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NFL

Third and Long Week 11: Kaepernick, Jackson und die Probleme der Patriots-Offense

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt in seiner wöchentlichen Kolumne zurück auf Woche 11 in der NFL.

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Wo liegen die Probleme der Patriots-Offense?

Als Brady nach dem Sieg über die Eagles zu seiner Pressekonferenz erschien, hatte man nicht den Eindruck, als hätte sein Team gerade gewonnen. Eher wirkte er, als hätte jemand ihm gerade den letzten Nachtisch in der Kantine vor der Nase weg geschnappt.

"Wir hatten Hochs und Tiefs. So sah es für mich aus. Vermutlich müssen wir uns also überall steigern", lautete Bradys Analyse. Keine zwei Minuten stand er, sichtbar erschöpft, auf dem Podium.

Doch es war keine Aussage, die dem Moment geschuldet war.

Am Montagmorgen in der Greg Hill Show legte Brady, dessen 14 Incompletions in der ersten Halbzeit gegen die Eagles einen persönlichen Karriere-Höchstwert bedeutet hatten, nochmals nach: "Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass wir gewonnen haben. Aber ich wünschte, wir hätten offensiv besser spielen können."

Dass die Patriots offensiv nicht gut waren, das war offensichtlich. Gegen eine zuletzt mehr als nur schlagbare Eagles-Secondary knackte Brady gerade so die 200-Passing-Yard-Marke (216), New England hatte ganze 19 First Downs und verzeichnete 4,2 Yards pro Play. Zum Vergleich: In der eigenen Division kam Miami am Sonntag bei der Niederlage gegen Buffalo ebenfalls auf 19 First Downs, bei 4,7 Yards pro Play.

Nicht gerade die offensive Gesellschaft, in der die Patriots sich messen wollen.

Patriots: Gronk, das Run Game - und die Offensive Line

Und doch ist das Thema insgesamt nicht neu. Bereits vor dem Spieltag stand New Englands Offense nach DVOA insgesamt auf Patz 11, die Passing-Offense auf Rang 13. Hinter Teams wie Oakland, den Chargers oder Jacksonville.

Entgegen einiger Takes ist dabei nicht das vertikale Passspiel das größte Problem - vielmehr ist es einerseits das Mid-Range-Passspiel (etwa acht bis 15 Yards tief), hier macht sich das Fehlen von Rob Gronkowski besonders bemerkbar, andererseits ist es aber auch das Run Game, in dem New England deutlich ineffizienter ist.

Letztes Jahr noch gehörte New England noch zu den konstantesten und schlicht auch besseren Rushing-Teams der Liga. Dieses Jahr sind sie hier ins untere Liga-Mittelfeld abgerutscht - geht man nach einer Statistik wie Yards pro Run, sind sie sogar eines der ineffizientesten Teams ligaweit.

Die Run-Designs sind dabei nicht großartig anders, Michel läuft auch ähnlich häufig gegen 8-Men-Boxes (29,8 Prozent) wie letztes Jahr (26,7 Prozent). Individuell besser war Michel letztes Jahr nach Kontakt, durchschnittlich holte er pro Run nach Kontakt 2,65 Yards heraus - dieses Jahr steht er hier nur bei 2,01 Yards.

Doch wenn ein Run Game so merklich schlechter wird, während gleichzeitig der Quarterback deutlich häufiger unter Druck steht, obwohl er den Ball im Schnitt genau so schnell loswird wie im Vorjahr, dann rückt natürlich die Offensive Line in den Mittelpunkt. Ganz konkret: Center Ted Karras und Left Tackle Marshall Newhouse sind gigantische Probleme für diese Offense. Der Rest der Line ist ebenfalls nicht so dominant wie letztes Jahr, doch diese beiden stechen ganz klar negativ heraus.

Newhouse, so die Hoffnung, wird ab kommender Woche durch Isiah Wynn ersetzt. Der Vorjahres-Erstrunden-Pick hat fraglos mehr Potenzial, blickt bisher aber auch auf ganze 82 NFL-Snaps und kommt jetzt von der zweiten Verletzung seiner noch jungen NFL-Karriere zurück. Zumindest Geduld ist hier also angebracht.

Air Raid Patriots?

Damit auf ins Tape: Ich habe für das Eagles-Spiel alle Patriots-Offense-Snaps noch einmal angeschaut und nach Personnel und grundlegender Formation eingeordnet; extrem auffällig war zum wiederholten Male, wie eindimensional New England in der zweiten Hälfte agierte. Abgesehen von den drei letzten Snaps hatte New England ein Play in 20-Personnel (2 Running Backs, 0 Tight Ends, 3 Wide Receiver) - und spielte ansonsten ausschließlich in 11-Personnel (1 RB, 1 TE, 3 WR).

Diese Eindimensionalität konnte man zuletzt bereits häufiger bei den Pats beobachten. Teilweise hängt das mit der No-Huddle-Offense zusammen, da darin die gleiche Personnel-Gruppe naturgemäß auf dem Feld bleibt. Doch ist das nur ein kleiner Part, New England hat sich, ganz konkret über die letzten drei Wochen, deutlich stärker auf 11-Personnel verlagert und ist hieraus extrem überdurchschnittlich Pass-lastig geworden.

Meine Idee, um die Offense zu reparieren, geht in eine noch extremere Richtung. Die Pats haben einen extrem spielintelligenten Quarterback, drei oder gar vier (inklusive Dorsett) Wide Receiver, die individuell gewinnen können, Probleme in der Offensive Line, keine nennenswerte Production von ihren Tight Ends und mehrere Running Backs, die auch gemeinsam auf dem Feld als Runner und Receiver eingesetzt werden.

All das schreit für mich förmlich nach mehr Air Raid Elementen. Mesh, eine Kurzpass-Timing-Offense, generell die Mitte des Feldes attackieren, No-Huddle, Spread-Formationen, 10- und 20-Personnel - diese Dinge meine ich. Das will ich von den Pats mehr sehen.

Und es ist nicht so, als würde New England klassische Air-Raid-Elemente nicht schon nutzen. Das hier dargestellte Play zeigt einen 10-Yard-Pass zu Dorsett - über ein Mesh-Konzept aus einer Empty Formation. Viel mehr klassische Air Raid geht kaum.

Patriots: Shotgun Empty gegen die Eagles

Down&DistancePersonnelPlayResultat
3rd&711Pass Short Middle+12
1st&1011Pass Short Middle+10
1st&1011Pass Short LeftIncomplete
1st&1011Pass Short Middle+12
1st&1011-Sack
2nd&1711ThrowawayIncomplete
2nd&1111Pass Deep LeftIncomplete

Das erwarte ich noch viel häufiger von den Pats in der Zukunft, um der Offense einen Rhythmus zu geben. Gegen die Eagles hatte New England sieben Snaps aus Empty Sets, alle aus 11-Personnel - und in einem Spiel, in dem man Big Plays meist vergebens suchte, hatten Brady und Co. daraus drei Pässe mit mindestens zehn Yards Raumgewinn.

Brady kann das Spiel in der No-Huddle an der Line of Scrimmage dirigieren, er ist ein präziser Underneath-Quarterback, die drei Receiver sind positionell austauschbar einsetzbar - New England hat hier in meinen Augen noch deutlich mehr Potenzial als sie bisher zeigen.

Was dagegen in Philly für diese Offense einfach gar nicht funktionierte, war die I-Formation (Quarterback Under Center mit zwei Backs hinter ihm im Backfield) und auch wenn New England das stets als festen Part seiner Offense hatte - unter anderem aufgrund der Rolle des Fullbacks für diese Offense, was aufgrund der Verletzungen auf dieser Position ohnehin vorerst kein Faktor ist -, so passt es für mich einfach nicht zum aktuellen Personal dieser Offense.

Patriots: I-Formation gegen die Eagles

Down&DistancePersonnelPlayResultat
1st&1021PA Screen+12
1st&1021Inside Run+3
1st&1021Inside Run+3
1st&1021PA (Throwaway)Incomplete
1st&1022PA Short RightIncomplete
2nd&Goal11PA Medium MiddleIncomplete
1st&1021Run Middle+2
1st&1022Pass Short Right-1

Generell, und das dürfte wenig überraschend kommen, war New England offensiv mit Abstand am produktivsten, wenn das Passspiel über In-Breaking-Routes lief.

Bei dieser Szene holte Edelman aus dem Slot zwölf Yards bei 2nd&10 gegen Man Coverage; Philadelphia spielte einen seiner wenigen Blitze und hatte deshalb keinen Underneath-Zone-Verteidiger zur Absicherung.

Nächstes Play, ebenfalls 2nd&10: Rookie-Receiver N'Keal Harry ist isoliert Eins-gegen-Eins, Play Action räumt Mitte des Feldes für den Passweg zusätzlich frei. Einfach elf Yards.

Das letzte Beispiel - das ist der 22-Yard-Catch-and-Run von Ben Watson bei langem Third Down:

New England stellte Julian Edelman mehrfach mehrere Yards hinter der Line of Scrimmage auf und gab ihm so einen zusätzlich freien Release. Hier erhält Watson Platz Underneath mit Edelmans Route und der Out-Route auf der anderen Seite als Ablenkung. Brady trifft ihn in vollem Lauf und komplett ungedeckt, Watson holt nach dem Catch zusätzliche 17 Yards raus.

Patriots-Offense: Wo geht die Reise hin?

Was sind also die weiteren Aussichten? Mit N'Keal Harry bekommt man mindestens eine Red-Zone-Waffe für den Rest der Saison dazu, und potenziell auch mehr: Harry, Edelman und Sanu können allesamt die Rolle des (Big-)Slot-Receivers ausfüllen und sind dementsprechend positionell auf dem Feld austauschbar. Mit White und Burkhead haben die Pats auch weiterhin Waffen, um Matchups gegen Linebacker zu forcieren.

Die dominante Downfield-Mismatch-Waffe wie Gronk kommt (vermutlich) nicht einfach so um die Ecke, und das scheint auch nicht die Art Offense zu sein, die New England sein will. Zumindest die Tatsache, dass man sich für Harry und Sanu entschieden hat, legt nahe, dass die Pats auch stilistisch bewusst ihre Offense ändern.

Und vielleicht wird die Line mit Wynn zurück auch wirklich schnell stabiler - dass sie das Vorjahres-Level erreicht wäre aber dann doch eine ziemliche Überraschung. Deshalb wäre New England meiner Meinung nach eben gut beraten, die Spread-Formationen noch zu intensivieren. So kann man, insbesondere aus 20-Personnel, auch in der No-Huddle sehr flexibel sein, gleichzeitig könnte man die Runs gegen eine leichte Box nach oben schrauben und so das Run Game wieder effizienter machen.

Und wenn man schon drei verschiedene Starting-Slot-Receivertypen und den wohl spielintelligentesten Quarterback der Liga hat - warum die dann nicht auch dementsprechend einsetzen?

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