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Fussball

Erdogan-Affäre: Özil, Löw, Bierhoff, Grindel - wie geht es weiter?

Die erste Aussprache im Mai: Löw, Özil, Grindel, Gündogan, Bierhoff (v.l.).
© getty

3. Mesut Özil

Özil hat seine Linie über acht Wochen konsequent durchgezogen. Dabei wurde er vom DFB zuerst geschützt, dann sogar unterstützt. Die Schonfrist ist jetzt vorbei.

Sollte er weiter schweigen, ist seine Nationalmannschaftskarriere höchstwahrscheinlich Vergangenheit. Der DFB könnte es ihm nicht mehr durchgehen lassen, und selbst wenn Löw einen internen Machtkampf gewinnen und ihn weiter nominieren sollte, würden in den Stadien in Deutschland Pfeifkonzerte auf ihn warten. Es wäre kein haltbarer Zustand.

Özil könnte sich für einen Mittelweg entscheiden. Er könnte aus der Nationalmannschaft zurücktreten, dabei auf Interviews verzichten und sich einem Statement für schöne Jahre in der DFB-Elf bedanken. Vielleicht würde er dadurch einen Teil der öffentlichen Sympathie zurückgewinnen. Danach könnte er sich auf Arsenal konzentrieren, vielleicht in ein paar Jahren auch in die Türkei wechseln und dort seine Karriere beenden. In Deutschland könnte in dieser Zeit Gras über die Sache wachsen.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass ihn das Foto und sein anschließendes Schweigen noch über viele Jahre verfolgen würde. Özil hätte einen Großteil der Sympathien in der Öffentlichkeit verspielt, er als Musterschüler der Integration hätte keinen Platz mehr beim DFB. Er, der zeit seines Lebens zwischen zwei Welten verbrachte, hätte sich für eine entschieden.

Kann ein Statement Özils alle zufriedenstellen?

Was ist, wenn er sich äußert? Einen Rücktritt soll er nicht anstreben, will der kicker erfahren haben. Nach Bild-Informationen ist ein Statement nicht ausgeschlossen.

Sollte Özil in Richtung DFB Gesprächsbereitschaft signalisieren, würden Löw, Bierhoff und Grindel mehrere Steine vom Herzen fallen. Ein Heer von PR-Beratern stünde bereit, um an einer passenden Erklärung zu schnitzen. Diese müsste eine Gratwanderung vollbringen: Özil einerseits in der deutschen Öffentlichkeit aus der Schusslinie nehmen, Erdogan und türkische Fans andererseits nicht vor den Kopf stoßen.

Beim DFB wäre man sicherlich mit wenig zufrieden, das beweist der Fall Gündogan. In der Türkei könnte man sicherlich damit leben, wenn eine konkrete Verurteilung Erdogans ausbleibt. Am schwersten dürfte es ihm fallen, die deutschen Fans noch einmal für sich zu gewinnen. Andererseits: Schlimmer kann es in dieser Hinsicht kaum noch werden.

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