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Leichtathletik

Malaika Mihambo im Interview: "Man kann sich nicht sicher sein, ob man am Monatsende bei Null rauskommt"

Sie sind als Olympiasiegerin und Weltmeisterin so etwas wie das Gesicht der deutschen Leichtathletik. Fühlen Sie sich in dieser Rolle wohl?

Mihambo: Es geht gar nicht darum, ob ich mich wohlfühle oder nicht: Das ist etwas, das mit dem Erfolg kommt. Von daher freue ich mich einfach, weil es ja dafür steht, dass ich einen erfolgreichen Weg gegangen bin und andere das wahrnehmen. Das ist natürlich etwas Schönes.

Leider fällt Deutschland in der Leichtathletik aus der Weltspitze immer weiter zurück. In Eugene waren es gerade mal zwei Medaillen. Woran liegt das? Und wie kann man diesen Trend umkehren?

Mihambo: Ich habe natürlich nur einen begrenzten Erfahrungsschatz, aus dem ich sprechen kann. Aber ich denke schon, dass es da einige Stellschrauben gibt. Zum einen ist es natürlich so, wie Gina Lückenkemper es schon betont hat: Wir haben ein System, in dem die absolute Topleistung gefördert wird. Aber auf dem Weg dahin ist es hart und man kann sich nicht sicher sein, ob man am Ende des Monats bei Null rauskommt. Wer solche Ängste schon einmal erlebt hat, der weiß, dass man keine Höchstleistungen bringen kann, wenn alles auf Messers Schneide steht. Deshalb ist es natürlich schade, wenn nur die gefördert werden, die schon oben angekommen sind. Zum anderen ist es wichtig, dass wir mehr Breite schaffen. Nur aus dem Breitensport kann man eine breite Spitze herausarbeiten. Es geht darum, die Leichtathletik sichtbar zu machen, damit wieder mehr Kinder in die Vereine kommen und sehen, wie spannend unser Sport sein kann. Das gilt auch für andere Sportarten in Deutschland: Wir müssen diese Vielfalt wieder mehr aufleben lassen. Drittens ist wichtig, dass man von der Trainingslehre immer up to date ist. Dass man sich mit anderen Trainern austauscht und schaut, wie man das mit seinen Athleten ummünzen kann. Mein Trainer steht immer mit mindestens zehn ausländischen Top-Trainern überall in der Welt im Austausch und lernt so dazu. Er hat sogar schon bei anderen Trainern hospitiert.

Sehen Sie sich generell in der Verantwortung, Missstände in der deutschen Leichtathletik anzusprechen?

Mihambo: Wie man diese Rolle füllt, hängt von den äußeren Umständen ab: Welche Missstände gibt es, die man bemerkt und ansprechen möchte? Aber natürlich auch davon, ob man gerade die Kapazitäten hat. Es ist schwierig, als Athlet muss ich mich auf meinen Wettkampf konzentrieren. Wenn ich zu viele Baustellen öffne, geht das nicht mehr. Von daher versuche ich meine Rolle immer mit dem zu füllen, was mir am wichtigsten ist und wo abseits des Sportes und meines persönlichen Weges meine Leidenschaften liegen.

Erzählen Sie.

Mihambo: Ich möchte etwas für meine Mitmenschen tun und mich für ein soziales Miteinander einsetzen. Zum Beispiel kann ich mich durch mein Umweltstudium mit Thematiken beschäftigen, die mir am Herzen liegen, damit ich in Interviews darüber sprechen kann. So fülle ich diese Rolle. Aber da ist jeder Athlet anders. Man muss authentisch bleiben. So kann man Gehör und Einfluss finden und etwas schaffen, das andere inspiriert und berührt.

Mit "Malaikas Herzsprung" haben Sie einen Verein gegründet, mit dem Grundschüler kostenlos Mitglied in einem Leichtathletikverein werden konnten. Doch dann kam die Corona-Pandemie.

Mihambo: Ich möchte so vielen Kindern wie möglich in Deutschland ermöglichen, Leichtathletik zu machen. Mein Verein übernimmt deswegen die Jahresmitgliedschaft für ein Kind oder eine ganze Familie. Es geht darum, dass Kinder die Feinmotorik, Koordination und das Feingefühl stärken und natürlich darum, dass sie sich bewegen und Sport machen. Dadurch bekommen sie auch gleich mehr Selbstbewusstsein. Man kann viel über Zielsetzung lernen und es gibt viele positive Effekte wie Sozialkontakte und die Stärkung des Vereinswesens. Die Leichtathletik ist so vielseitig. Ich möchte den Kindern etwas zurückgeben. Gerade nach der Coronazeit ist es wichtig, Kindern einen Anker zu geben. Vereine können viel bieten, was Schulen nicht bieten können.

Jetzt kommt die EM in München. Zum Abschluss folgendes Szenario für Sie: Entweder eine neue persönliche Bestleistung mit 7,31 m, aber am Ende reicht es nicht zu Gold - oder der Titel, aber nur mit einem Sprung unter 7 Metern. Wofür würden Sie sich entscheiden?

Mihambo: Das ist eine schwierige Frage. (lacht) Bei einer Meisterschaft geht es darum, den Titel zu holen. Aber ich freue mich einfach darüber, wenn ich wirklich sagen kann, dass ich bei 100 Prozent meiner maximalen Leistungsfähigkeit war. Deshalb würde es mich natürlich freuen, wenn ich eine neue Bestleistung springen könnte.

European Championships 2022 in München: Der Zeitplan

SportartStadionZeitraum
LeichtathletikOlympiastadion15. bis 21. August
TischtennisRud-Sedlmayer-Halle13. bis 21. August
TurnenOlympiahalle11., 13., 14., 18., 20. und 21. August
TriathlonOlympiapark12. bis 14. August
Radsport StraßeMünchner Umland14., 17. und 21. August
Radsport BahnradMesse München11. bis 16. August
Radsport BMXOlympiaberg11. bis 13. August
Radsport MountainbikeOlympiapark19. und 20. August
BeachvolleyballKönigsplatz15. bis 21. August
KletternKönigsplatz15. bis 21. August
RudernRegattaanlage11. bis 14. August
Kanu-RennsportRegattaanlage18. bis 21. August
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