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NBA

"Es sind rund zehn Teams interessiert"

Paul Zipser (r.) sorgte kürzlich beim Adidas Eurocamp für Furore
© getty

SPOX: Auf einem renommierten Draftportal war nach dem Camp über Sie zu lesen: "Paul Zipser ist ein Albtraum für die Verteidiger." Inwieweit hilft einem die heute schnell entfachte Begeisterung im Internet und den Medien?

Zipser: Klar, das ist schon anders als früher. Es generiert in erster Linie zusätzliche Aufmerksamkeit, aber nicht mehr. Mit der MVP-Wahl zum Beispiel, damit zwinge ich Scouts, mich anzuschauen. Sie kommen dann nicht daran vorbei. Aber wenn du nicht in der Lage bist, bei den Workouts auch die Leistungen zu zeigen, für die du gelobt wirst, dann hilft dir das gar nicht. Die Vorschusslorbeeren nutzen wenig. Das Internet kann Spielern eher nachhaltig schaden. Mir ist das zum Glück noch nicht passiert, aber das wiegt deutlich schwerer als ein Hype, der durch die Medien oder Social Media ausgelöst wird.

SPOX: Im Januar haben Sie mir im Interview gesagt, dass Sie noch keinen wirklichen Durchblick haben, was das Thema Draft und die Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Runde angeht. Das sieht jetzt hoffentlich anders aus...

Zipser: (lacht) Na klar, ich habe mit vielen Leuten gesprochen und weiß nun Bescheid, wie es läuft. Ich denke nicht, dass es für mich einen großen Unterschied machen wird, ob ich in der ersten oder zweiten Runde gedraftet werde. Ich glaube sogar folgendes: Die erste Runde ist überbewertet. Klar, es sieht besser aus, aber es ist wichtiger, ein gutes Team und eine gute Situation für sich zu finden. Die Draft-Position hilft einem in ein paar Jahren auch nicht mehr weiter. Da kommt es eher darauf an, einen guten Coach und einen guten Staff zu haben, damit man sich verbessern kann. Und natürlich ein Team, bei dem man Spielzeit bekommt. Da wäre ich lieber ein späterer Pick und habe dafür eine bessere Situation.

SPOX: Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie also direkt in die USA gehen?

Zipser: Klar!

SPOX: Wie sind Sie denn mit den Bayern verblieben? Plant der FCBB kommende Saison mit Ihnen?

Zipser: Marko Pesic war kurz in Treviso und hat mir gesagt, ich soll einfach erstmal Spaß haben. Ich soll so viel an Erinnerungen mitnehmen wie möglich und was daraus machen. Und ich soll mich nicht verletzen. (lacht) Das hört sich schon an, als würden sie weiterhin mit mir planen. Und wieso sollten sie auch nicht? Mein Vertrag läuft noch ein Jahr.

SPOX: Inwieweit haben Sie sich im Vorfeld mit den anderen deutschen Spielern wie Dirk Nowitzki, Dennis Schröder oder Tibor Pleiß ausgetauscht, die schon die NBA-Erfahrung gemacht haben?

Zipser: Jetzt unmittelbar vor dem Draft weniger, aber in der Saison habe ich mit allen dreien Kontakt gehabt. Dabei ging es aber auch nicht wirklich um den Draft. Darüber habe ich eher mit Niels Giffey gesprochen, der ja auch nach seiner College-Zeit einige Workouts gemacht hat. Er hat mir erzählt, wie es läuft und mehr brauchte ich auch nicht wirklich. Man kann ja nicht viel tun, außer vorher gut zu trainieren.

SPOX: Worauf legen die Teams bei den Treffen und den Workouts ihren Fokus?

Zipser: Ich bin gerade in Houston und war bisher als erste Station bei den New Orleans Pelicans. Dort hieß es, man soll in erster Linie alles geben und fokussiert sein. Ich habe einfach versucht, so zu spielen, wie ich immer spiele. Auch, wenn es zum Beispiel nur ein Drei-gegen-Drei ist: Man soll immer den Ball laufen lassen und mit seinen Teammates versuchen, die Spiele gegeneinander zu gewinnen. Dann sieht man immer besser aus. Das haben wir in New Orleans auch ganz gut geschafft.

SPOX: Mit welchem Gefühl sind Sie an das erste Workout bei den Pels rangegangen? Waren Sie nervös?

Zipser: Ich habe mir keinen Druck gemacht und bin eher mit Spaß an die Sache rangegangen. Ich habe mir nicht gesagt, dass ich jetzt jeden Wurf treffen muss, sondern wollte so spielen wie immer. Das ist mir ganz gut gelungen und es hat mehr Spaß gemacht als ich vermutet hatte. Da sind auch viele Spieler dabei, die bis zum Umfallen kämpfen und die deutlich mehr Druck haben, da sie vielleicht schon im vergangenen Jahr nicht gedraftet wurden oder keinen Roster-Spot bekommen haben.

SPOX: Können Sie einschätzen, welchen Eindruck Sie dort hinterlassen haben?

Zipser: Ich denke, dass der schon ganz gut war. Aber ich hätte vielleicht ein paar Tage mehr gebraucht, um mich an die NBA-Dreierlinie zu gewöhnen. Manchmal habe ich getroffen wie in Deutschland, aber manchmal habe ich gar nichts getroffen. Also bei den 100 Würfen, die ich nehmen musste, war ich ziemlich schlecht.

SPOX: War es einfach ungewohnt oder haben Sie Probleme mit der größeren Entfernung?

Zipser: Es hat mich selbst überrascht, weil es eigentlich nicht wirklich schwieriger ist. Es ist nur anders. Ich hatte zwei Tage Schmerzen im Handgelenk, weil ich versucht habe, mit mehr Kraft zu werfen. Aber wenn man das zu verkrampft macht, dann gehen die Würfe daneben.

SPOX: Die Teams legen ja auch viel Wert auf die persönlichen Gespräche. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet und was wollten die Verantwortlichen von Ihnen wissen?

Zipser: Gar nicht. (lacht) Die ersten Gespräche gab es ja schon in Treviso, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Es saßen immer mehrere Leute mit im Raum und ich hatte den Eindruck, manche Teams gucken auch sehr darauf, wie man redet, wie man reagiert und wie man sich gibt. Ich habe einfach ehrlich geantwortet und von mir erzählt. Die Teams wollten zum Beispiel wissen, was mit meinen Verletzungen war, was man über sich selbst denkt und wie man seine Stärken und Schwächen einschätzt. Es war wie ein Vorstellungsgespräch. Beim ersten Mal war ich schon nervös, weil mein Englisch auch nicht perfekt ist. Aber mit der Zeit haben sie die Fragen wiederholt und ich war dann auch etwas sicherer.

SPOX: Gab es eine Frage, die Sie völlig überrascht hat und auf die Sie keine Antwort wussten?

Zipser: Ja, die gab es wirklich. Ein Team wollte wissen, was ich denn ihren Coach fragen würde, wenn ich neben ihm in einem Flugzeug sitzen würde. Und es musste eine Frage sein, die nichts mit Basketball zu tun hatte. Da fiel mir überhaupt nichts ein und ich habe ganz ehrlich "Ich weiß es nicht" gesagt.

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