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NBA - MVP-Ranking im November: Nicht Luka Doncic, nicht Stephen Curry - Überraschung auf Platz 1

Trotz abnormaler Statistiken reicht es für Luka Doncic im MVP-Ranking nach dem ersten Saisonviertel nicht für Platz eins.

Das erste Saisonviertel ist fast schon wieder in den Büchern, da stellt sich die Frage: Wer war der MVP der ersten Saisonwochen? SPOX wagt sich an ein viel zu frühes Ranking mit Luka Doncic, mit Stephen Curry - und mit ein paar Überraschungen!

Quizfrage zum Start: Wie viele NBA-Stars legen aktuell mindestens 30 Punkte pro Spiel auf? Kleiner Tipp: So viele wie in dieser Spielzeit waren es in der langen Historie der NBA noch nie. In diesem Jahrtausend lag der Bestwert bislang bei höchstens drei Scorern mit 30+ Punkten über eine komplette Saison (2005/06 mit LeBron, Iverson und Kobe sowie 2019/20 mit Beal, Harden und Lillard).

Darüber hinaus muss man bis in die Saison 1961/62 zurückgehen, um mehr als drei zu finden. Damals knackten gleich sechs Spieler diese Hürde, wirklich vergleichbar ist diese Ära mit der aktuellen aber nicht. Damals gab es natürlich keinen Dreipunktewurf, dafür verzeichnete jedes Team im Schnitt 126,2 Ballbesitze pro Spiel - diese Saison liegt die Pace bei 99,3.

Der Dreier und irre Effizienzwerte sorgen nun aber dafür, dass - Trommelwirbel - gleich sieben Spieler im ersten Saisonviertel mindestens 30 Zähler pro Partie auflegten. Hier die Übersicht:

PlatzNamePunkteSpieleTrue-Shooting Percentage
1.Luka Doncic (Mavs)33,51960,5 Prozent
2.Joel Embiid (Sixers)32,11363,2 Prozent
3.Stephen Curry (Warriors)31,42068,2 Prozent
4.Shai Gilgeous-Alexander (Thunder)31,12061,3 Prozent
5.Giannis Antetokounmpo (Bucks)30,91657,7 Prozent
6.Jayson Tatum (Celtics)30,82062,5 Prozent
7.Kevin Durant (Nets)30,02265,9 Prozent

Was das mit dem MVP-Rennen zu tun hat: Die Dichte an absoluten Superstars mit einem hervorragenden Saisonstart ist extrem hoch, entsprechend eng ist auch das MVP-Ranking zu diesem noch sehr frühen Zeitpunkt. Alle sieben Spieler dürften in der Diskussion um den wertvollsten Spieler ein mal mehr, mal weniger gewichtiges Wörtchen mitzureden haben, zusätzlich könnte man Ja Morant, Donovan Mitchell oder Devin Booker in allerbester "What about this guy"-Manier der Kollegen von No Dunks erwähnen.

Wir haben aber schon mal ein paar Namen ausgesiebt, um eine Top 5 für das erste MVP-Ranking der Saison aufzustellen, das wir ab jetzt jeden Monat aktualisieren werden. Wichtig dabei: Gefühlt jeder Fan hat eine eigene Definition des "Most Valuable Player", hier spielt neben den individuellen Leistungen auch der Einfluss des Spielers auf den Teamerfolg mit hinein. Los geht's.

Platz 5: NIKOLA JOKIC (Denver Nuggets)

Teambilanz: 13-7, Platz 2 in der Western Conference

Stats 2022/23: 23,0 Punkte, 9,8 Rebounds und 8,8 Assists bei 62,3 Prozent aus dem Feld und 29,4 Prozent von Downtown (in 17 von 20 Nuggets-Spielen)

Der Joker hat es geschafft, dass solche Szenen gar nicht mehr groß Beachtung finden. Einhändiger No-Look-Direktpass zum offenen Dreierschützen? Haben wir gefühlt schon tausendmal gesehen, bestimmt 999-mal davon von Jokic. Dass der Nuggets-Star solche Assists alltäglich erscheinen lässt, ist der beste Beweis für seine Brillanz.

Die ist natürlich auch 22/23 nicht verschwunden, das gilt ab und an eher für sein Scoring. Sein Punkteschnitt ist deutlich schlechter als in den beiden Vorjahren, als er jeweils den Award abräumte (23,0 PPG zu 27,1 und 26,4), was unter anderem auf den nicht fallenden Dreier zurückzuführen ist (29,4 Prozent, Career-Low) - im Zweierland trifft er dafür abnormale 68 Prozent, was zu einem Career-High beim True-Shooting führt (70,0 Prozent!). Und in drei seiner vergangenen vier Spiele knackte er auch wieder die 30 Punkte.

Noch eine andere Sache ist anders als in den Vorjahren: der Blick auf die Tabelle. Denver steht an Position zwei im Westen, weil Jokic nun endlich mehr Unterstützung hat und nicht komplett auf sich allein gestellt ist. Schadet das am Ende seiner MVP-Argumentationskette? Vielleicht ein bisschen, es bleibt aber dabei: Mit Jokic sind die Nuggets eine Macht (+14,0 Net-Rating), ohne ihn eine Katastrophe (-14,4!).

Nicht nur deshalb ist er beim Award-Tracker von basketball-reference.com mit weitem Abstand die Nummer eins. Wie gewohnt lieben die Advanced Stats den 27-Jährigen. Box Plus/Minus, Win Shares pro 48 Minuten, PER - überall führt Jokic unter allen Spielern mit mindestens zehn Einsätzen, wobei ihm ein anderer Spieler in manch anderen Kategorien tatsächlich in die Suppe spuckt (dazu später mehr).

Jokic ist weiterhin bärenstark, realistisch ist die Auszeichnung für ihn wohl trotzdem nicht. Das beste Argument gegen ihn ist gleichzeitig das schwächste: Voter Fatigue. Denver müsste wohl schon mit der besten Bilanz davoneilen, damit Jokic bei den Wählern eine Chance auf den dritten MVP in Folge hat - das gab es seit Larry Bird in den 80ern nicht mehr.

Platz 4: GIANNIS ANTETOKOUNMPO (Milwaukee Bucks)

Teambilanz: 14-5, Platz 2 in der Eastern Conference

Stats 2022/23: 30,9 Punkte, 11,4 Rebounds und 5,4 Assists bei 53,4 Prozent aus dem Feld und 22,9 Prozent von Downtown (in 16 von 19 Bucks-Spielen)

Wenn es nicht eh schon schwierig genug war, dieses Ranking zusammenzustellen, dann wird es ab jetzt besonders haarig. Auch Antetokounmpo versammelt jede Menge Argumente hinter sich, warum er der Favorit im MVP-Rennen sein sollte.

Zum einen: Der Greek Freak ist der aktuell beste Spieler des Planeten, manch einem reicht das eigentlich schon als Begründung. Hinzu kommt sein Einfluss an beiden Enden des Courts, Milwaukee stellt dank Giannis und Brook Lopez die mit Abstand beste Defense der Liga (107,0 zugelassene Punkte pro 100 Possessions ohne Garbage Time laut Cleaning the Glass). Die Bucks haben die zweitbeste Bilanz der Liga und dabei fehlt weiterhin Antetokounmpos Co-Star.

Es gibt jedoch ein Aber: Seine Effizienzwerte sind die schlechtesten seit vielen Jahren. Blickt man auf das True Shooting, dann sind seine 57,7 Prozent gar der schlechteste Wert seit 2015/16, seinem dritten Jahr in der Liga. Sein Dreier fällt noch weniger als sonst (aktuell 22,9 Prozent bei Karriereschnitt von 28,7 Prozent) und generell ist außerhalb der Restricted Area für Antetokounmpo kaum etwas zu holen. In direkter Ringnähe trifft er überragende 74,0 Prozent - überall sonst nur 26,9 Prozent. Weder Hook Shots (3/14 FG) noch Jumper (38/122 FG) sind ein Erfolgsrezept.

Letztlich gilt es also den Karrierebestwert von Antetokounmpo von 30,9 Punkten im Gesamtkontext zu betrachten. Er nimmt knapp drei Würfe mehr als bei seinem vorherigen Career-High in der Vorsaison, auch das ist wohl auf das Fehlen von Khris Middleton zurückzuführen. In Anbetracht der starken Konkurrenz reicht es für Giannis Stand jetzt also nicht für die Top 3.

Platz 3: LUKA DONCIC (Dallas Mavericks)

Teambilanz: 10-10, Platz 10 in der Western Conference

Stats 2022/23: 33,5 Punkte, 8,8 Rebounds und 8,6 Assists bei 50,5 Prozent aus dem Feld und 31,5 Prozent von Downtown (in 19 von 20 Mavs-Spielen)

Diese Platzierung wird für Diskussionen sorgen. Doncic trägt die Mavs, die ohne ihn komplett verloren wären. Nur ein paar Beispiele: Erzielt der 23-Jährige weniger als 30 Zähler, dann stehen die Mavs bei 0-5. Im einzigen Spiel ohne Doncic verlor Dallas gar gegen Houston. Mit ihm stellt Dallas eine Top-5-Offense (115,9 Offensiv-Rating), ohne ihn die schlechteste der Association (102,5).

In einer Liga voller überragender Scorer führt Doncic die Rangliste mit 33,5 Punkten bei 60,5 Prozent True-Shooting an (Karrierebestwert) - obwohl er auf sich allein gestellt ist. 196 seiner 218 erfolgreichen Field Goals sind unassisted, also knapp 90 Prozent seiner Treffer kreiert er selbst! Nur Giannis und Joel Embiid haben eine höhere Usage-Rate als Doncic (37,1 Prozent), der zusätzlich zu seinem Scoring auch noch 8,8 Rebounds sowie 8,6 Assists im Schnitt sammelt. 30/8/8 bei mindestens 60 Prozent True Shooting hat in der NBA-Geschichte sonst nur Michael Jordan geschafft.

Und 30/8/8 über eine komplette Saison ohne diese Effizienz hatte sonst nur noch Russell Westbrook. In dessen MVP-Saison 2016/17 war es sogar ein Triple-Double im Schnitt, dennoch ist dieser Award im Rückblick umstritten. Die Thunder schlossen die Bilanz mit 47-35 und Platz sechs im Westen ab, die Mavs hinken aktuell sogar einer positiven Bilanz hinterher.

Bei der MVP-Vergabe an Jokic in der Vorsaison wurde häufig vergessen, dass die Nuggets 58,5 Prozent ihrer Spiele gewannen und nur drei Spiele schlechter waren als das Team seines Hauptkonkurrenten Embiid. Die Mavs dagegen sind bereits sechseinhalb Spiele hinter den Celtics. In diesem engen MVP-Rennen reicht das eben aktuell nur für Platz drei.

Wenn man Doncic selbst eine Sache vorwerfen kann, dann seine bescheidenen Statistiken im vierten Viertel und in der Crunchtime (10/23 FG und 0/9 Dreier in Clutch-Situationen). Vielleicht geht ihm einfach die Luft aus, verständlich wäre es bei seinem Arbeitspensum.

Platz 2: STEPHEN CURRY (Golden State Warriors)

Teambilanz: 11-11, Platz 9 in der Western Conference

Stats 2022/23: 31,4 Punkte, 6,7 Rebounds und 7,0 Assists bei 51,8 Prozent aus dem Feld und 43,6 Prozent von Downtown (in 20 von 22 Warriors-Spielen)

Beim Chefkoch liegen die Clutch-Statistiken übrigens nicht weit entfernt von seinen regulären Zahlen. Und die sind schier atemberaubend. Der 34-Jährige spielt wohl die beste Saison seines Lebens, kratzt mit 31,4 Punkten an seinem Career-High (32,0), pulverisiert dieses aber beim True Shooting.

Bei Shooting-Splits von knapp 52/44/91 kommt Curry auf einen True-Shooting-Wert von 68,2 Prozent. Wie StatMuse zusammentrug, trifft er in der Zone besser als Giannis, in der Mitteldistanz besser als DeMar DeRozan, aus Isolations besser als Kevin Durant und von Downtown besser als sein Bruder Seth. Zuvor kam ein 30-Punkte-Scorer noch nie an solch eine Effizienz heran - Platz zwei belegt ebenfalls Curry in seiner MVP-Saison 2015/16 (30,1 Punkte bei 66,9 Prozent TS).

Damit kommen wir auch schon zum angesprochenen, neuen Advanced-Stats-Darling, Curry hat Jokic zum Beispiel bei den Win Shares, VORP (Value over Replacement Player) oder RAPTOR von FiveThirtyEight an der Spitzenposition abgelöst. Bei Win Probability Added von inpredictable, also beim Einfluss eines Spielers auf die Siegchancen seines Teams, belegt Curry ebenfalls Platz eins. Und: Mit Curry auf dem Feld sind die Warriors um 27 Punkte pro 100 Possessions besser als ohne ihn.

Currys Einfluss geht aber natürlich weit über die schnöden Zahlen hinaus. Kaum jemand versetzt eine Defense mit seiner bloßen Anwesenheit so sehr in Angst und Schrecken - und öffnet dadurch Räume für die Kollegen - wie der vierfache Champion. Dessen hervorragender Lauf konnte aber einen schwachen Saisonstart der Warriors nicht verhindern, deshalb reicht es auch bei ihm nicht für Platz eins.

Platz 1: JAYSON TATUM (Boston Celtics)

Teambilanz: 17-4, Platz 1 in der Eastern Conference

Stats 2022/23: 30,8 Punkte, 7,7 Rebounds und 4,6 Assists bei 48,1 Prozent aus dem Feld und 34,7 Prozent von Downtown (in 20 von 21 Celtics-Spielen)

Aktuell ist der tabellarische Unterschied zwischen den Warriors und den Celtics enorm, sodass Tatum den Vorzug bekommt. Bostons 17-4-Bilanz - über den turbulenten Sommer der Kelten spricht niemand mehr - ist aber natürlich nicht das einzige Argument für den 24-Jährigen, der sich bei den individuellen Statistiken kaum vor der Konkurrenz verstecken muss.

In erster Linie beeindruckend ist die Entwicklung, die der dreifache All-Star hingelegt hat. Seine Punkteausbeute stellt einen Karrierebestwert dar, genau wie die 4,6 Vorlagen und seine Effizienz. Tatums True-Shooting-Wert ist mit 62,5 Prozent der mit Abstand beste seiner Karriere, vor allem aus dem Zweierland hat er sich enorm verbessert (59,2 Prozent). Er erzielt mehr Punkte in der Zone als je zuvor, schließt in der Restricted Area besser ab und zieht mehr Freiwürfe.

Der Scorer Tatum ist eine bessere Version aus dem Vorjahr, der die mit Abstand beste Offense der Liga anführt. Eine historisch starke Offense, muss man betonen. Bei Cleaning the Glass, das die Garbage Time aus den Statistiken herausrechnet, ist Boston (122,4) sogar um fast 5 Punkte pro 100 Possessions besser als die zweitbeste Offense (Denver, 117,5). Auch Bank-Lineups nur mit Tatum funktionieren exzellent, wenn er Shooter an seiner Seite und damit Platz hat. Tatum kommt aktuell auf das beste Plus/Minus der Liga (+169), auf Platz vier liegt Sam Hauser (+145), was - bei allem Respekt - eher nicht allein an Sam Hauser liegt.

Im MVP-Rennen hat Tatum zudem in der Defense Vorteile gegenüber Doncic und Curry, was ebenfalls nicht unter den Tisch fallen darf. Auf seiner Visitenkarte steht unter anderem ein beeindruckender Block gegen Donovan Mitchell, der das Spiel gegen Cleveland in die Overtime zwang. Dieses Two-Way-Potenzial macht Tatum nach dem ersten Saisonviertel zum verdienten MVP.

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