. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben in Edmonton. Ganz ehrlich: Ich könnte momentan nicht glücklicher sein.

SPOX: Sie wirken auf dem Eis deutlich selbstbewusster als noch im Vorjahr. Woran haben Sie besonders gearbeitet, bzw. was läuft jetzt besser?

Draisaitl: Ich denke, mit Blick auf das Skating, bin ich auf einem ganz anderen Level als letztes Jahr. Man lebt auf dem Eis einfach von der Schnelligkeit und Beweglichkeit, da habe ich auf jeden Fall Fortschritte gemacht. Ich bin generell viel stärker geworden und fühle mich auch deutlich besser.

SPOX: Sie haben in SPOX-Interviews immer wieder betont, dass Ihnen die Diskussion über Flügel- oder Center-Position völlig egal ist. Hat sich Ihre Rolle im Team unabhängig von der Position durch die starken Leistungen verändert?

Draisaitl: Nein, eigentlich nicht. Für mich ist es weiterhin relativ egal, wo ich spiele. Ich möchte ein vielseitiger Spieler sein. Dass ich beides spielen kann, hilft mir dabei. Natürlich freue ich mich über das Vertrauen. Nach wie vor zählt aber nur das Team.

SPOX: In der Torschussquote sind Sie auf Rang 7 der NHL. Wie erklären Sie sich den starken Abschluss?

Draisaitl: Auch das hat wieder mit meinem Selbstvertrauen zu tun. Wenn man die Sicherheit hat, fällt der Abschluss natürlich leichter. Und nur wenn man innerhalb der Linien harmoniert, bekommt man auch die Torchancen. Das ist derzeit der Fall.

SPOX: Trotzdem sind die Oilers einmal mehr Schlusslicht der Western Conference.

Draisaitl: Natürlich hätten wir gerne mehr Spiele gewonnen. Aber die Leistungen zuletzt waren definitiv ein Fortschritt.

SPOX: Trotzdem sind die Playoffs bei der starken Konkurrenz weit entfernt, oder?

Draisaitl: Man wird sehen, wie es in den nächsten Wochen weitergeht. Es ist noch sehr früh in der Saison, wir haben erst knapp 20 Spiele absolviert. Deshalb ist es auch zu früh, Playoff-Chancen einzuschätzen.

SPOX: Die Medien in Edmonton überschlagen sich aktuell mit ihren Draisaitl-Lobliedern. Vom "kommenden Superstar" bis zum "glänzenden Deutschen": Nehmen Sie das wahr?

Draisaitl: Ich würde lügen: Ja, man nimmt es schon wahr. Wenn es gut läuft, wird man schnell gefeiert und umgekehrt läuft es dann genauso. Deshalb schaut man besser auf die Arbeit im Training und probiert, es auszublenden.

SPOX: Neben Ihnen spielt auch der Landshuter Tobias Rieder mit 10 Scorerpunkten (5 Tore, 5 Assists) in 18 Spielen bei den Arizona Coyotes erneut eine starke Rolle in der NHL. Sind Sie viel in Kontakt mit ihm?

Draisaitl: Ja, auf jeden Fall. Tobi und ich sind wirklich gute Freunde. Ich freue mich sehr, dass er derzeit so gut spielt. Und natürlich gratuliert man sich zu Toren und Siegen oder spricht über Gegner in der NHL. Ich glaube für die Fans zuhause ist es super, dass mehrere Deutsche in der Liga eine starke Rolle spielen.

SPOX: Das hilft natürlich auch der Nationalmannschaft. Mit Marco Sturm soll ein Ex-NHL-Star die DEB-Auswahl wieder nach oben führen. Hatten Sie schon Kontakt mit ihm?

Draisaitl: Nein, ich hatte noch keinen Kontakt mit ihm. Derzeit schaue ich nur auf die Oilers, aber natürlich spielt man immer gerne für die Nationalmannschaft.

SPOX: Würden Sie sagen, dass sie die letzten Monate verändert haben?

Draisaitl: Schwer zu sagen, ob ich mich persönlich verändert habe. Natürlich wird man reifer und sammelt wichtige Erfahrung. Bei mir helfen da vor allem meine Familie und meine Freunde. Sie sind immer sehr, sehr wichtig. Sie sind immer für mich da und unterstützen mich sehr.

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