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NFL

Mailbag nach Week 1: Welche Week-1-Overreactions sind echte Alarmsignale?

SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet eure Fragen nach dem ersten Spieltag.

Week 1 ist durch und damit stehen mindestens genauso viele Fragen im Raum wie vor dem Start der neuen Saison: Welchen Overreactions sollte man glauben und welchen eher nicht? Ist Dallas jetzt das Team für Jimmy Garoppolo? Und wo sollten Alarmglocken läuten?

Außerdem: Was war los mit Mike Williams? Und wie sollten die Lions ihre Quarterback-Frage angehen?

SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet eure Fragen nach Week 1, zusätzliche Fragen gibt es wie gewohnt im Video-Mailbag.

Mailbag: Welches sind die größten Week-1-Overreactions?

DomeBu14, Sportbursche, Lasse Slz: Welches sind die größten Week-1-Overreactions?

Die Patriots-Offense ist verloren: Die Untergangsstimmung in New England ist nach diesem ersten Spiel greifbar, weil der Buildup natürlich auch dementsprechend dramatisch war. Von der merkwürdigen Offensive-Coordinator-Besetzung über desolate Berichte aus dem Training Camp bis hin zu der Frage: Warum überhaupt wählen die Patriots diesen Weg?

Und dann kam die Offense in Miami auf gerade einen Touchdown, New England verlor wieder einmal bei den Dolphins und es ist leicht, direkt an die Offseason-Geschichten anzuknüpfen: Ist New Englands Offense zu retten?

Ich versuche es mal mit Nuancen: Man hat früh gesehen, was New England machen will. Enge Formationen, 2-Tight-End-Sets, Play Action, Zone Run Game, aber generell eine gewisse Vielfalt im Run Game. Ein guter Screen hier und da und einige Male gutes Ball-Placement von Mac Jones, der in meinen Augen nicht schlechter war als Tua am Sonntag. Doch dass der (gute) erste Drive mit einer Interception in der Endzone endete, war ein Sinnbild für meinen größten Takeaway zu New Englands Offense: Die Patriots haben eine Grundstruktur - aber sie haben kein Ass im Ärmel, keinen alternativen Weg, auf dem sie das Ruder herumreißen können.

Die Explosivität in der Offense fehlte merklich, in der Luft, aber auch am Boden. Die O-Line sah anfangs im Run-Blocking sogar überraschend gut aus, hatte aber einige Male klare Abstimmungsfehler in Pass-Protection. Jones verfehlte auch einige Bälle, und das Gesamtbild ist das einer Offense, die im Game Script einfach nicht zurückfallen darf.

Denn nochmal, der Anfang des Spiels sah längst nicht so schlimm aus wie befürchtet. Aber nach dem Defense-Touchdown der Dolphins und dann dem 0:17 kurz vor der Pause hat man gesehen, dass New England die "wir können ein Spiel offensiv drehen"-Qualitäten fehlen. Und das ist ein massives Problem, umso mehr, mit einem derart unerfahrenen Trainerstab was die offensive Seite des Balls angeht. Die Patriots haben im Moment in meinen Augen nur ein Grundgerüst als fragilen Plan A, aber das wird nicht reichen.

Urteil: Keine Overreaction.

Die Chiefs sind ohne Tyreek Hill sogar noch besser: Keine Frage, das war ein sehr eindrucksvoller Auftakt der Chiefs-Offense. Ich würde Mahomes einen gröberen Fehler ankreiden, ein Pass Richtung Endzone, der vermutlich in einer Interception bei Cornerback Marco Wilson geendet hätte, hätte der Receiver das nicht verhindert. Ansonsten aber war es nahe dran an einem perfekten Spiel - und man bekam einen Eindruck davon, wie sich die Offense verändert.

Denn Kansas City war merklich vielseitiger und flexibler als in der Vergangenheit. In den Personnel-Groupings, in den Formationen, in der Art und Weise, wie sie den Ball verteilten, wie sie im Play-Calling stets unberechenbar blieben und eine Vielzahl an Targets effizient einbinden konnten.

Aber man muss hier einwerfen, gegen welche Defense es ging. Eine Cardinals-Defense ohne J.J. Watt, mit massiven Cornerback-Fragezeichen, die im Game Plan - warum auch immer - zu dem Schluss gekommen war, dass man die Chiefs-Offense ohnehin nicht gestoppt bekommt, und somit versuchen sollte, mit dem Blitz möglichst viel Chaos und vielleicht den einen oder anderen Fehler zu provozieren.

Doch Patrick Mahomes ist einer der gefährlichsten Quarterbacks in der Liga gegen den Blitz, und Andy Reid ist einer der besten Play-Caller gegen den Blitz. Beides war am Sonntag zu sehen, als Mahomes absurd viel geblitzt wurde und die Chiefs selbst aus Empty regelmäßig vertikal gehen konnten. Arizonas Defense war so gesehen ein guter erster Sparringspartner und Kansas Citys Offense sah exzellent aus. Doch schwierigere Aufgaben werden kommen. Und eben auch Aufgaben, in denen es den Elite-X-Faktor braucht, der ohne Tyreek Hill einfach fehlt.

Urteil: Overreaction.

Die Bengals fallen in ein Loch: Ich hatte in meinen Takeaways schon ein wenig darüber geschrieben, ich bin noch ein gutes Stück davon entfernt, den Panik-Knopf zu drücken. Dafür ist die Offense immer noch zu gut besetzt, und die Defense ist in Ordnung.

Joe Burrow hatte ein schlechtes Spiel. Eventuell war er noch etwas eingerostet, eventuell war es die lange Pause nach der Blinddarm-OP. Burrow hat Bälle geworfen, die ich nicht nachvollziehen kann, und die zu hässlichen Turnovern geführt haben. Und vermutlich hätten sie das Spiel ohne die Long-Snapper-Verletzung sogar trotzdem gewonnen.

Dieses Spiel der Bengals-Offense sollte nicht repräsentativ für das sein, was wir in der weiteren Saison erwarten können. Aber es war eine Erinnerung daran, dass dieses Team nicht den Coaching-Vorteil hat, den andere Teams haben. Dass sie nicht den hohen schematischen Floor haben, was auch letztes Jahr schon zu einigen Achterbahnfahrten geführt hat. Dass die Offensive Line verbessert, aber noch nicht gut ist.

Und das wird ein Thema rund um die Bengals bleiben in meinen Augen, zumindest so lange, bis ich von Zac Taylor oder der Line oder der Offense strukturell insgesamt dramatische Fortschritte sehe. So lange habe ich Cincinnati als ein Team auf dem Zettel, das es in die Playoffs schaffen sollte, aber das für mich nicht in den engsten Contender-Kreis gehört. Insofern hat Week 1 meinen Blick auf die Bengals nur bedingt verändert.

Urteil: Leichte Overreaction.

Die Cowboys-Saison ist nach nur einem Spiel vorbei: Wer meinen Content und meine Previews über den Sommer verfolgt hat, der wusste, dass ich bei Dallas ohnehin skeptischer war als der Konsens.

Dak Prescott ist ein guter Quarterback, aber wir haben auch gesehen, dass er vergleichsweise stark wackelt, wenn die Umstände um ihn herum klare Schwachstellen haben. Und die Cowboys sind deutlich schwächer geworden in der Offseason, durch zahlreiche Starter-Abgänge in der Offense, die Verletzung von Tyron Smith und defensiv durch den Abgang von Randy Gregory.

Die einzige Hoffnung, die ich für Dallas mit Blick auf ein Playoff-Ticket hatte - in meiner Prognose hatten sie die Postseason knapp verpasst - war, dass Prescott und CeeDee Lamb komplett explodieren könnten. Die Verletzung von Prescott torpediert das natürlich komplett - und die Offense sah in der kleinen Week-1-Sample-Size schon vor Prescotts Verletzung desolat aus -, und ich sehe für Dallas jetzt keine Hoffnung, diese Saison zu retten, was Playoff-Ambitionen angeht. Jedenfalls nicht, falls Prescott sechs Wochen ausfällt.

Und natürlich muss man jetzt alle Parameter neu sortieren. Die Defense sah gegen Tampa Bay besser aus als ich gedacht hatte, Micah Parsons ist ein fantastischer Spieler, eventuell kann Tyler Smith sich in seiner Rookie-Saison entwickeln.

Aber mit Blick auf die Playoffs, so bitter das ist, sind die Cowboys für mich jetzt erst recht raus.

Urteil: Keine Overreaction.

Wir haben die Seahawks unterschätzt: Ich bin mir absolut sicher, dass Seahawks-Fans dieses Spiel sehr genossen haben; diesen Sieg gegen Russell Wilson und die Broncos, den vorher kaum jemand ihnen zugetraut hatte. Insbesondere in der ersten Hälfte sah Geno Smith sehr gut aus, die Offense lief rund und dass man am Ende den Sieg über die Zeit brachte, könnte jetzt zu der einen oder anderen Overreaction führen.

Denn auch wenn Seattle mich unter dem Strich positiv überrascht hat - in meinen Augen hätte Denver dieses Spiel mit zehn Punkten Abstand gewinnen müssen. Die beiden Fumbles an der Goal Line, die Vielzahl an Strafen, sieben (!) First Downs "schenkte" Denver den Seahawks per Strafe, und dann diese absurde Sequenz am Ende setzte dem Ganzen die Krone auf.

Das soll ausdrücklich nicht Seattles Leistung schmälern. Nochmal, der Game Plan und auch Geno Smiths individuelle Leistung in der ersten Halbzeit war deutlich mehr als ich erwartet hatte. Aber Denver konnte dem nach der Pause auch deutlich einen Riegel vorschieben, und offensiv haben die Broncos den Ball weitestgehend sehr gut bewegt. Das war ein emotionales Spiel, mit dem besseren Ausgang für die Seahawks. Aber sofern Hackett die richtigen Lehren mitnimmt, denke ich, dass die Broncos trotzdem gut sein werden - und dass Seattle sich von diesem Sieg möglichst wenig blenden lassen sollte.

Urteil: Overreaction.

Die Packers fallen aus dem Kreis der Titelanwärter: Dass die Offense ein paar Fragezeichen mitbringt, die zu realen Problemen führen würden, war zu erwarten. Und wer weiß, wie das Spiel verläuft, wenn Christian Watson den tiefen Pass gleich zu Beginn fängt und die Packers die neue Saison mit einem 75-Yard-Touchdown eröffnen.

Ich habe Green Bay weiterhin mit zweistelligen Siegen am Ende auf dem Zettel, aber darum geht es hier ja nicht: Ich denke, dass es für Green Bay extrem schwer sein wird, mit dieser Receiver-Gruppe um einen Titel mitzuspielen. Ich denke aber auch, dass die NFC an der Spitze komplett offen daherkommt, und dass es für Green Bay mehr als genügend Spielraum geben sollte, um ein paar Dinge gerade zu biegen im Laufe der Saison und dann später in der Saison heiß zu laufen.

Was ich dringend sehen will, ist eine bessere Defense. Schön und gut, wenn man einen klaren Plan hat und in erster Linie Zone Coverage spielen will - aber wenn das damit endet, dass Preston Smith gegenüber von Justin Jefferson spielt? Dass man einen Elite-Corner hat, der ideal dafür ist, mit einem Receiver auch nach innen zu gehen, und Jaire Alexander dennoch nur vereinzelt Jefferson übernimmt? Dann muss man den Plan anpassen.

Diese Unit ist zu gut, und wenn die Packers wirklich ganz oben mitspielen wollen, dann muss zumindest die Defense deutlich besser spielen, und zwar schnell.

Urteil: Leichte Overreaction.

Latzo, Alphonso Davies fan: Ist Dallas jetzt die offensichtliche Option für Jimmy Garoppolo? Gutes Team im Win-Now-Modus ohne Starting-Quarterback für die nächsten Wochen.

Dallas hat eine der schlechtesten Backup-Quarterback-Situationen in der NFL, und der Schedule in der zweiten Saisonhälfte ist sogar relativ machbar. Doch in den nächsten acht Wochen geht es gegen Cincinnati, die Giants, Washington, die Rams, die Eagles, Detroit, Chicago und die Packers. Das sind mindestens vier Teams mit klaren Playoff-Ambitionen und dazu Gegner der Marke "unangenehm", wie Detroit oder Washington.

Will sagen: Mit Cooper Rush gewinnt man nicht viele Spiele in den nächsten beiden Monaten, dann stünde Dallas bei 2-7 oder einer vergleichbaren Zahl, und die Saison wäre de facto gelaufen, wenn Prescott zurückkommt. Selbst falls er nach sechs Wochen wieder da ist, könnte es zu spät sein.

Garoppolo als Trade-Chip liegt da natürlich auf der Hand; immerhin haben wir die ganze Offseason über, und dann nochmals nachdem er seinen Vertrag umstrukturiert hatte, darüber gesprochen, dass eine Quarterback-Verletzung woanders für alle Beteiligten jetzt einen Trade sehr sinnvoll machen könnte.

Ich würde aber zwei Gegenargumente in den Raum werfen: Es besteht eine reelle Chance, dass die Cowboys - wenn sie jetzt Garoppolo bekommen - am Ende ein direkter Konkurrent für die 49ers im Kampf um ein Wildcard-Ticket sind. Sind die Niners gewillt, einem solchen Team jetzt den Rettungsring hinzuwerfen?

Das zweite Argument betrifft Garoppolo selbst, der mit seiner neuen No-Trade-Klausel hier schließlich ein Wörtchen mitreden kann: Will er zu einem Cowboys-Team, wo er eine neue Offense lernen müsste, hinter einer wackeligen Line spielt und klar ist, dass er spätestens nach acht Wochen wieder auf der Bank sitzt?

Falls Prescott eher sechs bis acht als vier Wochen fehlt, würde es aus Cowboys-Sicht Sinn ergeben, zumindest mal in San Francisco anzuklopfen. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob die Niners oder Garoppolo selbst das mit Blick auf ihre jeweilige Situation als genauso sinnvoll erachten.

Gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen, dass Dallas wirklich vier, fünf, vielleicht acht Spiele mit Cooper Rush bestreitet. Eventuell ist ein anderer Veteran hier eine Option. Vielleicht geht man auf einen Spieler wie Cam Newton, um zumindest den Floor etwas anzuheben.

Video-Mailbag: Wie gut sind die Vikings wirklich?

Warum tradet ein Team wie Tennessee, das keinen Rebuild starten will, einen Ausnahme-Receiver wie A.J. Brown? Ist offiziell Panik-Zeit in New England?

Wie sollten die Detroit Lions ihre Quarterback-Frage angehen? Sind die Minnesota Vikings legit? Und müssen Teams in der Preseason mehr Starter einsetzen?

Die Antworten gibt's im Week-1-Video-Mailbag.

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