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NFL

Third and Long - der Mailbag zum Spieltag: Coach des Jahres - und wer macht den größten Sprung?

SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet eure Fragen zu Woche 12 in der NFL.
© imago images/Ian Johnson

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Coach of the Year - und Quarterback-Fragen

Özgür Boztas: Wer sind für dich die Favoriten auf den "Coach of the Year"-Award?

Sollten die Steelers tatsächlich 16-0 gehen, führt hier denke ich kein Weg an Mike Tomlin vorbei. Dann können wir viel darüber diskutieren, wie gut die Steelers wirklich sind, in wie weit die Bilanz trügt, wie leicht womöglich der Spielplan war, und so weiter. 16-0 ist so historisch und so selten, auch wenn man argumentieren könnte, dass Tomlins Leistung als Head Coach im Vorjahr vermutlich sogar noch eindrucksvoller war als dieses Jahr. Er ist einer der besten Head Coaches der Liga, da besteht für mich kein Zweifel.

Dahinter wäre meine - nicht sortierte - Liste:

  • Kyle Shanahan, der mit den San Francisco 49ers trotz genauso zahlreicher wie gravierender Verletzungen fast jede Woche zumindest kompetitiv ist, wenn nicht mehr. Ich glaube nicht, dass eine Offense in der NFL aktuell besser und kohärenter designed ist als die der 49ers, aber es geht in San Francisco noch weit darüber hinaus. Es ist eben auch das, was auf der defensiven Seite des Balls passiert, man hat bei den 49ers den Eindruck, dass das Team eine klare Philosophie und eine klare Ausrichtung hat, und dass auch gravierende Hindernisse, von denen es für die Niners nicht allzu wenige gibt dieses Jahr, überwunden werden können. Das ist für mich definitiv ein Markenzeichen eines guten Head Coachs.
  • Ron Rivera könnte ein heißer Kandidat werden, je nachdem, wie die Saison weiter verläuft. Konkret: Falls Washington die Division gewinnt. Rivera hatte dieses Jahr natürlich mit seiner Krebserkrankung eine gigantische Hürde fernab des Platzes. Dazu die ganze Quarterback-Situation. Und sollte Washington dann die Division gewinnen, die Mischung aus seiner Arbeit und der Story abseits des Platzes wäre vermutlich ein starkes Argument für viele.
  • Kevin Stefanski in Cleveland würde ich hier auch erwähnen. Die Browns haben unter ihm blitzartig eine offensive Identität gewonnen, und auch wenn ich bei Cleveland nach wie vor mehr Fragen als Antworten habe - dass die Browns gerade ihre erste Saison mit mindestens acht Siegen seit 2007 klargemacht haben, sollte nicht komplett unter den Teppich gekehrt werden.
  • Ansonsten: Jon Gruden verdient dieses Jahr einiges an Lob und Anerkennung für das, was er aus Derek Carr und der Raiders-Offense herausholt, Brian Flores hat in Miami einen beachtlich schnellen Umbruch eingeleitet. Beide sehe ich aber doch eine Stufe dahinter. Matt LaFleur in Green Bay ist für mich eine der großen positiven Coaching-Überraschungen dieser Saison, sollten die Packers am Ende den Nummer-1-Seed in der NFC gewinnen, wäre LaFleur für mich ein heißer Kandidat.

Paul Schochow: Wie ordnest du die Quarterback-Situationen in Carolina und Cleveland ein? Die Teams sind zu gut für einen Top-5 Pick aber zu schlecht für einen (tiefen) Playoff-Run... machen vielleicht Stafford, Winston oder Ryan dort Sinn?

Bei den Panthers relativ klar: Bridgewater ist für mich eine klare Übergangslösung. Das klingt negativer als es gemeint ist, aber man sollte auf der anderen Seite des Spektrums auch nicht den Fehler machen, ihn zu positiv einzuschätzen. Die Situation ist exzellent für ihn, mit den Play-Designs von Joe Brady, in einer Offense, in der er als "Point Guard" den Ball schnell verteilen kann.

Seine Stärken werden so ideal aufs Feld übertragen, seine Schwächen überspielt. Bridgewater ist gut, aber er hat eben klare Limitierungen, und sollten die Panthers Brady tatsächlich zeitnah verlieren, dürften die auch wieder stärker zum Vorschein kommen. Insofern: Eine ideale Übergangslösung, auch für kommendes Jahr. Aber die Panthers müssen aufpassen, dass sie nicht die Chance verpassen, hier früher oder später ein Upgrade zu finden. Das ist bei jedem Team im "Quarterback-Mittelmaß" ein ähnliches Thema.

Cleveland wird eine sehr spannende Diskussion sein. Baker Mayfield hatte jetzt am Wochenende gegen Jacksonville ein gutes Spiel, aber in der Summe spielt er nur bedingt besser als letztes Jahr - die Umstände sind eben deutlich besser. Und das ist auch Teil des Gesamtbilds: So, wie Cleveland ihn aktuell spielen lässt, ist er ein austauschbarer Quarterback. Die Browns müssen im kommenden Frühjahr die Entscheidung über die Fifth-Year-Option treffen, und die wird über 30 Millionen Dollar für 2022 kosten. Inzwischen ja auch komplett garantiert.

Ich vermute, dass Cleveland am Ende diesen Schritt gehen wird, einfach weil die Browns auf eine Weiterentwicklung im zweiten Jahr unter Stefanski hoffen dürften und man nicht nach einem potenziellen Leistungsanstieg unter Zugzwang am Verhandlungstisch geraten will. Aber das ist wirklich auf Messers Schneide.

Die angesprochenen Alternativen sehe ich dennoch bei beiden Teams nicht. Das kommende Jahr ist für mich noch Teil des Rebuilds und mit Bridgewater auch vorübergehend gut besetzt. In zwei Jahren mag die Situation dann anders aussehen, aber dann reden wir ja auch potenziell schon wieder von ganz anderen potenziellen Namen. Die Browns haben Mayfield noch ein Jahr günstig unter Vertrag und werden auf eine Weiterentwicklung hoffen.

Yannik, Stefan Beier: Was sollten die Dolphins auf der Quarterback-Position deiner Meinung nach jetzt tun?

Brian Flores hat zum Wochenbeginn nochmal untermauert, dass Tua Tagovailoa startet, "wenn er fit ist". Genau wie die Aussage nach dem Broncos-Spiel, als Flores klarstellte, dass er Tua nicht verletzungsbedingt für Fitzpatrick rausgenommen hatte, müssen wir auch das erst einmal so hinnehmen. Tua ist aktuell nicht fit, also spielt Fitzpatrick, und wenn der Rookie wieder spielen kann, will Flores ihn auch wieder starten lassen.

Ich hatte letzte Woche schon ausführlicher über die Dolphins-Quarterback-Dynamik geschrieben, und im Kern hat sich da für mich nichts geändert. Miami ist dieses Jahr kein Titelanwärter, und für mich auch kein Team, das in den Playoffs plötzlich heiß läuft und die Chiefs und Steelers schlägt. Die Dolphins sind im Wildcard-Rennen, und selbst mit Fitzpatrick wäre mein Tipp, dass sie die Postseason am Ende knapp verpassen.

Dementsprechend hat es für mich wenig Wert, um jeden Preis jetzt auf die Playoffs zu gehen. Die Entwicklung von Tua einerseits sowie aus Team-Sicht der Versuch, eine möglichst große Sample Size was Starts und Snaps angeht zu erhalten, das sollte im Vordergrund stehen. Insofern wäre mein Ansatz genau das, was Flores am Montag gesagt hat: Ist Tua fit, spielt er. Jede andere Idee wäre für mich ziemlich kurzsichtig, was eigentlich auch nicht zur bisherigen Herangehensweise der Dolphins unter Flores passt.

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