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NBA: Clutch-Götter ohne MVP - Warum die Phoenix Suns immer noch unterschätzt werden

Devin Booker ärgert sich darüber, dass er nicht wirklich in der MVP-Debatte auftaucht.
© getty

Immer wieder ist im Lauf dieser Spielzeit davon die Rede, dass die NBA so offen ist wie lange nicht, dass endlich mal wieder kein Superteam über allem schwebt. Vielleicht ist das aber falsch. Es gibt schließlich die Phoenix Suns.

In den vergangenen Tagen häufen sich auf einmal die Stimmen, die mit dem derzeitigen MVP-Rennen nicht einverstanden sind, die der Top 3 um Nikola Jokic, Joel Embiid und Giannis Antetokounmpo nicht so ganz trauen. Kyrie Irving stimmte via Twitter für Devin Booker, NBA-Legende Isiah Thomas tat dies nun schon mehrfach.

Thomas verwies dabei unter anderem darauf, dass es schon immer ein Kriterium gewesen sei, wer der Topscorer des Teams mit der besten Bilanz der Liga war - was nicht direkt falsch ist. Es war und ist jedoch nie das einzige Kriterium, und in allen anderen Kategorien ist es schwierig bis unmöglich, Booker vor einen der drei Favoriten zu stellen.

Das ist weder ein "Diss" gegen Bookers überragende Spielzeit (All-NBA First Team ist auch nicht schlecht!) noch eine Verschwörung wegen seines Namens - die anderen Kandidaten leisten über die Saison gesehen schlichtweg mehr, sie müssen auch mehr leisten. Wo wir ein Stück weit beim Dilemma dieser Suns angekommen wären.

Phoenix Suns: Zu gut für jede Debatte

Die Realität ist: Es ist gar nicht so leicht, dieses Team "spannend" zu machen oder etwas Neues über sie zu erzählen. Seitdem Chris Paul zurück ist, gibt es kein drohendes Unheil mehr, und selbst während seiner Abwesenheit geriet Phoenix ja nicht ins Stocken und gewann 10 von 14 Spielen.

Spannung ist schlichtweg rar, die Suns gewinnen quasi einfach immer, sie sind ein Team ohne erkennbare Schwachstellen. Ihre Bilanz ist weit weg von allem, was sonst in der Liga herumläuft, sie haben als einziges Team die 60-Siege-Marke kassiert und werden das einzige Team in dieser Saison bleiben. Ihr Net-Rating (+9,5) ist laut Cleaning the Glass fast um 3 Punkte besser als das der zweitplatzierten Grizzlies.

Zuletzt gab es viel Hype um Boston, zu Beginn der Saison waren es die Warriors, dazwischen bestimmten andere Teams auch wegen anderen Themen die Schlagzeilen (etwa die Lakers, Nets oder Sixers) - Phoenix hingegen dominierte einfach die gesamte Saison über. Die längste Niederlagenserie der Suns in dieser Spielzeit betrug 2 Spiele. 2!

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Phoenix Suns: Das beste Clutch-Team aller Zeiten?

Ein Sieg fehlt den Suns noch zum Franchise-Rekord aus der Saison 2004/05 (62), die neue Marke dürfte ein Stück höher liegen. Und nein, im Gegensatz zum 7-Seconds-or-Less-Team mit Steve Nash werden die Suns nicht den MVP stellen. Dafür ist es gut möglich, dass Monty Williams Coach of the Year wird und dass zwei ihrer Spieler in der Top 10 beim Voting landen, was sonst niemand hat.

Und nicht nur darin hebt sich Phoenix ab von allen anderen Teams. Die Suns haben als einziges Team Top-2-Werte in Offense und Defense, sie bieten quasi keine Angriffsfläche, sind diszipliniert, auf jeden Gegner vorbereitet und haben, wie es scheint, auf jede Herausforderung eine Antwort. Was auch zu ihrer größten Stärke führt: Ihrer Dominanz in den letzten fünf Minuten des Spiels.

Die Suns sind nicht einfach nur ein gutes Clutch-Team. Sie sind dem Net-Rating zufolge eins der besten Clutch-Teams der Geschichte - zumindest, soweit diese bei nba.com/stats zurückgeht, um die Statistik zu erheben. Siehe da:

NBA: Die besten Clutch-Teams seit 1996/97

RangTeam (Saison)BilanzSiegquoteNet-Rating
1Cleveland Cavaliers (08/09)23-971,9%34,2
2Golden State Warriors (15/16)30-488,2%34,1
3Phoenix Suns (21/22)31-683,8%32,5
4Miami Heat (12/13)32-880%28,9
5Portland Trail Blazers (20/21)24-1364,9%27,4
6Houston Rockets (17/18)25-1071,4%27,1
7Memphis Grizzlies (13/14)33-1667,3%27
8Dallas Mavericks (06/07)32-684,2%26,2
9Dallas Mavericks (10/11)34-1668%26,1
10Orlando Magic (98/99)19-1065,5%25,1

Booker und Paul: Clutch-Zahlen aus einem Videospiel

Die Suns machen einen bemerkenswert kurzen Prozess mit Teams, die es wagen, Spiele gegen sie in den letzten fünf Minuten noch offen zu gestalten. Um es mit Chris Rock zu sagen: "Es war ein G.I. JANE-Witz!" Diese Provokation wird nicht toleriert.

Phoenix profitiert einerseits davon, dass sowohl Booker als auch Paul am Ende von Spielen stets in der Lage sind, sich einen Wurf zu kreieren - und dass sie in dieser Saison kaum daneben werfen. Booker steht in der Clutch aktuell bei 27/47 aus dem Feld und 9/22 von der Dreierlinie, hinzu kommen 12 Assists bei 4 Ballverlusten. Paul steht bei 22/40, 4/10 und einem Assist-Turnover-Verhältnis von 29:5 - das ist lachhaft gut. Und es sind nicht nur die beiden.

Cameron Johnson sah vor seiner Verletzung aus wie einer der meistverbesserten Spieler der Liga, Cameron Payne, Landry Shamet oder auch "Notnagel" Aaron Holiday halfen dabei, die Maschine auch ohne Paul am Laufen zu halten. Deandre Ayton hat den vielleicht effektivsten Hookshot der Liga und ist offensiv wieder ein bisschen besser geworden.

Phoenix Suns: Zu gut für einen MVP-Award

Jae Crowder und Mikal Bridges hatten sich ohnehin etabliert - wobei Bridges noch einen Sprung gemacht hat, selbst wenn seine Zahlen das nur bedingt reflektieren. Gerade in der Zeit ohne Paul durfte der Swingman mehr Ballhandling schultern, er wird längst nicht mehr in den Ecken geparkt, sondern ist ein zunehmend gefährlicher Schütze auch aus der Mitteldistanz. Und nebenbei noch der vielleicht beste Flügelverteidiger der NBA, der seinen 90-Millionen-Dollar-Vertrag über vier Jahre aus der Offseason schon dadurch rechtfertigt.

Die Suns sind mehr als die Summe ihrer Teile - was schon in der vergangenen Saison der Fall war und sie bis zu einer 2-0-Führung in den NBA Finals trug. Damals wurde über Verletzungen geredet, das tut Anthony Davis immer noch, aber Verletzungen hatte Phoenix auch. Die Suns haben mittlerweile längst bewiesen, dass es eben kein Ausrutscher war, dass sie so weit gekommen sind. Sie waren wirklich so gut, und jetzt sind sie besser.

Es wird viel von einer offenen NBA gesprochen, vom Fehlen eines Superteams. Den Suns wird das nicht gerecht. Und auch das MVP-Thema sollte Booker nicht stören: Es ist kein Zufall, dass seit Stephen Curry (2015) kein MVP mehr Meister wurde. Das Kollektiv der Suns ist vermutlich zu gut für diesen Regular Season-Award. Dafür diesmal aber vielleicht genau richtig für die wichtigeren Auszeichnungen, die im Juni vergeben werden.

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