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NFL

Top 10: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 14 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke zieht seine Lehren aus Woche 14 in der NFL.

Jalen Hurts schockt die Saints bei seinem Starting-Debüt - aber warum eigentlich? Und was sagt das über Carson Wentz? Außerdem: Taysom Hill zeigt abermals seine Limitierungen, die Cardinals drehen an einigen offensiven Stellschrauben, die Vikings verlieren auf spektakulär bittere Art und Weise und bei den Chargers bleibt Anthony Lynn trotz des Sieges in der Schussbahn. SPOX-Redakteur Adrian Franke bringt Euch am Montag auf Stand mit seinen zehn wichtigsten Punkten und Einschätzungen zum vergangenen NFL-Sonntag, alle Recaps vom Sonntag gibt es hier.

Top 10 - die Takeaways zu Week 14 in der NFL

1. Hurts vs. Hill mit klarem Punktesieger

Die Eagles hatten sich nach dem nächsten schwachen Auftritt von Carson Wentz endlich dazu durchgerungen, den Quarterback-Tausch zu vollziehen - doch die erste Prüfung von Rookie Jalen Hurts als Starter schien maximal undankbar: eine der besten Defensive Lines der letzten Wochen, eine aggressive Defense, und das gegen eine Eagles-Offense, die ja auch außerhalb des Quarterbacks so einige Baustellen hat, inklusive der Offensive Line.

Die gehen selbstredend mit dem Quarterback-Tausch nicht automatisch weg, aber was gegen die Saints auffällig war: Die absolute Base-Line - den ersten offenen Read bedienen, im Rhythmus der Offense spielen, den Ball nicht zu lange halten - fehlte mit Wentz zuletzt häufig komplett. Mit Hurts hat das deutlich besser funktioniert, und das alleine gab der Offense eine gewisse Schlagkraft.

Hurts ging durch seine Reads, die Eagles arbeiteten viel mit Rollouts, er nahm den ersten Read, wenn der offen war, und brachte den Ball auch unfallfrei dahin, das alleine stabilisierte die Offense enorm. Darüber hinaus war er eben ein X-Faktor als Runner.

Die Eagles nutzten Zone Reads, anfangs war Hurts da manchmal noch zögerlich, immer häufiger fand er aber auch hier seine Lücken - und es kreierte eben auch Räume für Miles Sanders. Beide gingen am Ende über die 100 Rushing-Yards, die Saints hatten zuvor über 50 Spiele keinen individuellen 100-Yard-Rusher zugelassen, es war die viertlängste Serie seit 1950.

Selbstverständlich machte Hurts auch seine Fehler, nicht zuletzt der Fumble zum Schluss. Aber zwei Dinge dürften hier stehenbleiben: Das Spiel wirkte nicht zu groß für Hurts, der in seinem ersten NFL-Start schnell einen Groove fand. Und für Wentz war diese Partie nicht hilfreich. Denn Hurts' Auftritt unterstrich, dass bei allen Defiziten in der Offense eben doch mehr möglich ist, wenn der Quarterback mehr Teil der Lösung als Teil des Problems ist - und Letzteres war bei Wentz zu häufig dieses Jahr der Fall.

Bereits vor der Partie kursierten ESPN-Berichte, wonach Hurts den Rest der Saison starten könnte. Sollte das stimmen, hat dieser Auftritt das vielleicht sogar schon zementiert. Es gibt für Philly ein Fenster bis kurz nach Start des neuen Liga-Jahres, in dem Wentz getradet werden könnte. Hurts' erster Start hat dieses Szenario zumindest ein ganz klein wenig denkbarer gemacht.

Saints: Hill kostet die Saints schließlich doch einen Sieg

Doch auch auf der anderen Seite stand der Quarterback einmal mehr im Fokus. Es war schließlich doch mal ein Spiel, in dem die Saints aufholen mussten, in dem es mehr von der Offense brauchte. Und zu einem gewissen Grad schaffte New Orleans das - auch dank einiger sehr guter Pässe von Taysom Hill - auch. Sie kamen zumindest wieder zurück in die Partie. Doch, dass New Orleans diese Partie verlor, lag auch an einem abermals wackligen und von kritischen Fehlern geprägten Auftritt von Hill.

Die Offense begann mit Hill erneut sehr simpel. Play Action, Screens, Rollouts, Runs - das war früh die Saints-Offense. Die Fehler kamen dennoch schnell: Hill war mehrfach zu spät mit seinen Reads, kassierte so Sacks und warf gefährliche Pässe, es gibt kaum ein vertikales Element in der Offense. Der Touchdown zu Sanders war Hills zweite Deep-Passing-Completion in dieser Saison.

Und gerade das langsame Processing in der Pocket setzte sich fort. Hill hielt den Ball immer wieder zu lange, schaffte es bei einem kritischen Fourth Down nicht, zu seinem komplett offenen Backside-Read zu gehen, ehe der Druck bei ihm war, und kassierte dann beim vorletzten Saints-Drive zwei Sacks für 15 Yards Raumverlust, woraufhin Lutz das nun deutlich längere Field Goal aus 57 Yards verschoss.

Hill war keineswegs der alleinige Grund für diese Niederlage, doch abermals wurden seine Limitierungen überdeutlich. Die Saints hatten schon in den vergangenen Partien mehrfach mit dem Feuer gespielt, dieses Mal wurden sie eben verbrannt, weil ihre Defense die Offense nicht mittragen konnte.

Ich denke nicht, dass diese Niederlage für die mittelfristige Denkweise der Saints etwas ändert; wenn Sean Payton so sehr hinter Hill steht, wie es den Anschein hat, dann dürfte er ihm ohnehin genug gezeigt haben, um weiter für 2021 an diesen Weg zu glauben.

Ob das der langfristig richtige Weg ist, da bleibe ich zumindest skeptisch.

2. Die zwei Gesichter der Chiefs bleiben ein Thema

Im Endeffekt ist die Lektion aus der Dolphins-Klatsche gegen Kansas City ganz simpel: Wer Kansas City schlagen will, muss jeden einzelnen Fehler ausnutzen - und punkten, punkten, punkten.

Das ist zugegebenermaßen keine sonderlich neue oder kreative Erkenntnis, aber diese Partie war einer der besten Reminder daran seit den vergangenen Playoffs, als die Texans, die Titans und schließlich die 49ers im Super Bowl genau diese Erfahrung auch machen mussten. Und auch ein Reminder daran, warum Kansas City das gefährlichste Team der Liga ist, und das mit Abstand: Der Spielraum für Fehler ist vergleichsweise schlicht gigantisch für dieses Team.

Denn Miami hatte den perfekten Start in diese Partie. Die Dolphins setzten Mahomes früh unter Druck, auch und gerade aus dem 4-Men-Rush. Das war eine der großen Fragen im Vorfeld dieser Partie: Wie würden die Dolphins defensiv einen Zugriff auf das Spiel bekommen, ohne Mahomes zu blitzen, was in aller Regel eine schlechte Empfehlung ist? Und das noch ohne Roberts und Van Noy, der defensiv auf dem Platz Plays und Anpassungen ansagt.

Miami beantwortete diese Frage früh, und Mahomes machte Fehler. Die erste Interception traf einen sich wieder aufrichtenden Verteidiger und prallte zu Byron Jones ab, beim zweiten Pick überwarf er seinen Receiver. Und der historische 30-Yard-Sack (!) - so etwas hatte es seit 1997 nicht mehr gegeben - kam gegen einen 4-Men-Rush, sogar mit einem eingebauten Chip-Block, um die Protection zu unterstützen.

Der Start war also auf der Seite des Balls nahezu perfekt, aber schon da fängt es an, beziehungsweise es ist das Kernthema: Die eigene Offense machte daraus nur zehn Punkte. Und Kansas City hat den größten Skill-Position-Gamebreaker in der NFL in Person von Tyreek Hill. Bei einem End-Around-Run lief er einfach der Defense buchstäblich zum Touchdown davon, Hill setzte einen 44-Yard-Touchdown bei einem spektakulären Wurf von Mahomes obendrauf und das Spiel war Miami an dem Punkt schon längst entglitten. Dass Hardman mit einem 67-Yard-Touchdown per Punt Return die Kirsche obendrauf packte, passt in das Motto der Chiefs-Offense: Speed Kills.

Tua und die Dolphins können noch nicht mithalten

Mit Mahomes, mit der permanenten Big-Play-Gefahr, die diese Offense hat, muss man jeden Patzer, jedes schlechte Viertel gnadenlos ausnutzen und KC in ein möglichst tiefes Loch schicken. Auch das ist keinerlei Garantie, aber es ist eine Grundvoraussetzung. Miami war dafür mit Tua noch nicht in der Lage, was an diesem Punkt mit dem Rookie-Quarterback auch noch komplett in Ordnung ist.

In manchen Momenten wirkte es so, als würde das Spiel für ihn langsamer werden, Rollouts bleiben sein bester Freund. Aber er nahm auch noch zu viele Sacks, er übersah Grant für den offenen Touchdown bei Third Down, sodass es stattdessen das Field Goal zum 10:0 gab, er war für zu viele Pressures (mit-)verantwortlich.

Zwei Gedanken noch zu den Chiefs: Kansas City hatte dieses Jahr einige Spiele, in denen man den Eindruck bekam, dass sie nicht komplett fokussiert sind, ehe dann die Offense wie auf Knopfdruck das Tempo anzog. War in South Beach vielleicht schon der anstehende Kracher gegen die Saints im Hinterkopf? Und vor allem: Wird sich ein solcher Auftritt irgendwann doch auch mal rächen? Auch Miami blieb in Reichweite, als das Spiel eigentlich schon entschieden schien.

Der andere Gedanke ist eher übergreifender: Wann werden wir noch mehr Teams sehen, die versuchen, ein ähnliches Wide-Receiver-Track-Team zusammenzustellen? Die Raiders und Broncos in der eigenen Division sind ja bereits dabei.

3. Die bittere Wahrheit für die Raiders

Die Pleite gegen die Falcons, die Beinahe-Pleite gegen die Jets und jetzt gegen die Colts in einem mit Blick auf die Playoff-Chancen ganz wichtigen Spiel im Endeffekt chancenlos - rund um die Raiders muss man sich vermutlich eingestehen, was dieses Team wirklich ist: Ein Team, das offensiv begeistern kann, doch wenn es das nicht macht, gibt es auch nur wenige Siege.

Zu anfällig ist die Raiders-Defense. Rivers hatte immer wieder ewig viel Zeit in der Pocket, T.Y. Hilton kam mehrfach hinter die Defense und selbst die bisher in dieser Disziplin so enttäuschenden Colts konnten gegen Las Vegas den Ball sehr gut laufen. Das war aus Sicht der Raiders-Defense nur eine Art Bestätigung der bisherigen Saison, und die Entlassung von Defensive Coordinator Paul Guenther war dementsprechend auch folgerichtig. Wenn die perspektivischen Chancen dieser Saison darauf beruhen, dass die Raiders-Offense das Spiel gegen gute und sehr gute Teams tragen kann, dann ist das ein viel zu heikler Ritt auf der Rasierklinge. Bei allem berechtigten Lob für die Raiders-Offense dieses Jahr.

Las Vegas fällt jetzt so langsam im Playoff-Rennen zurück. Baltimore hat nach dem Spiel gegen Cleveland am Montagabend ein sehr machbares Restprogramm, die Browns selbst sind bereits zwei Siege vor Las Vegas und auch Miami ist aktuell ein Spiel voraus. Die Colts mit dem direkten Vergleich in der Tasche sind schon fast außer Reichweite.

Eine Saison, die vor einigen Wochen noch zumindest hinsichtlich eines unterhaltsamen Playoff-Trips vielversprechend wirkte, steuert für Las Vegas auf den achten oder neunten Rang zu.

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