Handball

Handball-EM - DHB-Kader im Check: Absolute Weltklasse, kreativer Notstand und ein LEGO-Süchtiger

Das DHB-Team startet mit der Partie gegen die Niederlande in die EM 2020.
© imago images

Rückraum links

NameVereinLänderspieleTore
Fabian BöhmTSV Hannover-Burgdorf3375
Julius KühnMT Melsungen54173
Philipp WeberSC DHfK Leipzig2368

Böhm hat sich bei der Heim-WM 2019 seinen festen Platz im DHB-Team mehr als verdient. Der 30-Jährige brachte nach seinen Hereinnahmen mit seinem mutigen Auftreten stets frischen Wind und versenkte starke 69 Prozent seiner 35 Würfe. Auch in der EM-Vorbereitung überzeugte er.

Außerdem läuft die HBL-Saison bislang gut für "Böhmi", der mit Hannover sensationell den zweiten Platz hinter Kiel belegt. Der 1,98-Meter-Mann steuerte in 20 Partien 70 Tore (3,5 Treffer pro Spiel) bei und verbuchte eine Trefferquote von 63,06 Prozent. Prokop hat ihm aufgrund seines Einsatzwillens und seiner Spielintelligenz den Spitznamen "Der kluge Krieger" verpasst.

Gut möglich, dass der Bundestrainer bei der EM dennoch zunächst mit Kühn in der Startformation beginnt, weil Böhm eben erfahrungsgemäß ruckzuck auf Betriebstemperatur ist. Kühn verpasste die WM im vergangenen Jahr aufgrund eines Kreuzbandrisses, wodurch der deutschen Mannschaft die gewaltige Shooting-Power des gebürtigen Duisburgers fehlte.

Der 26-Jährige, der bereits bei der EM 2016 als Nachrücker überzeugte, ist glücklicherweise wieder in guter Verfassung und dürfte für das DHB-Team eine echte Waffe sein. Für die MT Melsungen erzielt er in dieser Saison bisher durchschnittlich etwas mehr als vier Tore pro Partie.

Bleibt Weber, der nominell zwar im linken Rückraum zu Hause ist, bei der EM aber wahrscheinlich in der Rotation mit Drux und Michalczik als Spielmacher agieren dürfte. Da er sich bei der EM 2018 in Kroatien in dieser Rolle zu viele Fehler erlaubte und anschließend auch in Leipzig einen Durchhänger hatte, wurde er nicht für die Heim-WM im vergangenen Jahr nominiert. Mittlerweile läuft es beim 27-Jährigen aber wieder besser, wie 74 Tore und 44 Assists in 19 HBL-Spielen belegen.

Christian Schwarzer: "Mit Kühn und Böhm sind wir gut und aufgrund der unterschiedlichen Spielertypen flexibel aufgestellt. Auf der einen Seite Kühns Wurfgewalt, die er glücklicherweise in dieser Saison auch wieder in Melsungen zeigt. Auf der anderen Seite der Energizer Böhm, der sofort Power von der Bank bringt und sich überhaupt keine Gedanken macht. Er handelt häufig instinktiv richtig und geht - was ganz wichtig ist - dahin, wo es wehtut. Wer anfängt, wird der Bundestrainer wahrscheinlich vom jeweiligen Gegner abhängig machen."

Rückraum Mitte

NameVereinLänderspieleTore
Paul DruxFüchse Berlin83162
Marian MichalczikTSV GWD Minden1519

Die Zeiten, in denen Deutschland einen hochkarätigen, klassischen Spielmacher wie einst Markus Baur hatte, sind vorbei. Mit Martin Strobel (HBW Balingen-Weilstetten) sagte ausgerechnet der Mann ab, der diese Rolle bei der Heim-WM überraschend stark ausgefüllt hatte. Strobel verletzte sich allerdings bei der WM schwer (Kreuz- und Innenbandriss) und fühlte sich deshalb noch nicht wieder bereit, auf allerhöchstem Niveau die Fäden zu ziehen.

Da mit Simon Ernst (Kreuzbandriss/Füchse Berlin), Tim Suton (Kreuzbandriss/TBV Lemgo) und Niclas Pieczkowski (Schulter-OP/SC DHfK Leipzig) drei weitere Kandidaten nicht mitmischen können, herrscht kreativer Notstand im deutschen Team.

Prokop wird vor allem auf Drux (eigentlich im linken Rückraum zu Hause) als Spielmacher setzen. Der 24-Jährige hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er diese Position bekleiden kann. Er ist aber kein klassischer Strippenzieher, der seine Mitspieler herausragend in Szene setzt. Seine derzeitige HBL-Ausbeute: 71 Tore und 34 Assists in 20 Partien.

Ähnlich verhält es sich beim hochveranlagten EM-Debütanten Michalczik, obwohl der 22-Jährige in Minden im linken Rückraum eine tolle Saison spielt (87 Tore und 42 Assists in 18 Spielen). Bleibt abzuwarten, ob er auch auf der großen Bühne einer Europameisterschaft seine Unbekümmertheit behält.

Christian Schwarzer: "Dass wir keinen klassischen Spielmacher haben, könnte zum Problem werden. Dieser Umstand könnte der Knackpunkt sein, ob die Mannschaft weit kommt oder eben nicht. Nicht falsch verstehen: Drux, Michalczik und Weber haben natürlich eine hohe Qualität und alle drei können auch als Spielmacher agieren. Die Frage ist aber, ob einer von ihnen auch in der Lage sein wird, in alles entscheidenden Momenten gegen die absoluten Topnationen ein Spiel zu lenken. Das müssen wir abwarten."

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