FC-Bayern-Transferziel Federico Chiesa vom AC Florenz im Porträt: Hauptsache nicht Juventus

Federico Chiesa vom AC Florenz soll das Interesse des FC Bayern auf sich gezogen haben.
© getty

Der FC Bayern München soll ein Angebot über 70 Millionen Euro für Federico Chiesa abgegeben haben. Der 21-Jährige hat beim AC Florenz einen steilen Aufstieg hingelegt - und bewies damit einst prophetische Fähigkeiten.

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Läuft man heutzutage durch Florenz und hat ein Auge für Details, kann man hier und da einen jubelnden Mann an den Wänden der Innenstadt entdecken. Dieser Mann hört auf den Namen Gabriel Batistuta, erzielte einst 203 Tore für den ortsansässigen Fußballverein und geriet genau deshalb zu einem beliebten Motiv für Streetart-Künstler.

Als Batistuta die Fiorentina im Jahr 2000 verließ, waren die Tifosi ähnlich traurig wie jene in Neapel beim Abgang von Diego Maradona ein paar Jährchen zuvor. Doch der AC bewies damals ein gutes Händchen: Im Jahr eins nach Batistuta traf der Ersatzmann des Argentiniers 22 Mal in 30 Partien. So gelang es Enrico Chiesa überraschend schnell, die Tränen über den Verlust des toskanischen Fußballgottes zu trocknen.

Das schien selbst für Chiesas Sohn Federico überraschend zu kommen. In einem Fernseh-Interview nämlich wurde Chiesa junior auf dem Arm des Vaters hockend gefragt, wer dann nun nach Batistuta die Tore für Florenz schießen würde. "Toldo" sagte der Filius, ehe der Papa aufklärte, dass dies doch der Torhüter sei. Das brachte Federico ins Grübeln, doch nach kurzem Zögern hatte er die Antwort parat: "Ich", sagte der Kleine und zeigte mit dem Finger auf sich.

Chiesa kam mit zehn zum AC Florenz

Für den Moment lag Federico falsch, denn es war eben sein Vater, dem schließlich 45 Buden in 87 Pflichtspielen für die Viola gelingen sollten. Seit 2016 jedoch ist seine Prognose korrekt und wirkt jetzt im Nachhinein beinahe erschreckend prophetisch.

Federico Chiesa debütierte im August 2016 für den AC, dem er sich im Alter von zehn Jahren angeschlossen hatte. Allerdings nicht auf Drängen seines Vaters, wie Kurt Hamrin, ebenfalls eine Fiorentina-Legende, weiß. Der Schwede trainierte Chiesa junior bei dessen erstem Verein US Settignanese im Osten von Florenz.

"Ich sprach mit Chiesa häufig über Fußball, aber nie über seinen Sohn", sagte Hamrin. Vielmehr schien es das Ziel von Enrico zu sein, dem Filius eine anständige Ausbildung zu bieten, sollte es mit der Fußballkarriere nicht klappen. Federico studierte Englisch an der American International School of Florence und schrieb sich später noch für Chemie-Kurse ein.

Chiesa revanchiert sich an Florenz-Rivale Juventus

Wörterbuch und Reagenzglas kann Chiesa junior allerdings seit längerer Zeit zur Seite stellen. Der Ex-Dortmunder Paulo Sousa war es, der Chiesa zum ersten Mal in der Serie A spielen ließ - ausgerechnet beim verhassten Dauer-Rivalen Juventus. Chiesa, in jenem Sommer erstmals mit einem Profivertrag ausgestattet, musste damals zur Pause wieder runter. Er hinterließ aber Eindruck und avancierte ruckzuck zum Publikumsliebling.

Auch das hatte mit Juve zu tun, denn im Heimspiel fünf Monate später nahm Chiesa Revanche für die Pleite in der Hinrunde. Florenz gewann 2:1, Chiesa spielte groß auf und erzielte das Siegtor - auch wenn der Treffer am Ende Milan Badelj zugesprochen wurde, weil nicht aufzulösen war, ob Chiesa die Kugel noch berührte. Ohne Chiesas Lauf und eventuelle Ballberührung wäre Keeper Gianluigi Buffon jedoch niemals auf dem falschen Fuß erwischt worden.

Seit jenem Tag im Januar 2017 strotzt der heute 21-Jährige nur noch so vor Selbstvertrauen und legte besonders als rechter offensiver Flügelspieler einen steilen Aufstieg hin. Vor einem Jahr debütierte er auch in Italiens Nationalelf.

Federico Chiesa im Steckbrief

geboren25. Oktober 1997 in Genua
Größe1,80 m
Gewicht70 kg
PositionRechtsaußen, rechtes Mittelfeld, Linksaußen
starker Fußrechts
Stationen

US Settignanese

FC Bayern und Liverpool an Chiesa interessiert

Was Chiesa in erster Linie so wertvoll macht, ist seine Vielseitigkeit: Der 1,80 Meter-Mann kann auf beiden Flügeln spielen, agierte auch schon etwas zurückgezogener oder gar als Spitze. Sein Spielstil ist dabei geprägt von großer Energie und Dynamik, ein geringer Körperschwerpunkt und seine Schnelligkeit unterstützen die Drehungen und Wendungen in Eins-gegen-eins-Duellen. Er ist dadurch eher der Mann für den letzten Pass, wird aber auch selbst torgefährlich: In 107 Pflichtspielen für Florenz war er an 42 Buden direkt beteiligt (22 Treffer, 20 Vorlagen).

Kein Wunder also, dass Chiesas Entwicklung von zahlreichen europäischen Top-Klubs seit längerem beäugt wird. Darunter laut Gazzetta dello Sport zum Beispiel der FC Liverpool, Informationen des Corriere dello Sport soll nun der FC Bayern München ein erstes Angebot über 70 Millionen Euro hinterlegt haben.

Finanzielle Dimensionen, die die ebenfalls interessierten Juventus, Inter und AC Milan angeblich (noch) abschrecken. Möglicherweise ist die Bayern-Offerte also ein aus Florenz gestreutes Gerücht, um den Preis für Chiesa in die Höhe zu treiben.

Chiesa wird kein zweiter Totti

Doch angesichts des angekündigten Kaderumbruchs beim deutschen Rekordmeister und den durch die bevorstehenden Abgänge von Franck Ribery und Arjen Robben vakanten Stellen auf den offensiven Außen wäre Chiesa ein geeigneter Kandidat, um dort nachzulegen und den internen Konkurrenzkampf weiter anzuheizen.

Bislang jedoch schwor Chiesa der Viola die Treue. Bis 2022 ist er an den Klub gebunden. Die Verantwortlichen in Florenz wissen allerdings genauso gut wie die Fans, dass Chiesas Qualität zu groß ist, um ein zweiter Francesco Totti zu werden und auf ewig bei seinem Klub zu bleiben.

Vielmehr geht es einzig um den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel - und darum, ordentlich Geld mit dem Favoriten der Tifosi zu machen. Hauptsache nicht zu Juventus, sagen sie sich in Florenz schon seit einiger Zeit.

Federico Chiesa: Leistungsdaten in Pflichtspielen in Florenz

PflichtspieleToreVorlagenGelbe KartenGelb-Rote KartenRote Karten
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