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NFL

Third and Long - Mailbag Preseason Week 1: Darum sollten Lance und Fields sofort starten

SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet eure Fragen zur Preseason.
© getty

Wie haben sich die Rookie-Quarterbacks in Woche 1 der Preseason geschlagen? Warum zählt Jordan Love zu den Gewinnern der Woche? Welche Youngster konnten ihre Aktien nach oben treiben, und wie laufen die Quarterback-Duelle in Denver und New Orleans? SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet eure Fragen zu Woche 1 der Preseason im Mailbag.

Rookie Quarterbacks: Lance und Fields sollten direkt spielen

Nichts ist in der Preseason aufregender als die Rookie-Quarterbacks - und das ist nachvollziehbar: Es ist das dominante Thema vor dem Draft, und kein einzelner Spieler könnte die Liga so nachhaltig verändern wie der nächste Superstar-Franchise-Quarterback.

Vorsicht ist dabei selbstredend geboten; die Sample Size ist klein, manche spielen mit und gegen Starter, andere mit der zweiten, oder gar der dritten Garde um sich herum.

Und doch war der Hype in Chicago quasi mit bloßen Händen zu greifen, nachdem Justin Fields nach der Halbzeitpause mehrere spektakuläre Szenen gegen die Dolphins aufgelegt hatte. In San Francisco toben derweil die Diskussionen, ob Trey Lance jetzt ein gutes Spiel abgeliefert hat - oder ob es abgesehen von dem einen langen Touchdown-Pass nicht doch eher überschaubar war, und Jimmy Garoppolo weiter fest im Sattel sitzen sollte?

Auch wenn wir davon ausgehen, dass man in der Preseason vorsichtig mit Detailanalysen sein sollte, Teams schematisch eher simpel unterwegs sind und so weiter, so gibt es doch einige klar sichtbare Unterschiede zwischen zwei Spielern wie Jimmy Garoppolo und Trey Lance - welche wiederum trotz aller Vorsicht und Zurückhaltung übergreifende Schlussfolgerungen zulassen: Trey Lance und Justin Fields sollten sofort starten.

Denn, vereinfacht gesagt, die Upside der beiden - weshalb die 49ers und Bears auch für sie hoch tradeten - sticht die Baseline der Veteranen vor ihnen, und das hat der Auftakt zur Preseason unterstrichen.

Man kann zwei weitere, simple Fragen stellen, um für sich zu ermitteln, ob Lance, oder Jimmy Garoppolo in Woche 1 spielen sollte: Sind die Niners mit einem fitten Garoppolo ein echter Titelanwärter? Und würde es der Entwicklung von Lance schaden, wenn er direkt spielt?

Niners-Fans mögen hier widersprechen, aber im engen Contender-Kreis sehe ich San Francisco auch mit Garoppolo nicht. Tampa Bay ist in der NFC das Maß aller Dinge, Green Bay habe ich auch klar davor - und dann muss man erst noch innerhalb der eigenen Division diskutieren. Und dann kommen eben die Limitierungen mit Garoppolo ins Spiel, dass alles um ihn herum sehr gut klappen muss, damit es eine Saison wie 2019 geben kann.

Zur zweiten Frage: Die Gefahr, dass ein junger Quarterback nachhaltig negativ geprägt wird, weil er "zu früh" spielt, sehe ich nur dann als ernsthafte Option, wenn er zu einem schlechten Play-Caller und hinter eine schwache Offensive Line gesetzt wird. Beides ist in San Francisco nicht der Fall, gerade was den Play-Caller angeht das genaue Gegenteil.

Umgekehrt muss man außerdem dagegen aufwiegen, inwieweit der junge Quarterback davon profitiert, dass er direkt spielt. NFL-Defenses mit all ihrem Tempo und ihrer Komplexität Woche für Woche hautnah zu erleben ist etwas, das man nicht im Training simulieren kann. Gerade ein Quarterback wie Trey Lance, der keine langjährige Erfahrung als College-Starter vorweisen kann, könnte unter den Umständen in San Francisco deutlich rasantere Entwicklungssprünge machen, als wenn er erst einmal ein Jahr zuschaut.

Und es ist unbestreitbar, dass Lance in seinem Preseason-Debüt auch wackelte. Er kassierte einige unnötige Sacks, er warf einige unsaubere Bälle, wenngleich seine Statline durch mehrere Drops seiner Receiver unverschuldet schlechter aussieht. Doch der Punkt ist nicht das, was Lance noch nicht kann - sondern das, was er kann, selbst komplett ohne das Element eines Option Run Games, auf das Shanahan noch verzichtete.

Die Armstärke, die Suche nach dem Big Play, die Plays von unsauberer Plattform und außerhalb der Pocket: Diese Plays geben den Niners Optionen, welche die Offense mit Garoppolo nicht hat. Sie geben ihr ein neues Ceiling. Dabei ist unbestritten, dass Garoppolo Stand heute in den grundsätzlichen Parametern der Shanahan-Offense sicherer ist. Doch für Lance wird die Lernkurve umso schneller sein, wenn er spielt.

Es besteht eine sehr reelle Chance, dass die Niners 2021 mehr Spiele verlieren, wenn Lance direkt startet. Aber 2021 sollte nicht der Fokus für dieses Team sein. Die Entwicklung des jungen Quarterbacks, in den man so viel investiert hat, sollte ganz oben auf der Prioritätenliste stehen.

Chicago Bears: Justin Fields gibt Chicago endlich Hoffnung

Die Bears haben eine ganz ähnliche Diskussion, wenngleich das Debüt von Justin Fields nochmal einen ganz anderen Hype lostrat als das von Lance in San Francisco. Dabei hatte auch Fields anfangs durchaus seine Probleme, hielt den Ball mitunter viel zu lange; so richtig ins Rollen kam er erst nach der Pause - und dementsprechend auch gegen weitere Backups aufseiten der Dolphins.

Doch kann man das Lance-Argument hier gerade weiterdrehen. Die Highlights, die Fields zeigte - die Runs, aber auch einige der Pässe gerade in der Rollout-Offense - waren ein Vorgeschmack auf ein neues Ceiling, welches mit Andy Dalton nicht erreicht werden wird. Es sind schlicht Plays, die der Veteran so nicht machen wird.

Auch Fields wird seine Rookie-Fehler machen, insbesondere hinter einer potenziell wackligen Offensive Line. Aber auf Quarterback-Mittelmaß unter dem trügerischen Deckmantel der Sicherheit zu setzen, wird beiden Teams mittel- und langfristig nicht helfen.

Im Fall von Fields und Lance kommt noch ein weiteres Argument dazu: Beide Quarterbacks bringen - eben auch im Vergleich zu Garoppolo und Dalton - eine Mobilität mit, die einen Unterschied machen und einer Offense eine neue Dimension geben kann; eine Mobilität, die vor allem aber den jungen Quarterbacks den Übergang in die NFL vereinfacht.

Rookie-Quarterbacks werden immer wieder mal von einer Defense überrascht werden, mit Pre-Snap-Reads daneben hauen, oder von einem Blitzer auf dem falschen Fuß erwischt werden. Dann die Mobilität zu haben, sich aus solchen Situationen zu befreien, erlaubt Spielraum für die ganz normalen Rookie-Fehler. Dalton und Garoppolo sind Platzhalter, die nur spielen sollten, wenn der Rookie dahinter klar noch nicht bereit ist. Und zumindest den Eindruck hat der Preseason-Auftakt nicht erweckt.

Wilson, Lawrence und Co.: So schlugen sich die Rookie QBs

Neben Lance und Fields waren mit Trevor Lawrence, Zach Wilson und Mac Jones auch die drei anderen Erstrunden-Rookie-Quarterbacks im Einsatz.

Zach Wilson, New York Jets: Von den fünf Rookie-Quarterbacks gefiel mir Wilson in Woche 1 am besten. Sicher in seinen Entscheidungen, zeigte sein Armtalent auch aus der Bewegung heraus, blieb ruhig und konstant in seiner Fußarbeit auch in der Pocket, ging durch seine Reads und lag damit zumeist richtig. Und er attackierte auch die Mitte des Feldes, eines der größeren Fragezeichen bei Wilson vor dem Draft. Es waren nur neun Dropbacks und die Jets hatten ein sehr gutes Skript für seinen ersten Auftritt, mit relativ sicheren Pässen, was wiederum auch für den Coaching Staff spricht. Wilson wirkte darin schon auffällig routiniert.

Trevor Lawrence, Jacksonville Jaguars: Lawrence war für mich ohne Zweifel das talentierteste Quarterback-Prospect - nicht nur in dieser Klasse. Was den ersten Auftritt angeht, würde ich ihn allerdings auf Platz 5 der fünf Rookie-Quarterbacks setzen. War mehrfach zu spät mit seinen Würfen, hatte mehrere Accuracy-Wackler drin, hielt den Ball teilweise zu lange, hinter einer wackligen Offensive Line. Lawrence hatte einen fantastischen Wurf spät im Down zu Marvin Jones, sowie eine Comeback-Route zu Jones, darüber hinaus aber wirkte er teilweise noch nervös und etwas überhastet.

Mac Jones, New England Patriots: Er zeigte das, was ihn auch im College ausgemacht hatte: Jones traf - nicht zuletzt im Vergleich zu seinen Rookie-Kollegen - sehr schnelle Entscheidungen, fand schnell offene Targets und verteilte den Ball sicher im Kurzpassspiel. Jones' Stats hätten mit etwas mehr Receiver-Hilfe noch deutlich besser ausgesehen. Gleichzeitig waren aber auch seine Limitierungen erkennbar, Jones braucht eine saubere Pocket - durch die er dann gut arbeiten kann -, um zu funktionieren. Dann kann er ein sehr effizienter Ballverteiler sein. Es ist kein Zufall, dass das Quarterback-Duell in New England noch nicht entschieden ist.

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