Fussball

BVB-Leihspieler Dzenis Burnic im Interview: "Bei Dembele dachte ich nur: Was geht denn bei dem ab?"

Dzenis Burnic ist aktuell vom BVB an Dynamo Dresden ausgeliehen.

2006 wechselte Dzenis Burnic im Alter von acht Jahren zu Borussia Dortmund. Seit Januar 2019 ist der 22-Jährige in die 2. Liga zu Dynamo Dresden ausgeliehen. Sein Leihvertrag bei der SGD läuft noch bis zum 30. Juni - ob Burnic anschließend zum BVB zurückkehrt, ist noch unklar.

Im Interview mit SPOX und Goal spricht Burnic vor dem Auswärtsspiel bei Hannover 96 (18.30 Uhr im LIVETICKER) über seine erste Profisaison bei Borussia Dortmund unter dem "fröhlichen" Thomas Tuchel und erklärt, weshalb ihn der Transfer von Axel Witsel überrascht hat.

Zudem äußert sich der defensive Mittelfeldspieler über seinen aktuellen Schwebezustand und den Traum von einer Zukunft beim BVB.

Herr Burnic, Sie haben einst bei Borussia Dortmund mit 16 Jahren Ihre ersten Trainingseinheiten bei den Profis unter Jürgen Klopp absolviert. Wie erinnern Sie sich daran?

Dzenis Burnic: Das war im Trainingslager in La Manga. Ich war parallel mit der U-Nationalmannschaft dort und wurde dann quasi einen Platz weiter zu den Profis beordert. Es war für mich eine komplett neue Welt. Plötzlich Männerfußball - das war geil, aber auch krass. Die Verbindung zu Kloppo war sofort eng. Er hatte immer ein Auge auf die jüngeren Spieler und hat sie in Schutz genommen. Das war schon auffällig. Aber auch das Team hat mich gut integriert. Ich hatte eigentlich mit allen ein gutes Verhältnis. Man half mir überall, gerade am Anfang, wo alles noch neu und voller Überraschungen für mich war.

Im Sommer 2016 wurden Sie als 18-Jähriger schließlich in den Profikader des BVB aufgenommen und kamen unter Trainer Thomas Tuchel zu Ihren Debüts in Bundesliga und Champions League.

Burnic: Das hat sich wieder ganz anders angefühlt, wenn man dann komplett dazugehört und alle Trainingseinheiten bei den Profis absolviert. Ich habe das alles auch anfangs gar nicht richtig realisiert und war teilweise sehr nervös. Ich bin erst mit der Zeit so wirklich angekommen und habe befreiter gespielt.

Burnic: "Bei Tuchel musstest du abliefern"

Wie sahen Tuchels Rückmeldungen Ihnen gegenüber aus?

Burnic: Ich habe sehr viel von ihm gelernt. Er ist ein sehr präziser Trainer, bei ihm wurde auf jede Kleinigkeit geachtet. Da war es auch egal, ob du 18 oder 28 Jahre alt warst. Du musstest abliefern, aber es herrschte dabei ein positiver Druck. Ich weiß noch, wie wir eine eigentlich simple Passübung machten, die sich auf einmal richtig schwer anfühlte, weil man Dinge beachten sollte, an die man früher nicht dachte und die nun plötzlich sehr wichtig waren. Zum Beispiel, welchen Fuß des Mitspielers man anspielt. Er gab mir auch viele Hilfestellungen, wie ich mich am besten aufdrehen soll. Dass er immer alles sofort so klar benannt hat, hilft mir bis heute. Er ist vom Fußball besessen und hat mir gewissermaßen die Augen geöffnet, was die eigene Positionierung angeht und wie Fußball funktionieren kann. Dazu war er ein fröhlicher Typ, der viel gelacht hat.

Wie zufriedenstellend lief für Sie die erste Saison bei den Profis?

Burnic: Natürlich habe ich mir mehr Spiele und Minuten erhofft. Das ist ja auch normal. Ich bin aber sehr dankbar, dass ich meine beiden Debüt-Einsätze bekommen habe. Gerade die Premiere in der Champions League kann mir keiner nehmen. Und ich habe konstant bei den Profis mittrainiert, allein das hat mich schon vorangebracht.

Wie kam dann die Entscheidung zustande, sich in der nächsten Saison zum VfB Stuttgart ausleihen zu lassen?

Burnic: Ich stand mit den Verantwortlichen und Thomas Tuchel im Austausch und wollte mehr spielen. Mir war klar, dass die Chancen dazu bei einem der besten Vereine der Welt sehr gering sein werden. Dazu war Hannes Wolf als Trainer natürlich ein großer Faktor und Stuttgart ein sehr attraktiver Verein mit geilen Fans. Mein Ziel war es, dort weiter zu wachsen. Auch wenn die Zeit viele Höhen und Tiefen hatte, bin ich froh, dort gewesen zu sein, weil ich mich meiner Meinung nach wieder etwas weiterentwickelt habe.

Burnic über seine Zeit beim VfB Stuttgart

In Stuttgart kamen Sie nur auf acht Pflichtspiele und selten zu Startelfeinsätzen. Wie überrascht waren Sie damals, als Wolf zum Start der Rückrunde hinwarf?

Burnic: Wir hatten zwar eine Negativserie, aber haben es eigentlich nicht schlecht gemacht - nur die Punkte fehlten uns leider. Wir hatten auch alle ein gutes Verhältnis zu ihm. Für mich persönlich war das natürlich ziemlich blöd, auch weil ich bei ihm ja meine ganze Zeit als Jugendspieler verbracht habe.

Auch verletzungsbedingt waren Sie damals hinten dran und bekamen unter Wolfs Nachfolger Tayfun Korkut nicht eine Spielminute. Wie hat er das Ihnen gegenüber begründet?

Burnic: Der Zeitpunkt des Trainerwechsels war sehr ungünstig für mich. Ich hatte in Hamburg eine Rote Karte kassiert und war anschließend gleich mehrere Wochen verletzt. Danach wurde es fast unmöglich, wieder ins Team zu rutschen, weil es bei der Mannschaft lief. Nach der Saison habe ich mich mit dem Trainer zusammengesetzt. Er meinte, dass er mir sehr gerne mehr Spielzeit gegeben hätte, doch es gab für ihn unter diesen sportlichen Umständen nicht wirklich die Möglichkeit dazu.

Wie fühlte sich das damals für Ihre Psyche an, gewissermaßen erstmals in Ihrer Karriere so außen vor zu sein?

Burnic: Es war schwer, wenn man im Training immer Gas gibt, Bock auf Einsätze hat und quasi weiß, dass man es höchstens auf die Bank schafft. Ich konnte in dieser für mich neuen Situation auch auf meine Familie bauen, die mich währenddessen immer positiv begleitet hat. Es hat mir gezeigt, wie schnell es im Fußball tatsächlich gehen kann. Ich würde auch sagen, dass ich gestärkt daraus hervorgegangen bin, weil ich jetzt weiß, worauf es in solchen Momenten ankommt.

Nach der Saison waren Sie wieder zurück in Dortmund - und wollten sich dem neuen Trainer Lucien Favre zeigen. Das entpuppte sich letztlich angesichts der Konkurrenz im defensiven Mittelfeld als aussichtsloses Unterfangen. War Ihnen das nicht klar, dass dort für Sie gerade nach den Transfers von Thomas Delaney und Axel Witsel kaum eine Chance besteht?

Burnic: Ich wollte den Schritt dennoch wagen und es versuchen, weil ich auch wusste, dass man unter Lucien Favre sehr viel lernen kann. Ich konnte auch die Gerüchte um Axel Witsel nicht so richtig einschätzen, denn um einen Top-Spieler wie ihn ranken sich ja immer viele Spekulationen. Als er dann wirklich kam, war ich schon überrascht und habe auch schnell erkannt, dass es nun trotz meiner guten Vorbereitung schwer für mich wird. Ich habe mir auch meine Gedanken gemacht und es gab ein paar Angebote, aber ich wollte nichts erzwingen. Letztlich war das halbe Jahr trotz allem positiv und ich war nicht enttäuscht, dass ich keine Spielzeit bekommen habe.

Wie war der Austausch mit Favre?

Burnic: Das Verhältnis zu ihm war gut. Er ist ein sehr respektvoller Mensch und war immer ehrlich zu mir. Wir haben gute Gespräche geführt, wo er dann auch meinte, ich müsse mehr spielen. Daher war es dann auch mein Ziel, dass es auf einen Transfer im Winter hinausläuft.

Dzenis Burnic: Seine Leistungsdaten für den BVB und Dynamo Dresden

VereinSpieleToreVorlagenMinuten
Borussia Dortmund U17531864616
Borussia Dortmund U195115174229
Borussia Dortmund2--90
Dynamo Dresden34222728
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