Fussball

Antoine Griezmanns Startschwierigkeiten beim FC Barcelona: Abwarten und Mate trinken

Antoine Griezmann spielt seit dieser Saison beim FC Barcelona.

Nach langem Hin und Her erzwang Antoine Griezmann vor der Saison seinen Wechsel von Atletico Madrid zum FC Barcelona. Bei seinem neuen Arbeitgeber hinkt der 135-Millionen-Mann bisher aber den Erwartungen her - aus mehreren Gründen.

Vor nicht allzu langer Zeit wäre Antoine Griezmann im Eins-gegen-eins mit dem gegnerischen Torwart cool geblieben, hätte ihn wohl entweder in weltmeisterlicher Manier getunnelt oder mit einem frechen Heber düpiert.

Beim 4:1-Sieg des FC Barcelona am vergangenen Wochenende gegen Celta Vigo aber vergab Griezmann nach einer mustergültigen Vorlage von Lionel Messi eine dieser Großchancen, die ein Stürmer seines Formats eigentlich nicht vergibt: Aus zehn Metern schoss der etwas zu zögerlich wirkende Griezmann den herauseilenden Celta-Keeper Ruben Blanco an. Eckball. Ernüchterung. Bei allen Barca-Spielern. Am meisten bei Griezmann selbst, aber auch bei Messi, der sich die Haare raufte.

Dem dreifachen Torschützen war anzusehen, dass er seinem Sturmpartner zu gerne zu einem Erfolgserlebnis verholfen hätte. Griezmann selbst kommt seit seiner Ankunft im Camp Nou nämlich kaum in Tritt - und so mancher in Barcelona schiebt das ausgerechnet auf ihn, auf Messi.

Griezmann und Messi "sprechen eher weniger"

Eine Wiedervereinigung mit seinem alten Zauberlehrling Neymar wäre dem sechsmaligen Weltfußballer lieber gewesen als die Verpflichtung des französischen Angreifers, schrieben schon nach der Schließung des Transferfensters Anfang September mehrere Gazetten, und Griezmann befeuerte diese Debatte wenige Wochen später selbst, indem er in einem Interview angab, "eher weniger" mit Messi zu sprechen.

"Wir sind beide nun einmal ruhigere Typen", begründete der mit diversen Nachzahlungen insgesamt 135 Millionen Euro teure Neuankömmling diese Aussage, gelobte aber zugleich Besserung in Bezug auf sein Sozialverhalten. Er werde noch den einen oder anderen Mate, den beliebten Tee aus Argentinien, mit Messi trinken und dann "werden wir uns mit der Zeit schon aneinander gewöhnen".

Meist bleibt Griezmann nur der linke Flügel

Griezmanns wahres Problem bei Barca ist aber nicht sein Hang zur Schüchternheit. Es liegt auf dem Platz und hat mit seiner Position zu tun. Als Angreifer, der am liebsten durch die Mitte kommt, muss er im seit der Ära Pep Guardiola bewährten 4-3-3 der Katalanen überwiegend auf dem linken Flügel spielen.

Das dürfte sich kaum ändern, solange Luis Suarez noch das blaurote Trikot trägt. Der Uruguayer ist im Sturmzentrum gesetzt, rochiert aber auch oft mit seinem Kumpel Messi. "La Pulga" hat nach wie vor keine feste Position. Er ist das Gehirn und der Freigeist der Mannschaft, der sich mal auf den rechten Flügel oder eine der offensiven Achter-Positionen fallen lässt, wenn er nicht auf der Suarez-Position auftaucht.

Ist Griezmann bei Barca überflüssig?

Eine ähnliche Rolle nahm Griezmann auch lange unter Diego Simeone bei Atletico ein. Jetzt muss er sich neu erfinden - oder anders ausgedrückt: wieder der Alte werden, der er einst bei Real Sociedad war. Damals im Team der Basken spielte der junge Griezmann auch auf dem linken Flügel, schaffte dank seines Tempos und seines Trickreichtums als frecher Dribbler den Durchbruch im spanischen Spitzenfußball.

Ob er sich und sein Spiel mit 28 Jahren noch einmal verändern und neben dem sich nahezu blind verstehenden Duo Messi-Suarez seinen Platz finden kann, ist die große Frage, die sich in Barcelona viele stellen. Goal-Korrespondent Ignasi Oliva, der Barca täglich begleitet, äußert Zweifel.

"Griezmann arbeitete vom ersten Tag an fleißig und demütig. Es stimmt auch nicht, dass er und Messi ein Problem miteinander haben. Er ist ein Topspieler, der einen starken Charakter besitzt und die kollektiven Interessen über die persönlichen stellt. Man gewinnt aber immer mehr den Eindruck, dass der Klub einen Spieler verpflichtet hat, den er gar nicht benötigt", sagt Oliva.

"Alarmierend": Griezmann ohne Bindung zum Spiel

Tatsächlich bieten sich Barca-Trainer Ernesto Valverde mit dem 16-jährigen Shootingstar Ansu Fati und dem Ex-Dortmunder Ousmane Dembele adäquatere Optionen für die linke Außenbahn. Beide ähneln fast schon dem jungen Griezmann, sie sind schnell und stark im Dribbling. Deshalb wurde Griezmann selbst zuletzt auch häufiger ausgewechselt, beim 4:0-Heimsieg gegen den FC Sevilla schmorte er sogar 90 Minuten lang auf der Bank. "Wir müssen ihm die nötige Zeit geben, sich zu integrieren", pflegt Valverde seit Wochen zu sagen.

In den vergangenen acht Spielen traf der Königstransfer nur einmal. Da die nimmersatten Messi und Suarez aber ohnehin für genügend Tore sorgen, ist es mehr die fehlende Bindung zum Spiel, die bei Griezmann zu denken gibt. Bis zu seiner Auswechslung in der 73. Minute gab er beim jüngsten Duell mit Celta nur alle dreieinhalb Minuten einen Pass ab, 21 waren es insgesamt. "Alarmierend" nannte die katalanische Sportzeitung Mundo Deportivo daraufhin das Gesamtbild von Griezmann.

Vergleiche mit Transfer-Flop Coutinho

Die ersten Gazetten beginnen sogar schon, Parallelen zu Philippe Coutinho zu ziehen. Der Brasilianer, seinerzeit für eine ähnlich exorbitante Summe verpflichtet, verkam bei Barca zu einem Fremdkörper und verließ den Klub nach nur eineinhalb Jahren in Richtung FC Bayern.

Wird Griezmann ein weiterer sündhaft teurer Flop? "Diese Frage wird sich erst in seiner zweiten Saison beantworten", meint Damia Lopez, Barca-Experte beim katalanischen Radiosender RAC1, im Gespräch mit SPOX und Goal. Griezmann komme im Vergleich mit Coutinho zugute, dass er die spanische Liga kenne, weniger verletzungsanfällig sei und dank seines Ex-Trainers Simeone eine sehr hohe Laufbereitschaft an den Tag lege.

Mitspieler Lenglet: "Jeder weiß, was Griezmann kann"

Dennoch: "Die Fans erwarten, dass er seinem Ruf als einer der besten Spieler der Welt gerecht wird und die von Neymar hinterlassene Lücke füllt." Anderenfalls dürfte auch im kommenden Sommer über ein Comeback des Brasilianers diskutiert werden. Bis dahin bieten sich Griezmann aber genügend Möglichkeiten.

Allein das Programm bis Heiligabend hat es in sich: Barca trifft unter anderem auf den BVB, Atletico, Inter und Real. "Antoine ist ein herausragender Spieler, jeder weiß, was er kann", verteidigt ihn sein Landsmann Clement Lenglet. "Wir müssen geduldig mit ihm sein." Oder mit den Worten von Griezmann: Abwarten und Mate trinken.

Barcas Programm bis Weihnachten

DatumUhrzeitWettbewerbGegner
23. November13 UhrPrimera DivisionCD Leganes (A)
27. November21 UhrChampions LeagueBorussia Dortmund (H)
1. Dezember21 UhrPrimera DivisionAtletico Madrid (A)
7. Dezember21 UhrPrimera DivisionRCD Mallorca (H)
10. Dezember21 UhrChampions LeagueInter Mailand (A)
14. Dezember16 UhrPrimera DivisonReal Sociedad (A)
18. Dezember20 UhrPrimera DivisionReal Madrid (H)
21. Dezember16 UhrPrimera DivisionCD Alaves (H)
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