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Fussball

EM 2021 - Nach Aus gegen England: Dänemark zwischen Wut und Stolz

SID
Dänemark ist im EM-Halbfinale ausgeschieden.
© getty

Das dänische Fußball-Märchen endete jäh durch einen fragwürdigen Elfmeter. Die Wut über die spielentscheidende (Fehl-)Entscheidung überlagerte den Stolz auf die magischen EM-Wochen.

Das Kronprinzenpaar Frederik und Mary verneigte sich ganz tief vor dem "Europameister der Herzen", Ministerpräsidentin Mette Frederiksen kürte gar neue Nationalhelden - doch all das konnte die dänische Fußball-Nationalmannschaft nach dem Ende ihres EM-Märchens nicht ansatzweise trösten.

Wie hatte "Danish Dynamite" nach dem Drama um Christian Eriksen Fußball-Europa verzaubert, was waren das für magische Wochen? Doch nun fühlten sich die Dänen um ihren greifbaren Traum betrogen, der ebenso zweifelhafte wie spielentscheidende Elfmeterpfiff nagte.

"Ich habe keinen Elfmeter gesehen. In einem solchen Spiel so zu verlieren, ist einfach bitter", kritisierte Trainer Kasper Hjulmand: "Es fühlt sich nicht gerecht an. Das ist etwas, das mich wütend macht. Ich bin enttäuscht."

Martin Braithwaite musste sich nach dem 1:2 (1:1, 1:1) nach Verlängerung im Halbfinale gegen England zusammenreißen. Das Ganze sei "nicht ganz fair" abgelaufen, wetterte der Angreifer: "Aber ich muss vorsichtig sein, was ich sage."

Eine viel diskutierte Schlüsselszene

Die viel diskutierte Schlüsselszene spielte sich in der ersten Halbzeit der Verlängerung ab, als Raheem Sterling mit höchstem Tempo in den dänischen Strafraum zog und nach minimalem Kontakt zu Boden ging. "Es ist ganz klar, dass er sein Bein hängen lässt und hinfällt", monierte Hjulmand: "Ich kann nicht anders, als dieses Gefühl zu haben. Ich denke, das ist zu hart."

Harry Kane (104.) versenkte den Nachschuss nach dem äußerst fragwürdigen Strafstoß, den Kasper Schmeichel zunächst abgewehrt hatte. Bis dahin hatten die Dänen den spielerisch überlegenen Engländern im Wembley-Stadion mit aufopferungsvollem Kampf Paroli geboten.

Der Geniestreich per Freistoß von Mikkel Damsgaard (30.) nährte zwischenzeitlich die Hoffnung auf den zweiten Finaleinzug nach 1992. "Ich bin einfach super genervt und habe eine Leere in meinem Körper. Es ist eine verdammte Schande", sagte Damsgaard.

Hjulmand: "Mir fehlen die Worte"

Hjulmand stimmte derweil eine Lobeshymne auf sein Team an. "Mir fehlen die Worte, um zu sagen, wie sehr ich diesen Stab und diese Spieler bewundere. Wir haben so viel durchgemacht und haben trotzdem guten Fußball gespielt", schwärmte er: "Unsere Zukunft ist voller Hoffnung, diese Jungs sind unglaublich und die ganze Nation kann stolz auf sie sein." Und das war sie.

"Auch wenn die Party jetzt zu Ende ist, sind wir alle stolz auf die tolle Leistung, die wir gesehen haben. Danke, dass ihr mit eurem Herzen gekämpft und alles gegeben habt", schrieb das Kronprinzenpaar bei Instagram. Auch Frederiksen schwärmte: "Ihr habt ganz Dänemark um euch versammelt", schrieb die Ministerpräsidentin in den sozialen Netzwerken: "Außergewöhnliche Teamarbeit, wenn es wirklich darauf ankam. Selten waren wir stolzer!"

Auch von der heimischen Presse gab es für die Dänen, bei denen Kapitän Simon Kjaer ein Eigentor (39.) unterlief, keinerlei Kritik. "Mit Ehre und Würde gefallen", titelte Ekstra Bladet. Die Tageszeitung B.T. erkannte eine "heroische Leistung". Das spanische Blatt El Mundo Deportivo fällte aufgrund der Elfmeterentscheidung das Urteil: "Glück für England".

Der dänische Ärger über den Elfmeterpfiff wird irgendwann vergehen, doch die aufopferungsvollen, teils magischen Auftritte werden in den Herzen Europas haften bleiben. "Es war", brachte es Kjaer treffend auf den Punkt, "eine fantastische Reise."

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