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Fussball

DFB-Team - Die möglichen Nachfolger von Hansi Flick: Das ist die wahrscheinlichste Option

Von Tim Ursinus

Die Nachwehen für die deutsche Nationalmannschaft nach dem frühen Aus bei der Weltmeisterschaft sind längst nicht überstanden. In Oliver Bierhoff nahm bereits ein Mitverantwortlicher der nächsten Enttäuschung den Hut, Hansi Flick könnte am Mittwoch nach der Krisensitzung folgen. Für den Fall der Fälle macht SPOX ein Gedankenspiel und nennt mögliche Nachfolger für das Amt des Bundestrainers.

Flick hatte am Dienstag sehr betroffen auf den Rücktritt seines langjährigen Wegbegleiters Bierhoff reagiert und mit seiner drastischen Wortwahl viel Interpretationsspielraum über seine eigene Zukunft gelassen.

"Meinem Trainerteam und mir fällt im Moment die Vorstellung schwer, wie die durch Olivers Ausscheiden entstehende Lücke fachlich und menschlich geschlossen werden kann", erklärte Flick und betonte mehrfach das für ihn so wichtige Vertrauen. Jenes "Gut", welches er bei seinem Abschied vom FC Bayern 2021 nicht mehr von Sportvorstand Hasan Salihamidzic gespürt hatte.

Damals zeigte Flick nicht zum ersten Mal, dass er einem konsequentem Handeln nicht abgeneigt gegenübersteht. Auch im Januar 2017 als Sportdirektor des DFB oder im Februar 2018 als Geschäftsführer der TSG Hoffenheim machte er trotz eines laufenden Vertrags vorzeitig Schluss.

Hansi Flick - die drei Szenarien

Ein Rücktritt scheint aber genauso wahrscheinlich wie eine Entlassung und ein Verbleib als Bundestrainer.

Flick sprach in seiner Stellungsnahme zum Bierhoff-Aus auch von "Loyalität, Teamgeist und Zuverlässigkeit" und implizierte damit, dass er diese Werte bei der DFB-Führung um Präsident Bernd Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke zumindest nicht in diesem Maße spüren würde.

Beide bewiesen in der Personalie Bierhoff, dass sie nicht vor harten Entscheidungen zurückschrecken. Sollte Flick mit Rücktritt drohen, würde er wohl nicht aufgehalten werden. Will und soll Flick seinen Vertrag (bis 2024) erfüllen, muss schnell ein gemeinsamer Weg gefunden werden. Dabei wird auch zweifelsfrei die Suche nach Bierhoffs Nachfolger eine entscheidende Rolle spielen.

Flick will einem Bericht des Spiegel zufolge ein ernsthaftes Wörtchen bei der Nachbesetzung mitreden, ansonsten hätte er einen weiteren Grund hinzuschmeißen. Zu lange darf der DFB damit ohnehin nicht warten. Schließlich steht die Heim-EM 2024 vor der Tür. Die Kandidatenliste ist hochkarätig.

Gleiches würde auch für die Nachfolge von Flick gelten. SPOX hat den aktuellen Trainermarkt unter das Brennglas genommen und eine Liste mit den (mehr oder weniger) wahrscheinlichsten Optionen erstellt.

Thomas Tuchel

Seit seinem viel diskutierten Rauswurf vom FC Chelsea gilt Tuchel als einer der heißesten Kandidaten auf den Trainerposten der deutschen Nationalmannschaft. Kein anderer deutschsprachiger Coach von dem Format des Champions-League-Siegers (2021) ist derzeit auf dem Markt.

Nach Informationen des kicker wäre Tuchel "sofort verfügbar". Dagegen schreibt die Sport Bild, Tuchel habe kein Interesse an dem Job. Interessant könnte die Personalie aber werden, wenn Ralf Rangnick als Sportdirektor installiert werden sollte. Dieser holte Tuchel einst als Jugendtrainer zum VfB Stuttgart.

Das einst so angespannte Verhältnis zu Watzke soll sich dem Vernehmen nach normalisiert haben. Trotz allem sind auch Zweifel angebracht, ob der 49-Jährige sich dem Vereinsfußball - vorerst - abwenden will. Zumal die aktuell durchaus veralteten Strukturen beim DFB konträr zu Tuchels Vorstellungen sind. Für eine Zusammenarbeit nach seinem Gusto müsste sich noch einiges ändern. Klar: Veränderungen stehen ganz oben auf der Prioritätenliste von Watzke und Neuendorf - doch will Tuchel überhaupt Teil dieses Prozesses sein?

Ralf Rangnick

Der Fußball-Professor könnte auch gleich das Traineramt übernehmen. Schon vor Flicks Übernahme wurde er gehandelt, allerdings stand angeblich Bierhoff dieser Überlegung kritisch gegenüber.

Der DFB weiß um seine Qualitäten, sein Gespür für die Jugend ist bekannt - und das in der Zukunft ist mit Blick auf das fortgeschrittene Alter von Thomas Müller, Manuel Neuer und Co. durchaus vonnöten.

Die Arbeit als Nationaltrainer kennt Rangnick zudem, im Sommer dieses Jahres übernahm er das Amt bei der österreichischen Nationalmannschaft. Dass er dieses nach kürzester Zeit für den DFB wieder aufgibt, wäre nicht ganz überraschend.

"Das ist eine Stelle, die niemanden als Trainer in Deutschland kalt lässt. Ich würde abheben und mir das anhören", sagte er im März 2021 bezüglich einer Nachfolge von Joachim Löw.

Stefan Kuntz

Kuntz hatte sich ebenfalls berechtigte Hoffnungen auf den Posten des Bundestrainers gemacht, nachdem er mit der U21 die Europameisterschaft gewonnen hatte. Die anschließende Enttäuschung war groß.

Sie resultierte allerdings nicht daraus, dass die Wahl auf Flick fiel. Diese sei "alternativlos" gewesen, sagte er wenige Monate später, sondern darauf, "dass ein angekündigtes Gespräch zu diesem Thema nicht stattgefunden hat".

Das gehört inzwischen der Vergangenheit an, wie Kuntz betonte. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Nationalcoach der Türkei. Trotz der verpassten WM-Teilnahme und lauter Kritik blieb er Trainer. Die Vorbereitungen auf die EM-Qualifikation laufen bereits. Bei einer verspäteten Berücksichtigung des DFB dürften die Karten aber neu gemischt sein.

Antonio Di Salvo

Apropos interne Lösung: In Di Salvo hat der DFB einen vielversprechenden Trainer in seinen Reihen. Der 43-Jährige trat einst die Nachfolge von Kuntz bei der U21-Nationalmannschaft an.

Allerdings wäre eine Beförderung nicht nur unwahrscheinlich, sondern macht hinsichtlich der Nachwuchsarbeit schlichtweg keinen Sinn. Die U21 steckt vor der Europameisterschaft 2023 selbst im Umbruch. Di Salvo, unter dem es zuletzt sowohl kleinere Rückschläge als auch Entwicklungsschritte gab, hat alle Hände voll zu tun.

Ralph Hasenhüttl

Der Österreicher musste kurz vor der WM-Pause nach knapp vier Jahren Amtszeit beim FC Southampton seine Koffer packen. Zuvor hatte er sich einen Namen in der Bundesliga bei RB Leipzig gemacht.

Er war nach dem Aufstieg der Sachsen Rangnicks Wunschtrainer, führte das Team sofort in die Champions League und wurde in der Saison danach Vizemeister. Weil er nicht mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung belohnt wurde, löste er seinen Kontrakt nach zwei Jahren auf. Anschließend machten sogar Gerüchte über ein Engagement beim FC Bayern die Runde.

Obwohl man sich damals nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigte, könnte Rangnick bei einer Anstellung also auch in die Richtung von Hasenhüttl schauen.

Jürgen Klopp

Der Name des Liverpool-Trainers tauchte in den vergangenen Jahren immer auf, wenn es bei der Nationalmannschaft kriselte. Klopp würde die Katerstimmung nur mit seiner Anwesenheit um einen Schlag umdrehen und endlich die schon länger fehlende Euphorie zurückbringen. Also alles, was so dringend nötig ist vor der Heim-EM.

Allerdings kann sich der DFB auch in diesem Jahr keine großen Hoffnungen machen, dass Klopp zu überzeugen ist. Sein Berater Marc Kosicke erklärte zuletzt, dass sein Klient "vorhabe", seinen gerade erst bis 2026 verlängerten Vertrag zu erfüllen.

Auch das freundschaftliche Verhältnis zu Watzke dürfte nicht zu einem Umdenken führen.

Domenico Tedesco

Der nächste vereinslose Trainer mit Leipzig-Vergangenheit. Tedesco wurde in dieser Spielzeit als erster Bundesliga-Trainer der laufenden Spielzeit entlassen, nachdem er in der Vorsaison den DFB-Pokal mit den Sachsen gewonnen hatte.

Einer Anstellung als Bundestrainer würde aber einer riesigen Überraschung gleichkommen, zumal Tedesco sich wohl ohnehin weiterhin dem Vereinsfußball widmen will.

Adi Hütter

Gleiches wie für Tedesco gilt auch für den einstigen Trainer von Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach.

"Ich bin wieder sehr hungrig, freue mich wieder, wenn etwas Spannendes reinkommt und bin wieder absolut bereit", sagte der Österreicher zuletzt. Seit seinem Aus seien "einige spannende Sachen schon dabei gewesen".

Auch für die österreichische Nationalmannschaft war er im Gespräch. Damals, noch im Amt bei Gladbach, sagte er aber dankend ab. Ob das auch beim DFB der Fall wäre, steht auf einem anderen Blatt.

Internationale Variante

"Wir sind taktisch nicht absolute Weltspitze, sollten ruhig mal im Ausland gucken, wie da so gearbeitet wird", sagte Mainz-Boss Christian Heidel zuletzt bei der Bild und forderte, dass der DFB sich zum ersten Mal in der Geschichte mit einem fremdsprachigen Trainer auseinandersetzen sollte: "Ich sage schon lange, dass wir in die Trainer-Ausbildung investieren sollten, sich dort was ändern muss. Und deshalb: Warum dafür nicht mal Trainer aus dem Ausland holen?"

Der Trainermarkt gibt derzeit einige Alternativen her, die diesem Profil entsprechen. Beispielsweise sind Mauricio Pochettino (Argentinien), Julen Lopetegui (Spanien), Ole Gunnar Solskjaer (Norwegen) und Steven Gerrard (England) vereinslos. Auch Bondscoach Louis van Gaal ist nach der WM wieder zu haben. Spaniens Coach Luis Enrique ließ seine Zukunft nach dem Achtelfinale-Aus offen.

Doch so richtig denkbar erscheint aktuell keine dieser Varianten. Es würde einer kleinen Sensation gleichen, wenn die Nationalmannschaft erstmals von einem ausländischen Coach trainiert wird.

Fazit

Abschließend lässt sich bilanzieren, dass dem DFB kaum ernsthafte Optionen bleiben, sollte Flick wirklich gehen. Wie Sport1 im Vorfeld des Gipfels am Mittwoch berichtete, soll er ohnehin die Intention haben, die Nationalmannschaft auch bei der EM 2024 betreuen zu wollen.

Ansonsten wäre Tuchel der logischste Nachfolger, wenn auch Watzke und Neuendorf wohl mächtig Überzeugungsarbeit leisten müssten.

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