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NFL

Die wichtigsten Erkenntnisse der Regular Season: Das SPOX All Pro Team

SPOX-Redakteur Adrian Franke fasst die gerade beendete Regular Season mit seinem All-Pro-Team zusammen.
© getty

 

NFL: All-Pro-Team 2020 - Defense:

Edge-Rusher: T.J. Watt, Pittsburgh Steelers. Weil Pittsburgh in Woche 17 seine Stars schonen wollte, konnte Watt nicht noch weitere Stats für die Gesamtabrechnung sammeln - selbstredend ändert das nichts an seiner Dominanz über die ersten 15 Spiele. Den Sack-Titel hat er auch so gewonnen.

Und sicher, Watt profitierte dabei von der Qualität der Mitspieler in der Defensive Line sowie der Blitz-lastigen Defense. Watt sieht in der Folge deutlich weniger Double-Teams als etwa Myles Garrett, Khalil Mack, Joey Bosa oder auch sein Bruder J.J. Watt. Das muss man im Hinterkopf behalten, und es ist ein Grund dafür, dass Aaron Donald - der wiederum irre viele Double-Teams im Zentrum bekommt - für mich vor Bosa im Defensive-Player-of-the-Year-Rennen steht.

Aber auch das ändert nichts daran, dass Watt individuell einer der dominantesten Verteidiger dieser Saison war, die Regular Season mit 73 Quarterback-Pressures beendet und zusätzlich noch fünf Bälle an der Line of Scrimmage runterschlug. Unter Edge-Rushern haben nur sein Bruder J.J. Watt sowie Washingtons Montez Sweat noch mehr. Vor allem aber war Watt eben auch dominant gegen den Run, und das gab Pittsburghs Second-Level-Verteidigern jede Menge Spielraum dahinter.

Edge-Rusher: Myles Garrett, Cleveland Browns. Mack wäre hier am ehesten die Alternative, und über den Bears-Rusher - der trotz nicht ganz so dominanter Total Stats eine wirklich gute Saison gespielt hat - habe ich hier sehr lange nachgedacht.

Garrett war unter dem Strich noch ein wenig dominanter gerade als Pass-Rusher, in einer Defense, die wenig um ihn herum hatte und die sich komplett auf ihn verließ. Das soll Macks Saison nicht schmälern, Garrett mit seiner Explosivität, mit seiner Athletik, war einfach noch ein klein wenig auffälliger.

Knapp dahinter: Khalil Mack, Bears; Cam Jordan, Saints; Joey Bosa, Chargers; Bradley Chubb, Broncos; Trey Hendrickson, Saints.

Interior Defensive Line: Aaron Donald, Los Angeles Rams. Neue Saison, unveränderte Aussage: Aaron Donald ist der dominanteste Verteidiger in der NFL, und das ist für mich nicht einmal eine Diskussion. Hatte Xavien Howard eine exzellente Saison? Keine Frage. War T.J. Watt Eins-gegen-Eins kaum zu blocken? In den meisten Spielen war das der Fall.

Aber keiner kommt an Donald ran. Jener Aaron Donald, der über 20 Quarterback-Pressures mehr hatte als jeder andere Defensive Tackle und in dieser Kategorie auch jeden Edge-Rusher deutlich übertrumpft. Jener Aaron Donald, der in der Rams-Defense mit vielen leichten Boxes und zwei tiefen Safeties gegen den Run häufig mehr als nur eine Gap übernehmen musste - und auch diese Aufgabe dominant meisterte.

Donald ist in meinem Ranking der beste, dominanteste und wertvollste Verteidiger in der NFL, und diese Saison hat das wenn dann eher noch untermauert als angezweifelt.

Interior Defensive Line: DeForest Buckner, Indianapolis Colts. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Chris Jones, der viel zu häufig den Pass-Rush der Chiefs im Alleingang übernehmen musste. Der Tie-Breaker war für mich unter dem Strich die Tatsache, dass Buckner die Colts-Defense komplett transformiert hat.

Die Colts wollen über einen 4-Men-Rush zum Quarterback kommen, und dahinter disziplinierte Zone Coverage spielen, um konstant mit sieben Verteidigern in Coverage Big Plays zu minimieren und Offenses dazu zu zwingen, lange, konstante Drives hinzulegen. Einzig die Chargers blitzten in dieser Saison prozentual noch weniger als die Colts.

Der Grund dafür, dass das für Indianapolis funktionierte, ist Buckner; und wenn man die Colts-Defense dieses Jahr gesehen hat, dann ist auch klar, warum Indianapolis in der vergangenen Offseason so viel in ihn investiert hat. Insbesondere als Pass-Rusher war Buckner ein gewaltiges Problem für gegnerische Offenses. Er ist die tragende Säule dieser Defense.

Knapp dahinter: Chris Jones, Chiefs; Grady Jarrett, Falcons; Cam Heyward, Steelers.

Linebacker: Fred Warner, San Francisco 49ers. Bei der Einstufung für Linebacker - und das ist letztlich bei allen drei Picks widergespiegelt - achte ich sehr stark auf die Qualitäten in Coverage. Die Zeit der Run-Stopping-, One-Down-Backer ist vorbei, und wenn ein Linebacker nicht covern kann, werden gegnerische Offensive Coordinators das sofort ausnutzen.

Was die beiden ersten Picks - also Warner und Eric Kendricks - nochmal vom Rest absetzt ist die Tatsache, dass sie komplette Linebacker sind, und in dieser Hinsicht konnte 2020 vermutlich niemand Warner das Wasser reichen.

Warner hat sich nicht nur zum offensichtlichen Leader dieser Defense aufgeschwungen und wirkt auch wie der emotionale Motor auf dem Platz. Er ist auch einfach rein sportlich der kompletteste Linebacker dieser Saison. Exzellent in Coverage, er hat die notwendige Reichweite und die Instinkte, er ist physisch stark gegen den Run.

Für mich persönlich gibt es nicht mehr allzu viele Linebacker, die konstant besonders herausstechen, wenn man sich mit ihrer Defense befasst; das hat sich deutlich mehr auf die Defensive Backs und die Pass-Rusher verlagert. Warner ist einer dieser Linebacker.

Linebacker: Eric Kendricks, Minnesota Vikings. Um direkt an den Warner-Part anzuknüpfen: Kendricks ist ebenfalls ein solcher Linebacker. Auch er ist gut in Coverage, auch er fällt konstant auf, wenn man sich mit der Vikings-Defense auseinandersetzt.

Nie wurde sein Wert deutlicher, als er dann tatsächlich in der zweiten Saisonhälfte verletzt ausfiel. Eine Vikings-Front, die sowieso nur mit viel Klebeband und Aggressivität zusammengehalten wurde, fiel dann nämlich komplett auseinander. Kendricks, gemeinsam mit Harrison Smith, ist das Herz und das Gehirn dieser Defense, und das nicht nur bei First oder Second Down.

Linebacker: Roquan Smith, Chicago Bears. Hier ist zunächst einmal ein klarer Cut zu den beiden ersten Kandidaten. Warner und Kendricks stehen eine Stufe über dem Rest, über die Nummer 3 kann man dann intensiver diskutieren. David und Smith sind hier komplett auf Augenhöhe, im Endeffekt habe ich Smith genommen, weil er mir nach dem ersten Saisondrittel besser gefallen hat.

Insbesondere in Coverage hat er einen deutlichen Sprung gemacht. Man bekommt den Eindruck, dass das Spiel zunehmend langsamer für ihn wird, dass seine Instinkte so noch besser zur Geltung kommen. Er ist auch der Play-Caller auf dem Platz für die Bears-Defense und scheint auch abseits des Platzes klare Fortschritte zu machen. Smith liest und erkennt Plays immer zuverlässiger und hat dann den Speed und die Explosivität, um Routes zu attackieren und Wurffenster zu schließen.

Geht Smiths Entwicklung so weiter, ist er nächstes Jahr ein Thema für den oberen Part des Treppchens.

Knapp dahinter: Lavonte David, Buccaneers.

Cornerback: Xavien Howard, Miami Dolphins. Die Interceptions - zehn insgesamt, so viele in einer Saison wie kein Cornerback seit 2007 - stechen natürlich heraus, Howard war eine defensive Big-Play-Maschine und hatte großen Anteil daran, dass die Dolphins so lange im Playoff-Rennen waren.

Aber seine Saison war mehr, Howard war insbesondere in der zweiten Saisonhälfte der dominanteste Man-Corner in der NFL. Und das in einer aggressiven Dolphins-Defense, die viel blitzen will, die die Hauptlast der Arbeit auf die Cornerbacks abwälzt und entsprechend darauf baut, dass die Cornerbacks alleine standhalten können.

Howard konnte das dieses Jahr, und zwar wesentlich konstanter als noch zuletzt. Das in Kombination mit einer herausragenden zweiten Saisonhälfte und natürlich den Turnovern macht Howard zum Nummer-1-Corner.

Cornerback: Jaire Alexander, Green Bay Packers. Der andere dominante Cover-Corner dieser Saison. Green Bay war defensiv sehr inkonstant und häufig schlicht auch schwach. Die Packers hatten nicht den Pass-Rush der vergangenen Saison, umso wichtiger war es, dass man sich auf Alexander verlassen konnte.

Alexander gibt Green Bay die Freiheit, flexibler mit den Safeties zu agieren und auch andere Cornerbacks zu unterstützen. Athletisch ohnehin einer der absoluten Elite-Defensive-Backs in der NFL, ist es dennoch eindrucksvoll zu sehen, wie der 23-Jährige mit Receivern vertikal scheinbar mühelos mitgeht und nur ganz selten mal geschlagen wird.

Knapp dahinter: J.C. Jackson, Patriots; Marlon Humphrey, Ravens; Rams; Jason Verrett, 49ers.

Safety: John Johnson, Los Angeles Rams

Die Safety-Spots sind meist mit am schwierigsten, einfach weil es derart unterschiedliche Spielertypen in verschiedenen Defenses gibt. Meine Gewichtung fällt meist eher auf die etwas flexibleren Typen, was dieses Ranking auch widerspiegelt; deshalb sind Johnson und Amos bei mir vor Jessie Bates, der für die Bengals in seiner Single-High-Rolle dieses Jahr spektakulär war, wahrscheinlich der beste Single-High-Safety in der NFL aktuell. Das sollte hier nicht unerwähnt bleiben.

Johnson fasziniert mich aber in einer flexiblen Defense mit seiner flexiblen Rolle. Die Rams verlangen viel von ihren Safeties, zwar spielt Los Angeles häufig mit zwei tief platzierten Safeties, doch müssen die wahnsinnig viel vor und nach dem Snap lesen, und dementsprechend gibt es dann Rotationen Post-Snap, Coverage-Zuteilungen und Run-Fits, um die bewusst leicht gehaltene Box zu unterstützen.

Johnson hat das dieses Jahr perfekt umgesetzt, während er als Free Safety, Slot-Corner und Nickel-Linebacker unterwegs war. Verlässlich in Coverage, gut in seinen Reads, stark gegen den Run. Eine exzellente Saison.

Safety: Adrian Amos, Green Bay Packers. Der andere flexible Safety, der eine absolut herausragende Saison gespielt hat - und mit Alexander und dann im Laufe der Saison Za'Darius Smith gemeinsam der Hauptgrund dafür, dass die Packers defensiv ein wenig in die Spur gefunden haben.

Antizipation und Spielintelligenz in Coverage, die Fähigkeit, im Slot zu covern, die Box zu spielen und als Free Safety überall aufzutauchen, und dazu ist er ein verlässlicher Tackler: Amos ist ein kompletter Safety, der auch glänzend im Zusammenspiel mit Jaire Alexander funktioniert und der es einer Defense erlaubt, flexibel und schwer lesbar zu werden.

Hier kann man je nach Priorität in verschiedene Richtungen gehen. Amos, genau wie Johnson, ist für mich die flexible und tragende Säule einer Secondary.

Knapp dahinter: Jessie Bates, Bengals; Budda Baker, Cardinals; Tyrann Mathieu, Chiefs.

Defensive Back: Jalen Ramsey, CB, Los Angeles Rams

Die Rams haben eine hochspannende Defense aufgebaut, in der viel Fokus darauf liegt, die explosiven Plays durch die Luft zu verhindern und Teams dazu zu zwingen, lange Drives hinzulegen, um in die Endzone zu kommen. Die flexiblen Safeties spielen dabei eine wichtige Rolle, genau wie natürlich Aaron Donald.

Aber der Spieler, der individuell am kritischsten dafür ist, um Matchups zu gewinnen und der Spieler, der es dem Rest der Defense erlaubt, flexibler aufzutreten und Ressourcen anderweitig zu nutzen, ist Jalen Ramsey. Ramseys Rolle ist dabei unter Brandon Staley flexibler geworden.

Hat der Gegner einen klaren Nummer-1-Receiver, verfolgt Ramsey diesen nach wie vor häufig über den Platz. Doch ist das nicht der Fall, oder erfordert das Matchup eine andere Verteilung, ist Staley durchaus gewillt, Ramsey auch herumzuschieben. Konkret bedeutet das, dass Ramsey dieses Jahr über 60 Snaps in der Box und über 160 Snaps als Slot-Corner verbracht hat. Zum Vergleich: 2019 war er zusammengerechnet in der Box und im Slot für nur 128 Snaps.

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