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Fussball

WM Kompakt, 29. November: "Gewalt und Folter" - Regierung droht wohl Spieler-Familien des Iran

Von Niklas Staiger
Iran, WM 2022, Proteste

Die Regierung des Iran soll den Spielern und ihren Familien mit Gewalt und Folter gedroht haben, sollten sie sich nicht "benehmen". Cristiano Ronaldo hatte indes andere Probleme und haderte nach dem 2:0 Portugals mit dem Treffer, der Teamkollege Bruno Fernandes zugeschrieben wurde. Definitiv von SPOX ist aber dieses WM Kompakt. Neben CR7 geht es um Belgiens internen Stress, mal wieder die "One Love"-Binde und "Sebastian" Schweinsteiger.

WM 2022 in Katar - Iran-Regime soll Spieler-Familien mit Gewalt drohen

Die iranische Nationalmannschaft steht bei der Weltmeisterschaft in Katar unter besonderer Beobachtung. Nachdem die Spieler am ersten Spieltag die Hymne mit Schweigen begleiteten, sangen sie am zweiten Spieltag teils verhalten mit. Nun könnte ein Bericht von CNN Aufschluss darüber geben, warum es dazu kam. Laut dem US-amerikanischen TV-Sender sollen die Spieler und ihre Familien vor dem entscheidenden Duell mit den USA offen bedroht worden sein.

Demnach drohe das Regime des Iran den Familien mit "Gewalt und Folter", wenn sich die Spieler nicht "benehmen" würden. Nach dem Auftaktspiel gegen England soll es zu einem Treffen der iranischen Nationalspieler mit Mitgliedern des Korps der iranischen Revolutionsgarden gekommen sein, bei dem die Drohungen konkret geäußert wurden.

Laut CNN sollen dutzende Offiziere rund um die WM abgestellt worden sein, um die iranischen Spieler zu überwachen. Freizeit außerhalb des Hotels sei ihnen ebenso wenig gestattet wie Treffen mit Ausländern. Auch der Portugiese Carlos Queiroz soll sich nach den Androhungen mit den Vertretern der Revolutionsgarden getroffen haben. Über den Inhalt sei nichts bekannt. Zuvor erklärte der Nationaltrainer des Iran, dass seine Spieler protestieren dürften, solange sich die Aktionen im Rahmen der FIFA-Vorschriften bewegen würden.

Auch im Spiel gegen die USA sangen die Iraner die Hymne wieder verhalten mit. Wie die AFP berichtet, hat die FIFA zudem bestimmte Protestsymbole in den Stadien erlaubt. "Die FIFA erlaubt Botschaften, die die Menschenrechte fördern, und die Position der FIFA ist, dass Frauen, Leben, Freiheit oder der Name oder das Porträt von Mahsa Amini in den Stadien erlaubt sind", wird der Weltverband von der französischen Presseagentur zitiert.

WM 2022 in Katar - Versprecher des Tages: Jessy Wellmer und Sebastian

Die ARD-Moderatorin Jessy Wellmer wollte einen Beitrag aus dem Stadion ankündigen, ehe sie zu "Esther und Sebastian" übergab. Bastian Schweinsteiger, der im Stadion neben Esther Sedlaczek stand, konterte humorvoll mit: "Kannst mich auch Basti nennen."

Auch Wellmer selbst ließ noch einen Scherz folgen. Nachdem sie im ARD-Studio wieder übernahm, schickte sie ein "Ihr dürft auch Jenny oder Peggy zu mir sagen" ins Stadion in Katar. Die Expertenrunde im Studio lachte schelmisch über die Sebastian-Jenny-Interaktion, ehe Wellmer wieder an "BASTIAN Schweinsteiger" übergab.

WM 2022 in Katar - So liefen die Spiele am 29. November

Ecuador - Senegal 1:2: Hier geht es zum Spielbericht

  • Auch ohne den verletzten Superstar Sadio Mané hat die Nationalmannschaft des Senegal in einer emotionalen Zitterpartie zum ersten Mal seit 2002 das Achtelfinale einer WM erreicht. Zudem als erstes afrikanisches Team seit Nigeria und Algerien 2014.
  • "Für alle Senegalesen ist das ein besonderer Tag. Ich bin froh, dass ich dieses Tor erzielt habe, das ist eine Riesenehre für mich", sagte der beim FC Chelsea beschäftigte Matchwinner Koulibaly.
  • Die Tore für den Senegal erzielten Koulibaly (70.) und Ismaila Sarr (44.). Für Ecuador traf Moises Caicedo zum zwischenzeitlichen Ausgleich (67.).

Niederlande - Katar 2:0: Hier geht es zum Spielbericht

  • Einen Pflichtsieg fuhr die Niederlande ein. Mit viel Kontrolle aber wenigen Highlights gelang es Oranje, die Gruppenphase als Sieger abzuschließen. Katar geht nun als schwächster Gastgeber in die WM-Geschichte ein.
  • Gakpo (26.) mit seinem bereits dritten WM-Treffer und Frenkie De Jong (49.) schossen die Elftal zum Sieg.
  • Mal wieder flohen die Fans weit vor Spielende, bei Abpfiff waren die Tribünen nur noch spärlich gefüllt. Katars Trainer Felix Sanchez dankte den Anhängern dennoch "herzlich für die Unterstützung. Unsere Spieler haben sich reingehängt." Drei Niederlagen und nur ein Tor lautet die düstere Bilanz zum Abschluss.

Wales - England 0:3: Hier geht es zum Spielbericht

  • England hat sich in der Halbzeit lange schwer getan, drehte im zweiten Durchgang aber auf.
  • Marcus Rashford konnte seine Chance in der Startelf nutzen und traf doppelt (50., 68.). Auch Phil Foden, ebenfalls neu in der Startelf von Trainer Gareth Southgate, traf (51.).
  • Gareth Bale konnte auch im dritten Gruppenspiel kaum Einfluss auf den Spielverlauf nehmen. Der alternde Waliser scheidet damit glanzlos aus.

Iran - USA 0:1: Hier geht es zum Spielbericht

  • Politische Zeichen blieben im aufgeheizten Duell zwischen dem Iran und den USA aus.
  • Die USA dominierte lange das Spiel, musste sich aber den Vorwurf gefallen lassen, nicht mehr als ein Tor erzielt zu haben.
  • Der Iran kam dementsprechend zurück in die Partie und erarbeitete sich mit teils kopflosen, aber emotional vorgetragenen Angriffen einige Chancen. Diese blieben aber ungenutzt und so verpasste man die historische Chance auf das Achtelfinale.

Im Achtelfinale treffen England und der Senegal sowie die Niederlande und die USA aufeinander.

WM 2022 in Katar - Warten des Tages: Drei Schiedsrichterinnen

Das Warten geht immer weiter: Die drei nominierten Schiedsrichterinnen für die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar wurden auch bei den Ansetzungen der Gruppenspiele am Dienstag nicht berücksichtigt - zumindest nicht in erster Reihe. Salima Mukansanga aus Ruanda wurde als Vierte Offizielle für das Spiel zwischen Weltmeister Frankreich und Tunesien eingeteilt, das Matt Conger aus Neuseeland leitet.

Der Niederländer Danny Makkelie pfeift die Partie Polen gegen Argentinien, Mustapha Ghorbal aus Algerien leitet die Begegnung zwischen Australien und Dänemark. Zudem wurde der Engländer Michael Oliver für das Duell Saudi-Arabien gegen Mexiko eingeteilt.

Mukansanga (Ruanda), Stephanie Frappart (Frankreich) und Yoshimi Yamashita (Japan) warten damit weiter auf ihren Einsatz. 36 Referees wurden insgesamt berufen, mehr als drei Viertel wurden in vorderster Front bereits eingesetzt - allesamt Männer.

Am Abend gab es dann aber die fast schon erlösende Nachricht für die drei Schiedsrichterinnen: Stephanie Frappart wird das Spiel zwischen Deutschland und Costa Rica am Donnerstagabend leiten und wird damit die erste Frau, die bei einer Männer-WM pfeifen darf.

WM 2022 in Katar - Verpeiltheit des Tages: Casemiro

Mit seinem späten Tor im Spiel Brasiliens gegen die Schweiz sorgte Casemiro für den Sieg der Seleção und zugleich für den vorzeitigen Einzug ins WM-Achtelfinale. Dafür wurde der Sechser als Spieler des Spiels ausgezeichnet. Die Trophäe dazu hatte er dann auch auf der Pressekonferenz dabei.

Da machte er klar, dass er dieser Auszeichnung wenig Wert zukommen lässt. "Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen. Wir sind eine Gruppe", erklärte er. Passend dazu verließ er den Raum - ohne seinen Pokal. Den hatte er auf dem Pult vergessen. Stehen lassen wollte er ihn dann aber nicht, als er darauf hingewiesen wurde ...

WM 2022 in Katar - Ego des Tages: Cristiano Ronaldo

In der 54. Minute des Spiels Portugal gegen Urugay flankte Bruno Fernandes in Richtung CR7 in den Strafraum, doch der aktuell vereinslose Stürmer sprang unter dem Ball durch, kam augenscheinlich nicht mehr an den heran - trotzdem Tor. Kein Grund, das nicht zu feiern: Ronaldo setzte zu Jubelstürmen an und feierte Fernandes' Treffer wie seinen eigenen.

Die FIFA sah es jedoch anders: Nach dem Abpfiff wurde Fernandes als Torschütze angezeigt, das ärgerte Cristiano Ronaldo offenbar. Er strich sich mehrmals über die Haare und wollte andeuten: "Den hab ich noch berührt."

Während ARD-Experte Sami Khedira sich darüber nicht wunderte - Ronaldo habe vermutlich erst durch dieses Ego die vielen Höhen seiner Karriere erreicht - fand Thomas Hitzlsperger harte Worte für CR7: "Er kann sich mal für seinen Kollegen freuen", forderte er auf. Ronaldo wirke immer beleidigt, weil nicht er getroffen habe. Dabei solle er lieber seinen Mitspieler für die Flanke loben: "Aber da ist er nicht in der Lage zu. Das ist ein bisschen schade."

Pech für den Goalgetter: Am Dienstag bestätigte die FIFA mit Verweis auf die Technologie im Ball, dass CR7 den Ball definitiv nicht berührt habe.

Bruno Fernandes selbst war wohl ebenfalls von einem Ronaldo-Treffer ausgegangen. "Ich habe gefeiert, als wäre es Cristianos Tor gewesen", sagte er nach dem Spiel, "mein Ziel war es, auf ihn zu flanken." Doch ihm ist es egal. Er sei "glücklich mit dem Sieg, egal wer dabei getroffen hat. Das wichtigste ist, dass wir unser Ziel des Weiterkommens erreicht haben."

WM 2022 in Katar - Zoff des Tages: Belgien zerfleischt sich selbst

Nach einem Sieg gegen Kanada und einer Niederlage gegen Marokko steht Belgien vor einem Endspiel am dritten Gruppenspieltag gegen Kroatien. Für Superstar Kevin De Bruyne ist es ja bekanntlich ohnehin schon zu spät. "Keine Chance, wir sind zu alt", fällte der Mittelfeldmann schon vor einigen Tagen ein vernichtendes Urteil über sein eigenes Team, ein bisschen Sarkasmus war da wohl auch dabei. Belgiens beste Möglichkeit sei 2018 gewesen. "Wir haben eine gute Mannschaft, aber sie ist gealtert", kritisierte de Bruyne.

Nationaltrainer Roberto Martinez schlug in eine ähnliche Kerbe: "Mit dem Ball sind wir nicht mehr wir selbst", erklärte er nach der 0:2-Niederlage gegen Marokko, "Wir haben Angst und spielen nicht mehr mit Leidenschaft." Auch Real-Star Eden Hazard schielte in Richtung der alternden Defensive: Belgien habe nicht die drei schnellsten Innenverteidiger der Welt, "aber das wissen sie", erklärte er.

Verteidiger Jan Vertonghen, selbst 35 Jahre alt, konnte das nicht auf sich sitzen lassen: "Ich nehme an, dass wir schlecht im Sturm spielen, weil wir vorne auch zu alt sind", konterte er. "Es gibt viele Dinge, die mir durch den Kopf gehen, die ich besser nicht sagen sollte. Zumindest nicht außerhalb der Kabine", schoss er in Richtung seiner Mitspieler. Er selbst schob die Schuld ebenfalls weiter - in Richtung Torhüter Thibaut Courtois: "Sie haben zwei identische Tore erzielt, zwei Mal kurzer Pfosten. Der Ball darf niemals reingehen." Da herrscht wohl eine teuflische Stimmung bei den "Red Devils".

Innerhalb der Kabine sei die Meinungsverschiedenheit sogar eskaliert: De Bruyne, Vertonghen und Hazard sollen aneinander geraten sein, wie RTL Sport berichtet. Romelu Lukaku sei dazwischen gegangen und habe die Streithähne voneinander getrennt. Doch das Verhältnis ist so angespannt, dass am Dienstag eine Krisensitzung im WM-Lager der Belgier abgehalten wurde, so der Bericht weiter. Dabei hätten Trainer und Führungsspieler darüber beraten, wie es weitergehen soll.

WM 2022 in Katar - Spaltung des Tages: "One Love"-Binde

Die FIFA hat sie verboten, kein Mannschaftskapitän lief am Ende mit der "One Love"-Binde auf. Doch nun sorgt sie erneut für Unruhen. Stuart Andrew, der britische Minister für Sport, schickte den Wunsch an die englische Nationalmannschaft, sie sollten beim heutigen Duell gegen Wales doch zur Binde für Vielfalt greifen.

Das kam in Katar nicht gut an. Der Leiter des WM-Organisationskomitees Hassan al-Thawadi verurteilte die Binde scharf: "Sie hat einen spaltenden Charakter! Wenn du damit ein Statement in Katar setzen möchtest, habe ich ein Problem damit. Auch wir sind Teil der Welt und haben unsere eigenen Werte", polterte der Sportfunktionär Katars.

Dabei stellte er noch eine umstrittene These auf: "Es geht um die arabische Welt. Mit der Binde wollen sie indirekt aussagen, dass sie ein Problem damit haben, wenn ein islamisches Land ein solches Turnier austrägt. Wo soll das enden?" Es bleibt spannend, ob doch noch ein Team die "spaltende" Binde tragen wird.

WM 2022 in Katar: Botschaft des Tages: Regenbogen-Flitzer

Beim Spiel zwischen Portugal und Urugay lief kurz vor dem umstrittenen CR7-Tor ein Flitzer übers Feld. Der riss sich seinen Pullover vom Körper und holte eine Regenbogenfahne heraus. Auf einem Superman-Shirt stand "Save Ukraine" und "Respect for Iranian Woman" drauf. Alles weitere könnt ihr hier nachlesen.

WM 2022 in Katar: Die Spiele am 29. November

UhrzeitGruppeTeam 1Team 2StadionLiveticker/Spielbericht
16.00 UhrAEcuadorSenegalKhalifa International Stadium (Doha)Spielbericht
16.00 UhrANiederlandeKatarAl Bayt Stadium (Al Khor)Spielbericht
20.00 UhrBIranUSAAl Thumama Stadium (Al Thumama)Spielbericht
20.00 UhrBWalesEnglandAhmed bin Ali Stadium (Al Rayyan)

Spielbericht

WM 2022 in Katar - Rekord des Tages: Brasilien überflügelt Deutschland

Die Seleção hat einen neuen Rekord in WM-Endrunden aufgestellt. Seit 17 WM-Gruppenspielen hat Brasilien nicht mehr verloren. Die letzte Niederlage geht damit zurück zur Weltmeisterschaft 1998, als man im dritten Qualifikationsspiel gegen Norwegen 1:2 verlor - damals war man schon für ein Weiterkommen qualifiziert.

Damit überflügelt die Seleção auch das DFB-Team. Die Deutschen hatten zwischen 1990 und 2010 nur 16-mal in Folge nicht verloren, dann scheiterten sie in Südafrika an Serbien. Netter Zusammenhang: Beide Serien starteten in Turnieren, die sie selbst gewannen. Brasilien wurde 2002 Weltmeister - Deutschland 1990. Wir sollten uns in 20 Jahren unbedingt den diesjährigen Weltmeister anschauen.

WM 2022 in Katar - Kritik des Tages: Toni Kroos

"Aus dem Pressing der Spanier haben wir uns sehr selten fußballerisch befreit. Ich habe Manuel Neuer selten so viele lange Bälle spielen gesehen", kritisierte Toni Kroos die Spielweise der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien in seinem Podcast "Einfach mal Luppen". Deshalb fordert der Weltmeister von 2014 seine Mitspieler auf, das Heft mehr in die eigene Hand zu nehmen: "Da muss mit dem Ball noch viel mehr möglich sein."

Doch das Unentschieden habe trotzdem für bessere Stimmung gesorgt, "nach Japan war ja Weltuntergang." Selbst hatte er schon auch Lust, wieder mitzuspielen, "definitiv hat's gejuckt, schon beim ersten Spiel", erklärte Kroos.

Doch er habe auch Vertrauen ins DFB-Team: "Ich weiß, dass wir tolle Jungs haben und ein Stück weit besser Fußball spielen können. Das wissen sie auch selbst, da brauchen wir uns nichts vormachen."

WM 2022 in Katar: Spielplan im Überblick

SpielrundeTermin
Gruppenphase20. November bis 2. Dezember
Achtelfinale3. bis 6. Dezember
Viertelfinale9. und 10. Dezember
Halbfinale13 und 14. Dezember
Spiel um Platz drei17. Dezember
Finale18. Dezember
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