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NBA: Die Offensiv-Probleme der Philadelphia 76ers - Puzzlen für Fortgeschrittene

Ben Simmons sucht weiter seinen Platz in der Offense der Philadelphia 76ers.
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2. Zu viele Ballverluste und Abstimmungsfehler

Zugegeben, es ist noch früh in der Saison. Die Abläufe müssen jetzt noch nicht sitzen, die Sixers sind zu gut, als dass sie deswegen in die Bredouille geraten. Maximaler Erfolg in den Playoffs ist das Ziel, die Regular Season dient als Experimentierfeld. Es wirkt aber, als habe noch kein Spieler seine Rolle gefunden, das gab auch Brown unlängst zu.

"Irgendwann muss jeder seinen Platz finden und die anderen müssen reagieren", erklärte Brown. "Das braucht aber Zeit, vor allem bei unserem nicht sehr traditionellen Team. Wir haben keinen klassischen Point Guard, einige Shooter, einen Strech-Vierer und Joel Embiid. Versteht das nicht falsch, ich mag mein Team, aber es passt eben nicht sofort alles zusammen."

Browns System basiert auf viel Bewegung, viel Passspiel, weswegen es nicht verwundert, dass die Sixers seit Jahren ein anfälliges Team für Ballverluste ist. In den ersten Spielen zeigt die Tendenz aber in die falsche Richtung, Philly zählt zu den sechs schlechtesten Teams in dieser Kategorie. Fast ein Fünftel der Possessions münden in einem Angriff ohne Abschluss.

Einige Turnover resultierten aus Unkonzentriertheiten, bei anderen merkt man die noch fehlende Abstimmung, in diesem Fall von Embiid ist es beides.

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© NBA

Weitere häufige Fehlerquellen sind zudem Simmons, der so viele Ballverluste wie noch nie in seiner Karriere produziert, und auch Richardson, der einige Minuten als Backup-Spielmacher sieht (eine Rolle, die er auch zeitweise in Miami innehatte), dabei aber noch nicht überzeugen kann.

Auffällig zudem sind die vielen Unstimmigkeiten bei Cuts. Kein Team in der NBA postet häufiger auf als Philadelphia - pro Spiel sind es 15,1 Post-Ups (Stand vor dem Knicks-Spiel), die Lakers, auf Platz zwei in dieser Kategorie, präsentieren diesen Spielzug nur neunmal pro Spiel.

Im Idealfall postet ein Spieler auf, die anderen Spieler schaffen Platz und ziehen sich an die Dreierlinie zurück. Die Bewegung sollte damit nicht stoppen, durch Cuts zum Korb soll dem Ballführendem eine weitere Option gegeben werden. Die Sixers meinen es aber teilweise zu gut - und gleich zwei Spieler schneiden gleichzeitig zum Korb. Das ist natürlich schlecht (und auch der fehlenden Abstimmung zuzurechnen), da so die Zone verstopft wird und die Erfolgschancen niedrig sind.

3. Weniger Post-Ups

Bleiben wir bei den Post-Ups. Wie schon erwähnt sind die Sixers hier Spitze, doch 0,92 Punkte pro Play (Platz fünf in der Liga) repräsentiert keine wirklich effiziente Option. Klar, es ist verlockend, mit diesem Monster-Lineup kleine Spieler auf den Rücken zu nehmen und zu bestrafen, doch es kommt nicht von ungefähr, dass fast alle Teams der Liga diesem Spielzug weitestgehend abgeschworen haben.

Hier und da ergeben Post-Ups Sinn, meist sorgen sie jedoch dafür, dass die Offense verlangsamt wird oder gar stagniert. Im Fall der Sixers kommt dann häufig das Doppeln, da die Angst des Gegners vor den lauernden Schützen einfach zu gering ist. So ist es keine Seltenheit, dass ein guter Post-Spieler wie Embiid plötzlich drei Gegenspieler vor sich hat.

Dabei ist es nicht nur Embiid, der immer wieder gesucht wird. Auch Horford, Harris, Simmons und sogar Mike Scott (!) gehen regelmäßig am Zonenrand an die Arbeit. Zum Beispiel Scott: Alle fünf Hornets-Verteidiger haben hier bereits einen Fuß in der Zone, bereit zu helfen. Es ist schlichtweg keine gute Offense.

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© NBA

4. Zu wenige Pick'n'Rolls und die Simmons-Problematik

Effizienter sind traditionell Pick'n'Rolls, jedoch läuft kein Team dieses Play seltener als die Sixers. Bislang sind es gerade einmal zwölf pro Spiel, woraus die Sixers schwache 0,72 Punkte generieren (Platz 29). Utah läuft zum Vergleich fast dreimal so häufig (32 zu 12) diesen Spielzug.

In Butler verloren die Sixers ihren besten PnR-Spieler, Simmons ist nur bedingt als Ballhandler geeignet, da die Gegenspieler aufgrund des fehlenden Wurfs immer mit Leichtigkeit unter dem Block durchgehen können.

Immerhin tritt der Australier bei aller Kritik an seiner Person nun auch vermehrt als Blocksteller auf. Als Ballhandler agieren hin und wieder Harris oder auch Richardson, die dosiert diesen Job durchaus übernehmen könnten.

Ben Simmons: Seine Statistiken in der NBA

SaisonMinutenPunkteFG%FT%ReboundsAssists
17/1833,715,854,556,08,18,2
18/1934,216,956,360,08,87,7
19/2033,914,158,457,96,17,6

Es ist vermutlich auch die beste Variante, um Simmons im Halbfeld zu involvieren. Anhand der nackten Zahlen legt der Guard bisher überall Tiefstwerte für seine Karriere auf, auch seine Usage Rate, also seine Beteiligung an Abschlüssen, ist mit gerade einmal 18 Prozent so niedrig wie noch in seinen drei NBA-Jahren.

Sein Dreier gegen die Knicks war zumindest ein Anfang, die Zeit wird zeigen, ob es nicht nur ein Strohfeuer war. Simmons wird diese Waffe brauchen, da die Sixers sonst zu oft Vier gegen Fünf spielen, wenn der frühere Nr.1-Pick den Ball nicht in der Hand hält. Die komplette Kontrolle über den Ball kann Brown Simmons aber nicht geben, da die Qualität der Mitspieler schlichtweg zu groß ist, um sie zu besseren Rollenspieler zu degradieren.

Simmons scheint in dieses Sixers-Gebilde einfach nicht zu passen. Wie würde es aussehen, wenn er bei einem jungen Team der unumstrittene Star wäre? Mit seinem Skillset würde er wohl bestens in ein Team mit vier Schützen um ihn herum passen, das können die Sixers aber nicht bieten, auch weil mit Embiid ein Spieler zur Verfügung steht, der in der Zone eine unglaubliche Dominanz ausstrahlt.

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