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Fussball

Steven Gerrard mit den Glasgow Rangers vor dem Meistertitel: Siegen für die Heimkehr

Jürgen KLopp, Steve Gerrard

Trainer Steven Gerrard (40) steht mit den Glasgow Rangers kurz vor dem Gewinn des schottischen Meistertitels - und macht sich damit für seinen Ex-Klub FC Liverpool immer interessanter.

Am Montagmittag endete Frank Lampards Traum, seinen Herzensklub trainieren zu dürfen. 18 Monate lang kümmerte er sich um die Mannschaft des FC Chelsea, ehe er nach einer sportlichen Talfahrt entlassen wurde. "Ich bin bitter enttäuscht für Frank. Er ist ein Freund von mir und jemand, den ich sehr respektiere", sagte Steven Gerrard.

Jahrelang waren Lampard und Gerrard Kollegen und Rivalen in der englischen Nationalmannschaft sowie die prägendsten Spieler ihrer Klubs: Lampard bei Chelsea, Gerrard bei Liverpool. Anschließend begannen sie ihre Trainerkarrieren - vermutlich mit der Intention, irgendwann zu ihren ehemaligen Arbeitgebern heimzukehren. Während Lampards Traum nun vorbei ist, arbeitet Gerrard noch an der Erfüllung.

"Würde ich eines Tages gerne Trainer von Liverpool sein? Ist das ein Traum? Ja, natürlich. Der Klub bedeutet mir alles", sagte er neulich bei The Athletic. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere bei LA Galaxy hatte Gerrard 2017 zunächst Liverpools U18 übernommen, ehe er ein Jahr später bei den Glasgow Rangers seinen ersten Cheftrainerposten im Erwachsenenbereich antrat.

In seiner nun dritten Saison steht Gerrard dicht vor seinem ersten Meistertitel. Der Vorsprung auf Verfolger, Lokalrivale und Serienmeister Celtic beträgt bei drei mehr ausgetragenen Spielen schier unglaubliche 23 Punkte. Genauso unglaublich erscheinen die Zahlen hinter den Zahlen: Das Torverhältnis der in der Meisterschaft noch ungeschlagenen Rangers lautet 65:7.

Rangers und Liverpool umwehte die gleiche Grundstimmung

Bei Gerrards Dienstantritt umwehte die Rangers die gleiche Grundstimmung, die er bereits bestens aus Liverpool kannte: Das Selbstverständnis als wichtigster Klub des Landes gepaart mit einer jahrelangen Titeldürre. In seinen 17 Jahren als Liverpool-Spieler hatte Gerrard keinen einzigen Meistertitel gewonnen, die Rangers warten seit 2011 auf einen Triumph. Nach einer Insolvenz wurde der Klub zwischenzeitlich sogar in die vierte Liga zwangsrelegiert. 2016 gelang zwar die Rückkehr in die Erstklassigkeit, der Rückstand auf Celtic war dort seitdem aber stets groß.

Daran änderte sich auch in Gerrards ersten beiden Spielzeiten nichts, stattdessen leistete er Aufbauarbeit in allen Bereichen. "Bei unserer Amtsübernahme mussten viele Dinge geändert werden: Am Trainingsgelände, dem Stadion, beim Personal, bei der Mannschaft", erinnerte sich Gerrard, der als Co-Trainer seinen einstigen schottischen Liverpool-Kollegen Gary McAllister mitbrachte. "An den Kabinen wurde seit Jahren nichts gemacht und die Spieler begannen, das zu registrieren. Es war wichtig, den Spielern so viele Ausreden wie nur irgendwie möglich wegzunehmen."

Rangers unter Gerrard: Routiniers und Talente

Im damaligen Kader standen mit Stürmer Alfredo Morelos (heute 24) und Rechtsverteidiger James Tavernier (29) bereits zwei Stammspieler der aktuellen Mannschaft, die restlichen kaufte sich Gerrard nach und nach zusammen. Auf dem Transfermarkt probierte er vieles: In seinen ersten beiden Saisons kamen und gingen jeweils übers 20 Spieler (inklusive Leihen), in der aktuellen immerhin noch über zehn.

Mittlerweile hat Gerrard aber ein funktionierendes Gebilde gefunden: Routiniers wie Keeper Allan McGregor (38) und Mittelfeldspieler Steven Davis (36) werden ergänzt durch spannende Talente wie Spielmacher Ianis Hagi (22), der bei der U21-EM 2019 mit Rumänien auf sich aufmerksam machte, und Linksaußen Ryan Kent (24), den Gerrard noch aus gemeinsamen Liverpool-Zeiten kennt. In der Innenverteidigung kommt der langjährige Bundesligaspieler Leon Balogun (32) regelmäßig zum Einsatz.

Rangers: Topscorer ist der Rechtsverteidiger

Während Lampard bei Chelsea auch an seinem zwischenmenschlichen Umgang mit den Spielern gescheitert sein soll, kommt Gerrards Art bei den Rangers offenbar gut an. "Die Spieler würden für ihn durch Wände laufen", sagt Danny Grant vom Rangers-Blog Ibrox Noise zu SPOX und Goal. In seiner Ansprache orientiert sich Gerrard an zwei langjährigen Liverpool-Trainern: "Ich sage meinen Spielern das, was ich von Gerard Houllier oder Rafa Benitez gesagt bekommen habe. Einige Trainer verkomplizieren die Dinge. Ich sage ganz klar, was ich erwarte."

Taktisch vertraut Gerrard stets auf ein 4-3-3-System. "Er liebt flüssigen Fußball mit vielen Pässen und legt als ehemaliger Mittelfeldspieler großen Wert auf eine gut funktionierende Zentrale", sagt Grant. Wer diese Zentrale besetzt, ist aber letztlich zweitrangig. "Die sechs Offensivspieler und die beiden Außenverteidiger sollen immer angreifen und dabei nicht auf eine Position fixiert sein. Sie tauschen ihre Plätze permanent."

Größter Profiteur dieser Herangehensweise ist Rechtsverteidiger, dienstältester Spieler und Kapitän Tavernier, der mit wettbewerbsübergreifend 17 Treffern und 15 Assists der mit Abstand torgefährlichste Spieler der Mannschaft ist.

Gerrards und Klopps Verträge enden 2024

Benfica Lissabons Trainer Jorge Jesus erinnerte die Spielweise der Rangers beim direkten Duell im Herbst in der Europa League, wo Gerrards Mannschaft als Gruppensieger weiterkam und nun auf Royal Antwerpen trifft, an den Herzensklub ihres Trainers: "Das System ist ähnlich zu dem von Liverpool, nur die Spieler sind andere."

Überraschend sind die Ähnlichkeiten zu Liverpool nicht, Gerrard steht schließlich in permanentem Kontakt mit Jürgen Klopp, der Liverpools Meistertitel-Durststrecke im vergangenen Sommer beendet hat. "Wenn ich ihn anrufe und frage, was er über dies oder das denkt, dann bekomme ich immer eine ehrliche Antwort", erzählte Gerrard bei The Athletic.

"Ich helfe ihm, wann immer ich kann", erwiderte Klopp kürzlich und ergänzte: "Wenn man mich fragt, wer mein Nachfolger sein soll, würde ich Stevie sagen." Genau wie Gerrards aktueller Vertrag läuft auch Klopps 2024 aus.

Die aktuelle Tabelle der schottischen Liga

PlatzKlubSpieleTorverhältnisPunkte
255869
223046
23742
24940
23132
24-1028
23-424
21-823
24-1123
25-3020
23-1619
23-2619
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