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Fussball

Das Comeback von Julen Lopetegui bei Bayern-Gegner Sevilla: Jetzt lacht die Lachnummer

Erst das unrühmliche Aus als spanischer Nationaltrainer, dann die Entlassung bei Real Madrid nach nur 14 Spielen: Nach seinem Katastrophenjahr 2018 galt Julen Lopetegui als ausgebrannt und nicht mehr vermittelbar. Einer aber glaubte in Spanien noch an ihn - und wurde dafür belohnt. Der Supercup zwischen den Bayern und Sevilla heute ab 21 Uhr live auf DAZN!

Eine bereits beendete Beziehung zu reaktiveren, ist in der Regel keine gute Idee. Ausnahmen bestätigten die Regel, dachte sich Ramon Rodriguez aber wohl, als er im Frühjahr 2019 zum FC Sevilla zurückkehrte. Monchi, wie er genannt wird, versprach den Skeptikern unter den Fans der Andalusier, ungeachtet seiner weniger erfolgreichen Zeit bei der AS Rom an seine vergangenen Erfolge in Sevilla anzuknüpfen.

Gesagt, getan. Anders als in der ewigen Stadt traf Sevillas neuer alter Sportdirektor die richtigen Entscheidungen, um seiner Mannschaft keine eineinhalb Jahre später nach vier Jahren wieder zum Gewinn der Europa League zu verhelfen; zwischen 2014 und 2016 hatte Sevilla den Wettbewerb ja dreimal hintereinander gewonnen.

Seine wichtigste Entscheidung neben den Verpflichtungen von Spielern wie Lucas Ocampos, Luuk de Jong, Diego Carlos, Jules Kounde oder Sergio Reguilon war die Ernennung Julen Lopeteguis zum Trainer.

Julen Lopetegui war von Real Madrid gedemütigt worden

Es war ein mutiger Schachzug, Lopetegui zur Saison 2019/20 als Nachfolger von Pablo Machin zu präsentieren. Nicht wegen Machin, sondern weil es sich um Lopetegui handelte. Einen Trainer, den viele Fußballfachkundige in Spanien nach dem 29. Oktober 2018 für ausgebrannt und innerhalb der Primera Division nicht mehr für vermittelbar hielten.

Lopetegui war damals nach nur 14 Spielen bei Real Madrid auf demütigende Art und Weise entlassen worden. Ein 1:5 im Clasico gegen den FC Barcelona besiegelte sein Aus. Noch schlimmer als jene Niederlage war aber das offizielle Kommunique, in dem die Königlichen ihre Entscheidung begründeten: Lopetegui sei nicht mehr zu halten, da "ein großes Missverhältnis zwischen der individuellen Qualität der Mannschaft, von der erstmals in der Vereinsgeschichte acht Spieler für den Ballon d'Or nominiert sind, und den bisherigen Ergebnissen" herrsche. Ein Schlag ins Gesicht für den Übungsleiter, der wenige Monate zuvor unmittelbar vor WM-Beginn seinen Posten als Nationaltrainer alles andere als freiwillig hatte opfern müssen, um nach Madrid zu kommen.

Lopetegui: "Ich konnte tagelang nicht schlafen"

"Ich konnte tagelang nicht schlafen", berichtete Lopetegui 2019 über die "schwierigste Zeit" seiner Karriere, in der ihm der spanische Verband einen Strich durch die Rechnung machte, erst mit der "Seleccion" die WM in Russland zu bestreiten und anschließend als Vereinstrainer beim damaligen Champions-League-Sieger durchzustarten. "Es ist unglücklich gelaufen. Alles."

Seine Reputation war vom 29. Oktober 2018 an so beschädigt, dass viele Vereine Zweifel hatten, ihn unter Vertrag zu nehmen. Er war zwischenzeitlich als Nationaltrainer in Ecuador und Mexiko im Gespräch, lehnte aber in der Hoffnung ab, noch einmal bei einem großen Verein in Europa arbeiten zu können. Er selbst nannte die Premier League im Gespräch mit der BBC als "interessantes Ziel", sagte aber auch: "Ich kann mir weiterhin vorstellen, in Spanien zu arbeiten."

Monchi erfüllte ihm diesen Wunsch und brachte die vermeintliche Lachnummer der Nation nach Sevilla. Der Rest ist Geschichte. Als Lopetegui nach dem 3:2-Sieg gegen Inter Mailand am 20. August 2020 die Europa-League-Trophäe in den Kölner Nachthimmel reckte, kamen ihm die Tränen. "Am Ende", sagte er nach der Siegerehrung, "gibt einem der Fußball alles zurück, wenn man hart arbeitet".

Lopetegui über den FC Bayern: "Die beste Mannschaft der Welt"

Im Gegensatz zu seiner Zeit bei Reals Starensemble gelang es ihm in Sevilla, seine Mannschaft hinter sich zu bringen und ihr seine Spielidee einzuverleiben. Der 54-Jährige gilt als Liebhaber des gepflegten Ballbesitzfußballes, aber ebenso als energischer Antreiber, der auf mutiges Pressing setzt.

Diesen Fußball wollte er auch den jahrelang auf Konter- und Umschaltfußball eingestellten Madrilenen einverleiben, doch es hakte an der Geduld der Verantwortlichen, diesen Prozess zu vollziehen, zumal Lopetegui just nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo bei Real ankam und eine Offensive ohne Anführer vorfand. "Wir hatten nicht die nötige Torgefahr", gestand er sich nach seinem Aus ein.

In Sevilla wird das Toreschießen auf mehrere Schultern verteilt. Erfolgreichster Schütze in der Liga war Rechtsaußen Ocampos mit 14 Treffern. "Unsere Stärke ist das Kollektiv. Wir machen als Mannschaft den Unterschied", sagt Mittelfeldspieler Oliver Torres im Gespräch mit SPOX und Goal.

Ob ein gutes Kollektiv reicht, um dem FC Bayern den Gewinn des Supercups streitig zu machen? "Sie sind die beste Mannschaft der Welt", sagte Lopetegui vor der Abreise nach Budapest über die Münchner, "aber wir werden ein unangenehmer Rivale sein, ganz sicher".

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