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Fussball

WM Kompakt, 30. November: Mietstreit zwischen DFB-Star und Costa-Ricaner?

Von Tim Ursinus

FIFA-Präsident Gianni Infantino ist unter die Groundhopper und Wohltäter gegangen. Der DFB weiß, wie man spart und die US-Amerikaner wie Party geht. Außerdem bei der neuen Ausgabe von WM Kompakt: Belgiens Maulwurf-Suche, ein kamerascheuer Gareth Bale, das Comeback des grimmigen Louis van Gaal und ein möglicher Mietstreit.

WM 2022 in Katar - Befreiung des Tages: Flitzer

Der Name Mario Ferri ist wohl nicht vielen Fußball-Fans ein Begriff, in der Flitzer-Szene ist er aber der wohl bekannteste von allen. Beim Gruppenspiel zwischen Portugal und Uruguay hatte er erneut zugeschlagen und rannte mit Regenbogen-Fahne auf das Feld. Dazu sendete er politische Botschaften ("Save Ukraine" und "Respect for Iranian Women") an die Öffentlichkeit.

Weil er anschließend in Gewahrsam genommen wurde, war die Sorge um den Italiener groß. Einen Tag später wurde er aber bereits wieder auf freien Fuß gesetzt - dank niemand Geringerem als Gianni Infantino.

"Ich war nicht im Gefängnis, sondern in einer Polizeistation mit der katarischen Polizei", sagte er beim spanischen Radiosender OndaCero. Noch bevor die Beamten über seine "Behandlung" entschieden hatten, stand der FIFA-Präsident auf der Matte. "Um vier Uhr morgens" sei dieser laut Ferri in die Polizeistation eingelaufen und habe seinen Landsmann (Infantino besitzt auch einen italienischen Pass) rausgeholt.

"Er hat mir geholfen, damit es keine Kontroverse gibt über meine Friedensbotschaft, und dann haben sie mich freigelassen", sagte Ferri, der damit vermutlich andeutete, dass es Infantino wohl nur um die Verhinderung eines weiteren Imageschadens ging.

"Er hat gesagt, 'du schon wieder, warum, warum, Katar ist so gefährlich für dich'", ergänzte Ferri, der für die übrigen WM-Spiele gesperrt ist. Immerhin: "Katar hat entschieden, dass es keine Konsequenzen gibt."

WM 2022 in Katar - Groundhopper des Tages: Gianni Infantino

Wir bleiben beim viel kritisierten FIFA-Präsidenten. Gianni Infantino sorgte während den späten Spielen am Dienstag für Verwirrung bei den Zuschauern im Stadion und vor der Glotze - und das hatte nichts mit irgendwelchen fragwürdigen Aussagen zu tun: er war sowohl bei Katar gegen Niederlande als auch bei Ecuador gegen Senegal im Stadion.

Ein Traum eines jeden Groundhoppers! Doch wie hat das der Schweizer angestellt? Hat er einen Klon, einen (guten) Zwilling oder - hoffentlich das - kann man jetzt doch beamen? Die leider etwas unspektakuläre Antwort: die beiden Stadien liegen lediglich 52 Kilometer, eine Autofahrt von 37 Minuten, auseinander.

Infantino fuhr also in der Halbzeit los und trudelte in der 59. Minute zum Spiel zwischen Ecuador und Senegal ein. Durch die Rechte-Vergabe in Deutschland war er also auch erst in der ARD und später bei MagentaTV zu sehen. Der Kommentator von letzterem Anbieter band die Einblendung Infantinos sogar (zynisch) ein.

"Das sieht man öfters bei den Ecuadorianern, dass sie das im Griff haben hier, diese Manege im Khalifa International Stadium", leitete Christian Straßburger ein und holte kurz nach der Sichtung von Infantino zu einer Spitze aus: "Unterschied bei den WM-Spielen: Anders als im Zirkus sitzen die Clowns hier auf der Tribüne."

Erst Groundhopper, dann Clown - ein verrückter Abend im Leben des Gianni Infantino.

WM 2022 in Katar - Vorschau: Mietstreit in Madrid?

Gibt es in Madrid zwischen einem Nationalspieler und einem ehemaligen Real-Star bald einen heftigen Mietstreit? Wohl eher nicht, dennoch kommt es am Donnerstag zwischen Deutschland und Costa Rica zu einem kuriosen Aufeinandertreffen.

Antonio Rüdiger wird seinem Vermieter gegenüberstehen. Der Innenverteidiger war im Sommer von London nach Madrid in das Haus von Keylor Navas gezogen, der 2019 nach fünf Jahren bei den Königlichen zu PSG wechselte.

Rüdiger kann also seinen Vermieter aus dem Turnier werfen - und Navas ihn theoretisch aus seinem Haus. "Solange ich pünktlich die Miete zahle, wird das glaube ich nicht passieren", sagte der Nationalspieler gegenüber der Bild dahingehend.

Dann bleibt es wohl bei einer "(Schlamm-)Schlacht" auf dem Feld. Schließlich können noch beide Nationen weiterkommen.

WM 2022 in Katar - So liefen die Spiele am 30. November

Tunesien - Frankreich 1:0: Hier geht es zum Spielbericht

  • Didier Deschamps rotierte vor der im Prinzip nicht mehr wichtigen Partie gegen Tunesien kräftig durch. Der Trainer sah es überhaupt nicht ein, seine Stars einem unnötigen Risiko auszusetzen. Kylian Mbappe und Griezmann, Ousmane Dembele oder Olivier Giroud wurden daher geschont, neun Neue durften sich beweisen und empfehlen - darunter der Bayern-Profi Kingsley Coman und der Frankfurter Randal Kolo Muani, der noch einer der Auffälligsten war.
  • Dementsprechend lustlos wirkte der Auftritt der Franzosen auch. Tunesien hingegen zeigte von Beginn an eine beherzte und leidenschaftliche Leistung. Den Nordafrikanern war anzumerken, dass sie unbedingt das Achtelfinale erreichen wollten. Der Treffer von Wahbi Khazri löste dementsprechend pure Ekstase aus.
  • Kurz vor dem Ende gelang Antoine Griezmann beinahe der Ausgleich. In der achten Minute der Nachspielzeit lag der Ball im Tor von Tunesien, doch der VAR griff ein und nahm den Treffer zurück. Ins Achtelfinale zog Tunesien trotz des eindrucksvollen Sieges aber nicht ein.

Australien - Dänemark 1:0: Hier geht es zum Spielbericht

  • Denn im Parallelspiel gewann Australien ebenfalls mit 1:0 gegen Dänemark. Nur wenige Minuten nach dem Führungstreffer Tunesiens legte Matthew Leckie nach (60.) und brachte die Socceroos damit in Führung. Diese gaben sie nicht mehr her und somit qualifizierten sie sich für die Runde der letzten 16.
  • Dänemark kontrollierte die Partie lange und vergab zahlreiche gute Chancen. Erst als das Tor von Tunesien fiel, nahm auch dieses Spiel Fahrt auf. Mit dem guten Ende für Australien.
  • Letztmals hatte Australien vor 16 Jahren in Deutschland im Achtelfinale gestanden, dort war gegen den späteren Weltmeister Italien Schluss: In der fünften Minute der Nachspielzeit verwandelte Francesco Totti damals einen äußerst umstrittenen Foulelfmeter zum 1:0.

WM 2022: Gruppe D

PlatzNationSpieleTorePunkte
1Frankreich36:36
2Australien33:46
3Tunesien31:14
4Dänemark31:31

 

Polen - Argentinien 0:2: Hier geht es zum Spielbericht

  • Argentinien tat sich zunächst gegen tief verteidigende Polen schwer, doch dann fand Alexis Mac Allister in der 46. Minute den Dosenöffner. Als Julian Alvarez in der 67. Minute nachlegte, konzentrierte sich Polen nur noch darauf, das Ergebnis zu halten.
  • Denn im Parallelspiel stand es lange 2:0 für Mexiko. Solange es dabei blieb, waren die Polen aufgrund der Fair-Play-Wertung weiter. Während Mexiko also gegen Saudi-Arabien anrannte, stand Polen immer tiefer und hoffte darauf, dass nichts mehr passiert.
  • So kam es schließlich auch. Polen verlor zwar mit 0:2, steht aber erstmals seit 36 Jahren im Achtelfinale einer Weltmeisterschaft.

Saudi-Arabien - Mexiko 1:2: Hier geht es zum Spielbericht

  • Mexiko drückte von Beginn an aufs Gaspedal, verpasste dabei aber mehrere gute Gelegenheiten zur Führung. Dann aber folgte ein schneller Doppelschlag nach der Pause. Henry Martin (47.) und Luis Chavez (52.) brachten die mexikanische Hoffnung zurück. Doch ein weiteres Tor war nötig.
  • Über die gesamten 90 Minuten hinweg ergab sich ein gänzlich anderes Spiel als im Parallelspiel. Es war ein offener Schlagabtausch mit irrer Geschwindigkeit und viel Spektakel. Die Vorteile konnte Mexiko aber nicht ausreichend nutzen.
  • Als dann endlich alle Dämme zu brechen schienen, wurde das erlösende Tor zum 3:0 vom Schiedsrichtergespann einkassiert. Kurz vor Schluss machte Saudi-Arabien mit dem Anschlusstreffer durch Al-Dawsari (90.+5) alles klar und stürzte Mexiko ins Tal der Tränen, während Polen feierte.

WM 2022: Gruppe C

PlatzNationSpieleTorePunkte
1Argentinien35:26
2Polen32:24
3Mexiko32:34
4Saudi-Arabien33:53

WM 2022 in Katar - Video des Tages: Stress im Mexiko-TV?

In den vergangenen Tagen wurden gleich mehreren Reportern von Offiziellen aus Katar Dinge abgenommen. Einige Drehs wurde sogar gecancelt.

Dass ihm ein ähnliches Schicksal droht, dachte auch ein Reporter aus Mexiko, als zwei Männer im traditionellen Outfit auf ihn zukamen und hektisch auf ihn einredeten.

Der geschockte Mann aus Mexiko versuchte mit Händen und Füßen zu erklären, dass er sich doch extra eine Drehgenehmigung (oder Ähnliches, was auch immer in Katar gewünscht ist) geholt hätte.

Nach rund 30 Sekunden rückte einer der beiden Offiziellen ganz dicht heran und sagte: "Viva México, Señor!" - zu deutsch: "Lang lebe Mexiko, Herr!". Die Auflösung des Streichs sorgte nicht nur für Erleichterung, sondern auch für jede Menge Gelächter. Auch im Fernstehstudio, dem der Reporter zugeschaltet war. Gerne mehr davon!

WM 2022 in Katar - Sparfüchse des Tages: DFB

10.000 Euro musste der DFB blechen, weil er auf der Pressekonferenz vor dem 1:1 gegen Spanien keinen Spieler abstellte und nur Bundestrainer Hansi Flick vor die Kameralinsen zerrte. Das hätte es unter Joachim Löw - scho' au' schwäbisch angehaucht - wahrscheinlich nicht gegeben.

Da den Sparfüchsen vom DFB bei einem erneuten Vergehen weitere Konsequenzen von der FIFA drohen, wird vor dem Entscheidungsspiel gegen Costa Rica wieder ein Spieler mit Flick in das 95 Kilometer entfernte Medien-Center fahren.

Nach Bild-Informationen ist das Lukas Klostermann, der gegen Spanien zwar eingewechselt wurde, aber wohl keine Option für die Startelf ist. Die verlorene Zeit könnte er also auf der Bank wieder reinholen.

Obwohl der DFB eigentlich auch schon vor dem Spanien-Spiel einfach Kevin Trapp oder Marc-André ter Stegen hätte schicken können, die Ersatztorhüter kommen hinter Manuel Neuer bekanntlich ohnehin nicht - oder höchstens bei einem Spiel um Platz drei - zum Einsatz.

WM 2022 in Katar - Auftritt des Tages: USA im Hotel

Die USA steht nach 2002 tatsächlich mal wieder im WM-Achtelfinale. Entsprechend gut war die Stimmung bei der Ankunft im Team-Hotel.

Die Spieler ließen sich in einem Spalier von Mitarbeitern des Hotels feiern, die US-Boys jubelten lauthals vor einer riesigen Flagge der Vereinigten Staaten und sprangen sich gegenseitig um den Hals.

Mit dabei war übrigens auch Christian Pulisic, der sich bei seinem Siegtreffer verletzt hatte. Im Krankenhaus wurde ihm "nur" eine Beckenprellung diagnostiziert, weshalb er sogar schon früher zurück im Hotel war.

Im Achtelfinale kommt es zum Duell mit den Niederlanden - und das Team wird bekanntlich von einem Feierbiest trainiert. Gleich mehr dazu.

WM 2022 in Katar - Comeback des Tages: Louis van Gaal

Er umarmte einen Journalisten und machte Scherze auf Pressekonferenzen - die kurze Zeit mit dem entspannten Louis van Gaal scheint wieder vorbei zu sein. Nach dem Erreichen des Achtelfinals zeigte sich der Tulpengeneral wieder in gewohnt grimmiger Manier.

Nach dem wieder ziemlich trockenen Auftritt beim 2:0 gegen Katar, der den Gruppensieg bedeutete, holte van Gaal zum Rundumschlag gegen die Kritiker aus. "Ich gebe ihnen nicht recht und werde das nicht ausführen. Sie haben eine andere Auffassung von Fußball als ich", antwortete er einem Reporter, der nach den Gründen für den einschläfernden Fußball fragte.

Van Gaal legte nach: "Warum schreiben Sie nicht einfach, dass wir furchtbar langweilig spielen und fahren morgen nach Hause, weil Ihnen alles egal ist?" Die Dinge seien "nicht so schlecht".

Damit nicht genug, in einer weiteren Diskussion mit einem anderen Journalisten sagte van Gaal: "Wirst du bis zum Finale hier bleiben? Nun, dann wirst du uns wiedersehen."

WM 2022 in Katar - Abfuhr des Tages: Gareth Bale

Wales muss nach dem 0:3 gegen England den Heimweg antreten. Dennoch stand Gareth Bale, der bereits zur Pause verletzt ausgewechselt wurde, nach Abpfiff im Mittelpunkt, weil mit seinem Rücktritt gerechnet wurde.

Pustekuchen! "Ich werde so lange weitermachen wie ich kann und gewollt werden. Es geht für uns im März weiter", sagte er hinsichtlich der EM-Qualifikation. Trainer Rob Page kündigte an: "Ich glaube nicht, dass es das letzte Mal war, dass wir Gareth im Wales-Trikot gesehen haben."

Enstprechend alt ließ Bale auch die TV-Regisseure aussehen, die nach dem Spiel offensichtlich angewiesen hatten, den 33-Jährigen im Bild zu haben, um seine Emotionen einzufangen. Der 110-fache Nationalspieler hatte darauf aber mal so gar keine Lust und flüchtete mehrfach aus dem Blickwinkel. Getreu dem Motto: "Wales, Golf, Kameras - in dieser Reihenfolge".

WM 2022 in Katar - Drohung des Tages: Thibaut Courtois

Schon am Dienstag kam heraus, dass die Belgier sich derzeit intern bekriegen. Doch wie gelangen die Streitigkeiten überhaupt an die Öffentlichkeit? Ein Fall für Detektiv Thibaut Courtois!

Der hauptberufliche Torhüter hat sich zur Aufgabe gemacht, den Maulwurf zu finden. "Das Problem ist, dass das, was in der Presse geschrieben wird, nicht immer ganz der Wahrheit entspricht. Wer mit dem Vorfall an die Öffentlichkeit gegangen ist?", fragte er auf einer Pressekonferenz und ließ den "Bad Cop" heraus: "Wir müssen das nicht wissen, aber wenn es herauskommt, wird das sein letzter Tag in der Nationalmannschaft gewesen sein."

Ob die Drohung zu einem Ergebnis führt, ist zumindest fraglich. Schließlich liegen die Nerven ohnehin schon blank.

WM 2022 in Katar: Die Spiele am 30. November

Uhrzeit (MEZ)BegegnungGruppeLiveticker
16.00 UhrTunesien - FrankreichDSpielbericht
16.00 UhrAustralien - DänemarkDSpielbericht
20.00 UhrPolen - ArgentinienCSpielbericht
20.00 UhrSaudi-Arabien - MexikoC

Spielbericht

 

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