Handball

Handball-EM - DHB-Kader im Check: Absolute Weltklasse, kreativer Notstand und ein LEGO-Süchtiger

Das DHB-Team startet mit der Partie gegen die Niederlande in die EM 2020.
© imago images

Rückraum rechts

NameVereinLänderspieleTore
Kai HäfnerMT Melsungen83177
David SchmidtTVB Stuttgart21

Im rechten Rückraum hat das Verletzungspech noch brutaler zugeschlagen: Steffen Weinhold (Fußverletzung/THW Kiel), Fabian Wiede (Schulter-OP/Füchse Berlin) und Franz Semper (Herzmuskelentzündung/SC DHfK Leipzig) fallen aus. Besonders das Fehlen von Wiede und Weinhold, zwei absolute Leistungsträger der vergangenen Jahre, ist kaum zu kompensieren - der rechte Rückraum ist somit ein weiteres Sorgenkind.

Häfner ist fast schon zum Abliefern verdammt. Der 30-Jährige spielt mit 5,1 Toren und 3,1 Assists pro Partie in Melsungen regelmäßig groß auf und war auch beim EM-Coup 2016 herausragend, als er nachnominiert wurde. Allerdings sind auch Häfners schwache Auftritte bei der EM 2018 und der WM 2019 im Gedächtnis geblieben.

Schmidt rückte nach der jüngsten Absage von Semper ins Team. Für den 26-Jährigen, der im Sommer von Stuttgart zum Bergischen HC wechseln wird, ist es das erste große Turnier im Männerbereich. Er ist als großer Kämpfer und torgefährlicher Spieler bekannt.

In der vergangenen Spielzeit war Schmidt mit 132 Toren bester Stuttgarter Schütze. In der laufenden Saison bringt er es immerhin auf 4,7 Treffer pro Einsatz. Ob er allerdings tatsächlich gegen die Stars der Szene eine echte Hilfe sein kann, muss sich erst zeigen.

Christian Schwarzer: "Die vielen Absagen im rechten Rückraum sind natürlich bitter. Nichtsdestotrotz hat der Bundestrainer mittlerweile den Luxus, aus vielen Spielern auswählen zu können, die das Potenzial haben, ein Turnier wie die EM zu spielen. Häfner hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er genügend Qualität hat. Und er spielt in Melsungen eine gute Saison. Bei Schmidt hoffe ich einfach, dass er seine Sache genauso macht wie im Verein. Leider haben wir es schon häufiger erlebt, dass Spieler dazu nicht in der Lage waren, weil die Last des Nationaltrikots zu groß war."

Rechtsaußen

NameVereinLänderspieleTore
Tobias ReichmannMT Melsungen84251
Timo KasteningTSV Hannover-Burgdorf718


Bei der EM 2016 überzeugte Reichmann als bester deutscher Werfer, bei der WM 2019 sorgte er dagegen für reichlich Wirbel. Nachdem ihn Prokop kurz vor Turnierstart aus dem Kader gestrichen hatte, verabschiedete sich der 31-Jährige in den Frusturlaub nach Florida. Und das, obwohl er sich als Ersatzmann für eine mögliche Nachnominierung hätte bereithalten sollen.

Prokop und Reichmann haben sich mittlerweile aber ausgesprochen, diesmal erhielt der gebürtige Berliner den Vorzug vor Patrick Groetzki. Reichmann (in dieser Saison 59 Tore in 19 HBL-Spielen) hat reichlich Erfahrung, ist mit einer gewaltigen Sprungkraft ausgestattet und benötigt normalerweise nicht viele Chancen. Er ist außerdem neben Gensheimer ein weiterer guter Siebenmeterwerfer. Kleine Info am Rande: Reichmann ist regelrecht süchtig nach LEGO Technic und kündigte an, auch zur EM einen Bausatz mitzubringen.

Als Backup steht der 24-jährige Kastening parat, der die Rechtsaußen-Position endgültig zu einer im Normalfall sorgenfreien Zone macht. Kastening war in der vergangenen Saison mit 190 Toren viertbester Werfer der HBL. Auch in dieser Spielzeit steuert er über fünf Treffer pro Partie für die Recken aus Hannover bei.

Christian Schwarzer: "Das ist erneut eine spannende Kombi aus Erfahrung und Unbekümmertheit. Kastening spielt eine tolle Saison in Hannover. Für ihn gilt aber ähnliches wie für Zieker auf Linksaußen. Es könnte sein, dass er nicht so viel Einsatzzeit bekommt, weil Reichmann womöglich als Dauerläufer agiert."

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung