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NFL

Top 10: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 8 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf den Week-8-Sonntag in der NFL.
© getty

6. Kommt jetzt der Patriots-Ausverkauf?

New England hat schon so das schwächste Waffenarsenal in der NFL - wenn dann noch Julian Edelman und N'Keal Harry fehlen, ist abgesehen von den Running Backs überhaupt nichts mehr da, womit man im Passspiel arbeiten kann. Und selbst Harry ist mehr Sorge als Gewinn.

Die Pats hatten am Sonntag eine Vielzahl an Strafen, weil sich die Receiver vor dem Snap nicht richtig aufstellten. New Englands Offense wartet noch immer auf ihren ersten Touchdown in einem ersten Viertel dieser Saison, der Touchdown von Damien Harris beendete schließlich insgesamt sechs Viertel in Folge ohne eigenen Touchdown. Eine solche Serie hatten die Pats seit 2000 nicht mehr gehabt.

Ja, das Run Game funktionierte im Laufe der Partie besser und die Entscheidung, Cam Newton wieder deutlich mehr ins Run Game einzubinden, war definitiv richtig. Aber die Offense ist schlicht unfassbar limitiert, das kann man jetzt jede Woche schreiben, denn es wird sich über die weitere Saison nicht mehr verändern.

Mit dieser Pleite und der Art und Weise, wie die letzten Spiele aussahen, muss man in Foxboro bereit sein, diese Saison abzuhaken. Newton spielt merklich schlechter als im ersten Saisonviertel, die Defense ist nicht nur nicht dominant, sie ist phasenweise eine Schwachstelle, insbesondere gegen den Run.

Ein kleiner Ausverkauf - allen voran Stephon Gilmore wäre hier natürlich zu nennen - würde mich nicht wundern; mindestens genauso spannend ist allerdings die Frage: wie sehen die Pats ihre langfristige Zukunft? Glaubt man noch an Cam? Gibt es einen großangelegten Umbruch - und will Belichick einen solchen überhaupt noch gestalten?

Die Fragen in New England nach dieser Saison werden so groß sein wie seit vielen, vielen Jahren nicht mehr.

7. Sind die Bills noch ein Titelkandidat?

Rein mit Blick auf die Tabelle müsste bei Bills-Fans die Stimmung bestens sein: Der Sieg über die Patriots beendet die Saison für die Pats nicht nur, Buffalo ist auch in der Pole Position, um zum ersten Mal seit 1995 (!) die Division zu gewinnen. Doch genau wie der Sieg gegen die Jets in der Vorwoche wirkte der Auftritt gegen ein dezimiertes, im Passspiel zahnloses Patriots-Team zäh.

Das Wetter half dabei fraglos nicht, und doch bekam man einmal mehr einen sehr guten Eindruck der Josh-Allen-Experience: Ein paar gefährliche Scrambles, eine Handvoll eindrucksvoller Würfe - aber eben auch einige absurde Entscheidungen, wieder mal ein unnötiger Turnover. Und am Ende steht ein Sieg, weil Cam Newton den Ball fallen ließ, als die Pats mindestens in Position waren, um die Overtime zu erzwingen. Potenziell mehr.

Allen ist einfach ein inkonstanter Quarterback, und das macht die Bills zu einer inkonstanten Offense - was sich Buffalo aber nicht leisten kann, weil die Defense deutlich anfälliger ist als im Vorjahr. Und ultimativ macht es das schwer, Buffalo noch in die Top 10 oder in den Kreis der Titelkandidaten dazu zu zählen. Eine Wundertüte, auch im Januar? Absolut. Aber oberste Liga-Spitzengruppe? Nein.

8. Jared Goff "überschattet" Debüt von Tua Tagovailoa

Es war selbstredend eine der ganz zentralen Storylines im Vorfeld der Woche - das Starting-Debüt von Tua Tagovailoa in Miami. Allein die Anzahl der Takeaways aus Tuas erstem Auftritt ist doch sehr überschaubar. Tua brachte nur zwölf Bälle an, knackte nicht die 100-Passing-Yard-Marke. Er warf eben auch nur 22 Bälle.

Dennoch klar erkennbar war ein gewisses "Ankommen" in der Partie. Gleich beim ersten Dropback lernte er den langen Arm von Aaron Donald kennen, welcher den Rookie mit einem Fumble in der NFL begrüßte. Die Dolphins bauten von Anfang an RPOs und jede Menge Slants ein, Tua brauchte dennoch eine Weile, ehe er in der Partie ankam und die anfänglichen Wackler besser in den Griff bekam.

Das "Problem", zumindest wenn wir über eine Evaluierung sprechen? Die Partie war an dem Punkt schon sehr deutlich. Ein 88-Yard-Punt-Return-, ein 78-Yard-Fumble-Return-Touchdown - "Gottseidank haben wir eine gute Defense", sollte Tua anschließend sagen. Miami hatte kurz vor der Halbzeitpause 56 Yards bei 2,7 Yards pro Play - und 28 Punkte. Eine historische Marke.

Und so war statt Tua eher sein Gegenüber die Story des Spiels: Die Rams gingen unerwartet früh vom Run Game weg, obwohl das funktionierte, und bekamen in der Folge einmal mehr die schmerzhaften Limitierungen mit Jared Goff zu spüren: Miami gelang es auf vielfältige und eindrucksvolle Art und Weise, der Offensive Line zuzusetzen. Mit verschiedenen Blitzes, aber dann im Laufe der Partie auch mit dem 4- oder gar dem 3-Men-Rush. Mit schwer lesbaren Pressure-Paketen, mit permanentem Überladen der Protection - ob mental oder auch tatsächlich nach dem Snap.

Goff verlor mehrfach den Überblick, hatte merkliche Probleme damit, Pass-Rusher Pre-Snap zu identifizieren, und weil Miami die Bootlegs und die entsprechenden Boot-Routes gut verteidigte, sah man deutlich, welche Probleme Goff doch teilweise im "regulären" Passspiel hatte. Das wird Goff immer begleiten, und es bringt automatisch Limitierungen für die Rams-Offense mit sich. Die Art und Weise, wie McVay die Offense in diesem Jahr umgebaut hat, legt nahe, dass er sich dessen mehr als nur bewusst ist.

9. Das nie endende Chargers-Drama

Die Chargers sind das erste Team aller Zeiten, das in vier aufeinanderfolgenden Spielen je eine eigene Führung über mindestens 16 Punkten aus der Hand gegeben hat. Doch selbst für Chargers-Standards ist es nicht leicht, diese Niederlage gegen Denver zu erklären.

Anthony Lynn wurde nach dem langen Touchdown-Drive zu Beginn der zweiten Hälfte definitiv zu konservativ, die Defense fiel in der zweiten Hälfte komplett auseinander. Und doch fragt man sich: Warum wieder die Chargers? Was ist es mit diesem Team, dass man für solche Meltdowns ganz offensichtlich anfälliger ist als andere Teams?

Und natürlich gibt es verschiedene Ansätze. Die Offense ist fantastisch was die Big Plays angeht, die Konstanz und damit die Down-für-Down-Baseline fehlen mit Herbert aber noch. Coaching ist ein weiterer Faktor, und eine insbesondere in Coverage enttäuschende - wo Gegner beim Versuch einer Aufholjagd natürlich besonders ansetzen - Defense spielen ebenfalls eine Rolle.

Am Ende steht vor allem Frust. Auch aktuell ganz konkret darüber, dass man Herberts High-End-Plays nicht in zählbare Erfolge im Win-Loss-Record ummünzen kann. Aber mehr aus der Vogelperspektive gedacht eben darüber, dass man dieses Stigma nicht loswird. Das begleitet die Chargers viel zu lange, und bei allen positiven Takeaways zu Herbert und den Möglichkeiten mit den Receivern: Irgendwann muss man auch als Franchise mal eine Trendwende einleiten können. Und vielleicht braucht es irgendwann einen anderen Head Coach dafür.

10. Jets-Hoffnung und der Rest aus dem Notizblock

  • Die Jets sind eine wandelnde Katastrophe und im Spiel gegen Kansas City drängte sich der Eindruck auf, dass beide Teams genauso gut unterschiedliche Sportarten spielen könnten. Die Jets haben unter Adam Gase jetzt mehr Spiele mit 20 oder mehr Punkten Differenz verloren (8) als sie insgesamt unter ihm gewonnen haben (7). In dieser Saison sind sie offensiv ein einziges Mal über 300 Yards gegangen. Und doch gibt es zumindest ein klein wenig Hoffnung: Denzel Mims konnte an sein gutes Rookie-Debüt anknüpfen. Vielleicht kann er tatsächlich neben Becton und Quinnen Williams der Kern eines radikalen Neuaufbaus werden.
  • Komplett zahnloser Auftritt der Lions-Defense gegen eine Colts-Offense, vor der man nun wirklich nicht zittern muss. Detroit schaffte es, dass das in dieser Partie anders aussah. Die leichte positive Tendenz der letzten Wochen ist so auch schnell wieder verflogen, und stattdessen steht jetzt ein nur zu vertrautes Thema wieder ganz oben auf der Agenda: Wo genau hat Matt Patricia dieses Team über die letzten Jahre verbessert? Auch nur einen Punkt?
  • In äußerst schwierigen äußeren Bedingungen in Cleveland waren es überraschenderweise die Raiders, die diese Umstände besser annahmen. Es waren nicht die Browns gegen eine schwache Raiders-Run-Defense, die hinter ihrer starken Line den Ball laufen konnten - das waren die Raiders. Ohne Trent Brown, gegen eine starke Browns-D-Line, lief Las Vegas für 208 Yards und ließ defensiv nahezu nichts zu. Nicht unbedingt der zu erwartende Verlauf, umso eindrucksvoller von den Raiders.
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