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Fussball

WM Kompakt am 6. Dezember: Drei Watschn, dann Balsam! CR7 erlebt wechselhaften Abend

Von Christian Guinin / Tim Ursinus

Auch für die letzten Achtelfinalpartien der Weltmeisterschaft in Katar hat sich das WM Kompakt pünktlich frisch gemacht. Dieses Mal mit dabei: Mal wieder Louis van Gaal, eine FIFA-Schummelei beim WM-Rasen, ein angefressener Roy Keane, der nächste Fehltritt eines WM-Botschafters, eine ungenießbare Bratwurst und Cristiano Ronaldo.

WM 2022 in Katar - Vergleich des Tages: Louis van Gaal

Beinahe kein Tag geht in diesem Format ohne einen Auftritt von Louis van Gaal vorüber - so auch heute nicht. Der Bondscoach verglich seinen viel diskutierten defensiven Spielstil mit dem der Brasilianer, die spätestens nach dem Gala-Auftritt gegen Südkorea von vielen als die bislang beste Mannschaft des Turniers gefeiert wird.

Besonders der Treffer von Richarlison, dem ein schöner Spielzug vorausgegangen war, sorgte für Staunen. Für van Gaal war allerdings das erste Tor seines Teams gegen die USA "schöner", wie er bei ESPN sagte: "Ich habe gestern auch ein Stück Brasilien gesehen, die spielen eigentlich den gleichen Fußball wie die niederländische Nationalmannschaft. Sie spielen aus einer kompakten Abwehr heraus und schalten sehr schnell um."

Van Gaal weiter: "Das Seltsame ist, dass ich dann in den Medien - von meinen Freunden - gelesen habe, dass das glänzender Fußball war, während wir das auch gemacht haben. Wir haben auch auf diese Weise ein Tor erzielt. Das Tor war viel schöner: das war ein Mannschaftstor. Das ragt über alles hinaus. Das ist der beste Moment dieser Weltmeisterschaft. Zwanzigmal mit hohem Tempo überspielt, das war wirklich ein Supertor.''

Bei NOS bezeichnete van Gaal Brasilien zudem als "Konterteam", da Südkorea "nur angegriffen" hätte.

WM 2022 in Katar - Wechselbad des Tages: Cristiano Ronaldo

Cristiano Ronaldo durchlief rund um das Achtelfinale zwischen seinen Portugiesen und der Schweiz ein Wechselbad der Gefühle. Erst stand er zum ersten Mal seit der Europameisterschaft 2008 - damals ebenfalls gegen die Schweiz - und nach 31 Spielen bei einem großen Turnier nicht in der Startelf, dann versaute ihm auch noch Teamkollege Pepe eine Bestmarke.

Mit dem Treffer des Routiniers (39 Jahre und 283 Tage) zum zwischenzeitlichen 2:0 rutschte Ronaldo auf Platz drei im Ranking der ältesten WM-Torschützen ab. Bei seinem Treffer gegen Ghana im ersten Gruppenspiel war er 37 Jahre und 292 Tage alt. Zur Vollständigkeit: Auf Platz eins der Rangliste steht weiterhin der Kameruner Roger Milla, der bei der WM 1994 im Alter von 42 Jahren und 39 Tagen gegen Russland (1:6) getroffen hatte.

Zu allem Überfluss traf sein Vertreter Gonçalo Ramos auch noch dreimal beim 6:1-Kantersieg. Trotz der drei Watschn in kürzester Zeit konnte Ronaldo, der vor dem Spiel entsprechend grimmig dreingeschaut hatte, noch ein Lächeln abgewonnen werden. Schon vor seiner Einwechslung skandierten die Fans seinen Namen, ehe er unter tosendem Applaus den Platz betrat. Balsam für die verwundete Seele.

WM 2022 in Katar: So liefen die Spiele am 6. Dezember

Marokko - Spanien 3:0 n. E. (0:0): Hier geht's zum Spielbericht

  • Die "1000 Elfmeter", die Spanien-Trainer Luis Enrique von seinen Spielern im Training ihres Vereins forderte, haben nichts gebracht. Die Furia Roja verlor ihr Achtelfinale gegen Überraschungsteam Marokko mit 0:3 nach Elfmeterschießen, nach 90 und 120 Minuten hatte es 0:0 gestanden. Damit verpassten die Iberer zum dritten Mal in Serie den Sprung unter die besten acht Teams der Welt.
  • Für Marokko ist es hingegen ein historischer Triumph. Sie stehen damit als vierte afrikanische Mannschaft nach Kamerun, dem Senegal und zuletzt Ghana unter den letzten Acht. Torhüter Bono avancierte mit drei gehaltenen Elfmetern zum Helden.

Portugal - Schweiz 6:1 (2:0): Hier geht's zum Spielbericht

  • Auch ohne Superstar Cristiano Ronaldo in der Startelf ist Portugal bei der Fußball-WM gegen die Schweiz ins Viertelfinale eingezogen. Der Europameister von 2016 setzte sich vor allem dank des Ronaldo-Vertreters und Dreifach-Torschützen Goncalo Ramos mit 6:1 (2:0) durch und erreichte erstmals seit 16 Jahren wieder die Runde der besten acht Mannschaften.

WM 2022 in Katar - Schummelei des Tages: Augusta-Trick

Freunde, Hand aufs Herz: Sind Euch die grün-gefärbten Trikots der Engländer beim 3:0-Sieg gegen den Senegal auch aufgefallen? Und nein, ich meine ausdrücklich nicht die in tiefgrün gekleideten Westafrikaner. Ich meine die eigentlich strahlend weißen Jerseys, mit denen die Three Lions aufliefen.

Diese wiesen bei manchen Spielern nämlich verdächtige grünliche Flecken auf, was den Verdacht erregt, dass bei der WM in Katar möglicherweise der sogenannte "Augusta-Trick" zum Einsatz kommt. Dieser leitet sich vom bekannten US-Masters-Golfturnier in Augusta ab. Dort werden Greenkeeper engagiert, die ausschließlich dafür zuständig sind, dass der Rasen in den verschiedensten Grün-Tönen erstrahlt. Im Fußball sind solche Praktiken hingegen eher ungewöhnlich, auch weil es auf vielen Plätzen schlicht keine Notwendigkeit gibt, den Rasen künstlich nachzufärben.

Die FIFA will von diesem Trick übrigens ebenfalls nichts wissen. Eine künstliche "Vergrünung" des Rasens, etwa um verdorrte Stellen zu überdecken, finde nicht statt. Lediglich manche Bereiche, in denen sich die Spieler aufwärmen können, seien mit grüner Farbe gefärbt worden.

Dann scheinen die Engländer wohl in genau diesen Bereichen ausgerutscht zu sein ...

WM 2022 in Katar - Anschiss des Tages: Roy Keane

Es ist kein Geheimnis, dass bei vielen Südamerikanern die Hüften etwas lockerer sitzen als bei uns Europäern. Das bewies Shakira vor mehr als 16 Jahren mit ihrem Welthit "Hips don't lie" und das beweist dieser Tage die brasilianische Nationalmannschaft, die nach quasi jedem Treffer zum Tänzchen bittet.

Beim Achtelfinalsieg gegen Südkorea war das ganze viermal der Fall. Vinicius Junior (7. Minute), Neymar (13., Foulelfmeter), Richarlison (29.) und Lucas Paqueta (36.) sorgten mit ihren Treffern früh für die Entscheidung gegen einen mehr als chancenlosen Gegner. Obendrauf gab es dann im Anschluss immer noch ein kleines Tänzchen - klassisch südamerikanisch eben. Selbst Tite, der Trainer des Rekordweltmeisters, ließ sich nach einem Tor dazu hinreißen, miteinzusteigen.

Das stößt jedoch offenbar nicht bei jedem auf Begeisterung. Manchester-United-Legende Roy Keane kritisierte die Spieler der Seleção für das, seiner Meinung nach, unprofessionelle Verhalten. "Ich finde, es ist respektlos, jedes Mal so zu tanzen, wenn du triffst. Ich habe noch nie so viel Getanze gesehen. Es ist, als würde man 'Strictly' anschauen", motzte der Ire. "Ich habe nichts gegen den ersten Jig - oder was auch immer das war - nach dem ersten Tor, aber das geht nicht jedes Mal. Es ist einfach respektlos. Sogar ihr Trainer war involviert. Ich finde das nicht gut."

Eine Antwort folgte prompt. "Das Problem hat derjenige, dem es nicht gefällt. Wir werden weiter tanzen", zeigte sich Flügelstürmer Raphinha unbeeindruckt von der Kritik. "Das ist unser Ausdruck der Freude, wenn wir ein Tor erzielt haben. Wir machen das nicht, um respektlos zu sein. Wenn das jemandem nicht gefällt, können wir auch nicht viel machen. Wir werden weiter Tore schießen und danach tanzen."

WM 2022 in Katar - Eklat des Tages: Samuel Eto'o

Dass Botschafter der Weltmeisterschaft in Katar keinen sonderlich guten Eindruck während dieser Wochen abgeben, scheint sich wie ein roter Faden durch das Turnier zu ziehen. Dieses Mal hat es Kameruns Verbandspräsident und Stürmer-Legende Samuel Eto'o "erwischt", der am Montagabend - das belegen mehrere Videos auf diversen Social-Media-Seiten - vor dem Stadion 974 in Doha einem Mann ins Gesicht trat.

Der Vorfall ereignete sich nach dem Achtelfinale zwischen Brasilien und Südkorea (4:1). Zunächst stand Eto'o für Selfies mit Fans bereit, bevor er einen Mann verfolgte, der ihn mit der Kamera filmte. Andere Personen versuchten noch, den 41-Jährigen zurückzuhalten. Eto'o riss sich aber los und trat auf den Mann, ein Youtuber aus Algerien, ein.

Weshalb Eto'o das getan haben soll, werden sich viele jetzt fragen. Nun, besagter Youtuber stellte nach Informationen des algerischen Fußball-Portals DZ eine kritische Frage zur umstrittenen Schiedsrichterleistung beim glücklichen 2:1-Sieg Kameruns im entscheidenden, letzten WM-Qualifikationsspiel gegen Algerien. Das schmeckte Eto'o offenbar überhaupt nicht.

Auf den ehemaligen Weltklasse-Stürmer kommt nun wohl auch eine saftige Strafe zu. Der Youtuber erklärte in einem späteren Video nämlich, Eto'o bei der örtlichen Polizei anzeigen zu wollen.

WM 2022 in Katar - Rekord des Tages: Brasiliens 26-Mann-Kader

Wegen des Anschisses bezüglich der Tanzeinlagen der Brasilianer hatte ich Euch ja bereits unterrichtet. Es ist aber nicht das einzige Thema, bei dem den Südamerikanern ein gewisser Anflug von Arroganz vorgeworfen wird.

Auch die Einwechslung des dritten Torhüters Wéverton, der gegen Südkorea für die letzten zehn Spielminuten ran durfte, sorgte für reichlich Unverständnis. Mal abgesehen davon, dass es aus Sicht der Wertschätzung vielleicht nicht der feinste Zug der Brasilianer war, wollen wir uns hier aber auf eine andere Sache konzentrieren.

Denn nicht nur hat die Seleção bei der WM in Katar als einziges Team alle 26 Spieler eingesetzt, die ist die einzige Mannschaft in der Geschichte, bei der jemals 26 Spieler bei einem WM-Turnier auf dem Platz standen. Saubere Leistung.

WM 2022 in Katar - Foto des Tages: Stadion-Essen

Dass es kein Bier gibt in den Stadien, hat sich mittlerweile ja herumgesprochen. Aber wer in Katar auf eine zünftige Stadion-Bratwurst hofft, der wird offenbar auch enttäuscht. Ein kanadischer Kommentator hat auf Twitter ein Foto aus dem Al-Thumana-Stadion gepostet, das eine Bratwurst im Brötchen zeigt - wenn man es denn so nennen darf. Sein Kommentar: "Essen im WM-Stadion. Nicht so toll."

In den Kommentaren hieß es dann, dass dieses Ding umgerechnet neun Euro kosten soll. Was uns zu der Frage bringt: Was kosten eigentlich Bier und Bratwurst in den deutschen Stadien 2022/23? Hier entlang!

WM 2022 in Katar: Die Spiele am 6. Dezember

Uhrzeit (MEZ)BegegnungRundeLiveticker/Spielbericht
16 UhrMarokko vs. SpanienAchtelfinaleSpielbericht
20 UhrPortugal vs. SchweizAchtelfinale Spielbericht

 

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