Fussball

FC Bayern München: Wie Pochettino spielen lässt - und warum er womöglich nicht die Optimallösung ist

Mauricio Pochettino trainierte Tottenham von 2014 bis November 2019 - Titel holte er in der Zeit keinen.

Nach seiner Entlassung bei Tottenham Hotspur gilt Mauricio Pochettino als Trainerkandidat beim FC Bayern München. Er ist einer der herausragenden Trainer der vergangenen Jahre - aber eher keiner, der zur vermeintlichen Hausphilosophie des FC Bayern passt.

Als der FC Bayern am 30. September nach London reiste, um dort tags darauf das letzte überzeugende Spiel unter Trainer Niko Kovac zu bestreiten (7:2 gegen Tottenham Hotspur), wurde der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge nach Kovacs Gegenüber Mauricio Pochettino gefragt.

Und Rummenigge sprach: "Pochettino ist ein Mann, der ähnlich wie wir auf Ballbesitz, auf Offensivgeist setzt und sich nicht defensiv groß um den Gegner kümmert." In den folgenden rund zwei Monaten hat sich einiges geändert: Kovac ist beim FC Bayern nicht mehr im Amt und Pochettino bei Tottenham auch nicht, dafür aber stattdessen beim FC Bayern, der zumindest bis zur Winterpause interimistisch von Hansi Flick betreut wird, im Gespräch.

Natürlich nicht geändert hat sich seitdem dagegen der Umstand, dass Rummenigges damalige Aussage zumindest ein bisschen geflunkert war. Denn: Ein Mann, "der auf Ballbesitz setzt", ist Pochettino nicht, und er ist auch kein Mann, "der sich nicht defensiv groß um den Gegner kümmert".

Wie viel Premier League schaut Rummenigge?

Seit seinen Aussagen über Lucas Hernandez ("Den Spieler habe ich persönlich noch gar nie gesehen") und Rodri ("Ich kenne den Spieler gar nicht") weiß man, dass der ehemalige Präsident des FC Bayern Uli Hoeneß nicht sonderlich viel Primera Division schaut. Kommt schließlich auch nur im Internet, das er nach eigener Aussage boykottiert.

Nun fragt man sich natürlich: Wie viel Premier League schaut Rummenigge? Hat er bei seiner Einschätzung von Pochettino mit voller Absicht geflunkert? Oder weiß er es nicht besser? Und wenn er es nicht besser weiß, weiß es dann wenigstens Oliver Kahn?

Kahn wird zum neuen Jahr in den Verein einsteigen und zwei Jahre später Rummenigges Posten als Vorstandsvorsitzender übernehmen. Schon an der aktuellen Trainersuche soll er intensiv teilnehmen. Wie er sie angehen wird, hat Kahn bereits verraten. "Man muss wegkommen von irgendwelchen Namen", sagte er, sondern sich stattdessen fragen: "Was ist der Fußball, für den Bayern stehen möchte? Und was ist ein Trainer, der optimal dazu passt?"

Pochettino steht für Tempo und Dynamik statt Dominanz

Das sind weise Fragen. Jetzt müssen sie weise behandelt und letztlich auch weise beantwortet werden. Eines ist dabei klar: Will der FC Bayern das von Louis van Gaal und Pep Guardiola installierte, von Jupp Heynckes weitergeführte (von Kovac vergessene) und vor allem von Rummenigge so geliebte dominante Ballbesitz-Spiel, das dem Klub sehenswerten und erfolgreichen Fußball bescherte, in dieser Form weiterführen, dann gibt es zwei Optimallösungen.

Da van Gaal seine Karriere beendet hat und Guardiola Manchester City wohl eher nicht verlassen wird, bleiben auf höchstem Niveau aktuell: Erik ten Hag von Ajax Amsterdam und Thomas Tuchel von Paris Saint-Germain. Beide stehe für diese Art Fußball und beide wären nächsten Sommer wohl zu haben, wenn man sie mit ähnlicher Inbrunst umgarnen würde wie einst Heynckes.

Pochettino wäre in diesem Fall dagegen der falsche Mann. Pochettinos Mannschaften haben zwar meist mehr Ballbesitz als der jeweilige Gegner, weil sie schlicht besser sind. Aber von der Grunddenkweise her ist Pochettino weniger der Spezies Guardiola als viel mehr der Spezies Jürgen Klopp zuzuordnen: ein Pressing-Trainer, der den Fußball aus Umschaltmomenten herausdenkt. Ein Außenseitertrainer.

"Intensiv, schnell, mit hohem Pressing und vielen einstudierten Bewegungen", umreißt Pochettino seine Spielphilosophie in seiner Autobiografie. Er ist ein Trainer, dessen Mannschaften eher mit Tempo und Dynamik daherkommen, als mit erdrückender Dominanz.

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