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Fussball

WM 2022 - Jamal Musiala beim DFB-Team: Kreierer und Eroberer sucht Tor

Seine deutsche Mannschaft hat zwar noch kein Spiel gewonnen und Jamal Musiala noch kein Tor geschossen, trotzdem zählt der erst 19-Jährige zu den besten Spielern der WM. Das beweisen etliche Statistiken. Am Donnerstag (20 Uhr) geht es gegen Costa Rica darum, ob Musiala in Katar noch länger glänzen darf.

Sichtlich zufrieden marschierten die deutschen Nationalspieler nach dem spätem 1:1-Ausgleich gegen Spanien am späten Montagabend durch die Mixed Zone des Al-Bayt-Stadions. Alle bis auf einen. "Ich glaube, es wird eine schwere Nacht für mich", sagte Jamal Musiala. Einerseits hätte er das Spiel gerne gewonnen, vor allem aber hätte er gerne ein Tor erzielt.

Besonders ärgerte Musiala eine Szene in der 73. Minute, als er plötzlich vor Spaniens Keeper Unai Simon auftauchte und weder traf noch Niclas Füllkrug bediente. "Ich muss den Kopf hochnehmen und den Ball passen oder ins Tor rein schießen", sagte Musiala, bekannt für wunderbare Dribblings und chronischen Perfektionismus.

Trotz seiner überragenden Hinrunde mit dem FC Bayern München war er nach Informationen von SPOX und GOAL lediglich mit seinem Auftritt beim 4:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen Ende September restlos zufrieden. Vergebene Torchancen gegen Borussia Dortmund und den FC Barcelona ärgerten ihn dagegen maßlos, genau wie nun die gegen Spanien und eine weitere bei der 1:2-Niederlage gegen Japan.

Diese vergebenen Chancen sind tatsächlich die einzigen Wermutstropfen eines bisher ansonsten hervorragenden Turniers von Musiala. Da wäre seine Vorlage zu Niclas Füllkrugs Ausgleichstor gegen Spanien, womit er mit 19 Jahren und 274 Tagen Thomas Müller als jüngsten Assistgeber der deutschen WM-Geschichte (seit Beginn der Datenerfassung 1966) ablöste. Und da wären außerdem etliche ziemlich beeindruckende Statistiken.

WM 2022: Jamal Musialas beeindruckende Statistiken

Musiala ging an den ersten beiden Spieltagen 16-mal ins Dribbling. Das überboten lediglich Kanadas Alphonso Davies (18) und Tajon Buchanan (19). Sechsmal setzte sich Musiala dabei durch, erfolgreicher war nur Argentiniens Ángel Di María (7). Viermal und damit öfter als jeder andere wurde Musiala im Dribbling nur per Foul gestoppt.

Kein deutscher Spieler war an mehr Spielzügen beteiligt, die in einem Torschuss endeten, als Musiala (14, genau wie Serge Gnabry). Insgesamt überboten diesen Wert an den ersten beiden Spieltagen nur fünf Akteure: Brasiliens Vinicius Junior, Südkoreas In-Beom Hwang, Frankreichs Theo Hernández und Adrien Rabiot (alle 15) sowie deren Landsmann Kylian Mbappé (23).

"Wir haben nicht viele Spieler in unseren Reihen wie Jamal Musiala, die den Ball irgendwo auf dem Feld bekommen und Chancen kreieren können", erklärte Thomas Müller bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Und meinte wohl tatsächlich: keinen. Trainer Hansi Flick nannte Musiala einen "absolut exzellenten Spieler, der etwas Besonderes hat. Er kann viele Situationen gut lösen, Gegner ausspielen, Situationen kreieren."

Beim zweiten Gruppengegner Spanien wurde Musiala laut Bundesliga-Profi Dani Olmo schon im Vorfeld als Deutschlands "größte Gefahr" ausgemacht. Anschließend betonte Trainer Luis Enrique, dass er Musiala zwar ohnehin gut kenne: "Aber trotzdem hat er mich überrascht und beeindruckt. Er hat mir sehr gut gefallen. In seinem Stil gleicht er unseren jungen Spielern."

WM 2022: Beteiligungen an Angriffen mit Torschluss (Spieltage 1 und 2)

SpielerNationBeteiligungen an Angriffen mit TorschussTorschüsseTorschuss-VorlagenPässe im Vorfeld
Kylian MbappéFrankreich231355
Adrien RabiotFrankreich15528
Theo HernándezFrankreich15294
Vinicius JuniorBrasilien15564
In-Beom HwangSüdkorea15339
Jamal MusialaDeutschland14446
Serge GnabryDeutschand14824
Dani OlmoSpanien14635
Antoine GriezmannFrankreich14536

WM 2022: So schlagen sich Pedri, Gavi und Jude Bellingham

Das Aufeinandertreffen mit Spanien war für Musiala auch das persönliche Duell mit den hochgepriesenen Talenten Pedri (20) und Gavi (18) vom FC Barcelona. In den vergangenen beiden Jahren hatten sie sich den prestigeträchtigen Golden-Boy-Award der italienischen Tuttosport gesichert. Pedri und Gavi starteten mit sensationellen Leistungen beim 7:0-Sieg gegen Costa Rica in die WM, blieben gegen Deutschland aber beide etwas unauffälliger.

Auch der vierte berühmte Jungstar des Turniers baute nach einer Auftakt-Gala ab: Englands Jude Bellingham (19) bestätigte seine starke Leistung vom Iran-Spiel gegen die USA und Wales nicht. Abgesehen von diesem Quartett machten von den Toptalenten Argentiniens Enzo Fernandez (21) und Englands Bukayo Saka (21) mit Torerfolgen auf sich aufmerksam.

Seit der WM 2006 zeichnet die FIFA bei jedem Turnier offiziell den besten jungen Spieler im Alter von maximal 21 Jahren aus. Die bisherigen Preisträger sind Lukas Podolski, Thomas Müller, Paul Pogba und Kylian Mbappé. Stand jetzt dürfte Musiala durchaus Chancen haben, der dritte Deutsche in diesem illustren Kreis zu werden.

Um diese Chancen aufrechtzuerhalten, sollte er mit dem DFB-Team aber tunlichst die K.o.-Runde erreichen. Für einen Achtelfinaleinzug muss Deutschland am Donnerstag (20 Uhr im LIVETICKER) gegen Costa Rica gewinnen und gleichzeitig auf spanische Schützenhilfe gegen Japan hoffen.

Jamal Musialas wichtige Rolle im deutschen Abwehrverhalten

Gegen Costa Rica könnte Musiala nach zwei Einsätzen als linker Flügelspieler erstmals in seiner Paraderolle als Spielmacher beginnen, bisher blockierten diese Planstelle in Flicks 4-2-3-1-System Thomas Müller und Ilkay Gündogan. Lediglich nach Gündogans Auswechslung gegen Spanien rückte Musiala für die letzten 20 Minuten ins Zentrum, was in der größten Druckphase Deutschlands und Füllkrugs Ausgleichstor resultierte.

Es war ein Bewerbungsschreiben für einen Startplatz auf der Zehn, zumal der nominelle Linksaußen Leroy Sané nach überstandenen Knieproblemen wieder fit ist. Gerade gegen Costa Ricas vermutlich engmaschige, tiefstehende Defensive dürften Musialas flinke Dribblings und überraschende Pässe dem deutschen Spiel aus dem Zentrum noch mehr nutzen als auf dem Flügel - und wohl auch seine zahlreichen Ballgewinne. Sie sind eine große Stärke in Musialas Spiel, die ob der gefeierten Dribblings gerne etwas untergeht.

Musiala bestritt an den ersten beiden Spieltagen 36 Zweikämpfe, die zweitmeisten nach Polens Robert Lewandowski (41). Seine insgesamt zwölf Ballgewinne sind genauso deutscher Bestwert wie seine drei im Angriffsdrittel. Das macht Musiala zu einem entscheidenden Baustein in Deutschlands aggressivem Abwehrverhalten: Keine Mannschaft verzeichnete an den ersten beiden Spieltagen mehr Ballgewinne im Angriffsdrittel als das DFB-Team (16). Musiala überzeugte also schon als Kreierer und Eroberer, jetzt gilt es nur noch als Torschütze in Erscheinung zu treten.

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