Wer wird FIFA-Präsident?

SID
Am Freitag gibt es einen Nachfolger für den scheidenden Sepp Blatter
© getty

Am Freitag ist es soweit: Der Nachfolger von Sepp Blatter wird in Zürich gewählt. Zur Auswahl für das höchste Amt des Weltfußballs stehen fünf Kandidaten. Doch die Entscheidung dürfte zwischen zwei Protagonisten fallen.

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Scheich Salman: Der große Favorit - mit dunklem Schatten

Auf der Zielgeraden des wochenlangen Wahlkampfes schaltete Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa noch ein letztes Mal in den Angriffsmodus. Eine "düstere Kampagne" seien die Berichte über seine angebliche Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen in seinem Heimatland Bahrain. "Ich verurteile jegliche Form von Menschenrechtsverletzungen", sagte er dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, "in welchem Land der Welt auch immer!"

Die Vorwürfe vor allem aus Europa hatten den 50-Jährigen während seines gesamten Ringens um Stimmen bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten am 26. Februar in Zürich begleitet - offenbar aber ohne (negative) Folgen. Bei der Suche nach einem Nachfolger für den für acht Jahre gesperrten Joseph S. Blatter läuft alles auf ein Duell mit UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino hinaus. FIFA-Insider sehen den Präsidenten des asiatischen Kontinental-Verbandes AFC dabei vorne, weil er auf die Unterstützung aus Asien und Afrika bauen darf.

Hochgerechnet wären das ohne Abweichler bereits 100 der 209 Stimmen für den Scheich, die absolute Mehrheit (über 50 Prozent) genügt ab dem zweiten Wahlgang zur Inthronisierung. Ob eine Wahl Salmans den krisengeplagten Weltverband allerdings nach vorne bringen könnte - Zweifel sind berechtigt. Der Scheich hat Blatter jahrelang hofiert.

Salman "eine Katastrophe"

"Es wäre eine Katastrophe, wenn Al Khalifa tatsächlich das Rennen machen würde", urteilte der frühere FIFA-Chefreformer Mark Pieth mit Blick auf die schweren Vorwürfe gegen Salman in der FAZ: "Wenn dieser Mann Präsident der FIFA wird, hat sie schlagartig ein viel größeres Problem als Korruption."

Dem Mitglied der königlichen Familie Bahrains sind derartige Vorwürfe allerdings egal, er beharrt darauf, die Lösung für sämtliche Probleme bei der FIFA zu sein. Das Nonplusultra, sozusagen. "Was mich antreibt", nennt Salman als Gründe für seine Kandidatur, "ist die Sorge, dass die FIFA manövrierunfähig wird."

Die Aussichten auf einen Erfolg sind jedenfalls glänzend, schließlich darf Salman IOC-Mitglied Scheich Ahmad Al-Sabah zu seinen Anhängern zählen. Der kuwaitische Strippenzieher hat mit seiner berüchtigten "Hinterzimmer-Politik" bereits IOC-Präsident Thomas Bach die nötigen Stimmen besorgt. Und sollte Salman die Wahl gewinnen, hat er auch ganz konkrete Pläne.

Gibt es einen Deal?

In Zürich werde er zur Umsetzung dieser "so oft wie nötig" sein. Einmal im Monat? Mehrere Wochen am Stück? Alles möglich. "Das operative Geschäft", sagt er jedenfalls, "würde ich vor allem den weiteren Direktoren und dem Generalsekretär überlassen." Und da kommt wieder Infantino ins Spiel.

Experten hatten immer wieder gemunkelt, dass vor allem Salman einen Deal einfädeln und UEFA-General Infantino zu seiner rechten Hand machen wolle. Sein Gegenspieler schloss das kategorisch aus - auch ein Grund, weshalb Salman noch einmal in die Offensive ging.