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Fussball

Michael Köllner im Interview: "Die Meinung des Vereins entsprach nicht der meinen"

Michael Köllner ist 2018 mit dem 1. FC Nürnberg in die Bundesliga aufgestiegen.

Letztlich war der FCN in der entscheidenden Saisonphase gewissermaßen führungslos. Mittlerweile hat man einen Sportdirektor und Trainer gefunden, zudem will man einen technischen Direktor einstellen - das ist ein Umbruch auf allen Ebenen. Verhindert nicht aber gerade das die Kontinuität?

Köllner: Nachhaltig erfolgreiche Klubs verfolgen in der Regel, auch was die eigene Spielentwicklung angeht, sehr lange eine verlässliche Philosophie. Das wirkt sich nicht nur auf die Profimannschaft, sondern auch auf die Nachwuchsabteilung aus. Daher kann man natürlich darüber diskutieren, ob diese Hire-and-Fire-Politik in den Klubs zielführend ist - auch im Hinblick auf die Entwicklung von Talenten.

Wie hätte in Ihren Augen ein Szenario ausgesehen, damit Sie trotz der Sieglos-Serie im Amt geblieben wären?

Köllner: Das wäre reine Spekulation.

Hätte man aber nicht auch einfach mal azyklisch handeln können - oder ist das eben doch gänzlich unrealistisch?

Köllner: Man kann nach einem Aufstieg, der zudem ja doch sehr überraschend kam, nicht davon ausgehen, plötzlich Dauergast in der Bundesliga zu sein. Vielmehr muss man es schaffen, dass sich die Zyklen, in denen man sich in der 2. Liga und der Bundesliga aufhält, langfristig in Richtung der ersten Liga verschieben. Und ganz grundsätzlich: Als Trainer machst du ja keine Alleingänge. Es gibt ein Konzept, welches mit dem Verein und der sportlichen Leitung eng abgestimmt ist. Es wird jeden Tag diskutiert, justiert, hinterfragt. Für nahezu alle Bereiche werden Daten erhoben, nichts ist dem Zufall überlassen. Aber wenn der Klub in der Phase der Saison einen Paradigmenwechsel beschließt, ist das legitim. Die Meinung des Vereins entsprach nicht der meinen, daher ist es so gekommen, wie es gekommen ist. Damit muss man als Trainer leben.

Zumal, wie Sie bereits sagten, der Abstieg nicht besonders verwunderlich kam. Schließlich trat man mit einer Mannschaft an, die so gut wie keine Erfahrung in der Bundesliga mitbrachte.

Köllner: Genau. Bei unserem Aufstieg haben wir im gesamten Profibereich die zweitmeisten jungen Spieler eingesetzt. Dafür gab es sogar eine Prämie. Man muss den Spielern, die die Qualität mitgebracht haben, um aufzusteigen, auch eine Chance geben. Erst recht, wenn man keine finanziellen Mittel hat, um den Kader in Teilen zu verändern. Nach der Saison kann man dann die Leistung jedes Spielers beurteilen und entscheiden, wer für die weitere Mission in Frage kommt und wer nicht.

Hätte man diesen Fakt der Unerfahrenheit vor und auch während der Saison noch deutlicher nach außen kommunizieren müssen?

Köllner: Das haben wir getan, aber vielleicht hätten wir es noch stärker betonen müssen.

Lassen Sie uns in die Zukunft blicken: Es hat offenbar schon konkrete Angebote für Sie gegeben. Wie sind die denn Ihnen zugetragen worden? Sie hatten schließlich noch nie einen Berater.

Köllner: Das stimmt. Mir wurde nach meiner Beurlaubung nun aber Unterstützung und Hilfe in dieser Hinsicht angeboten.

Wieso hatten Sie bisher darauf verzichtet?

Köllner: Aufgrund dessen, dass ich noch nicht so lange Profi-Trainer bin, habe ich das zunächst nicht für notwendig gehalten. Doch mit der Zeit habe ich gemerkt, dass man für die Kontakte zu den Vereinen und die Vorbereitung von Gesprächsterminen diese Hilfe schon benötigt.

Wie viele Anrufe bekommt man denn unmittelbar danach, wenn man einen Verein verlassen muss?

Köllner: Es waren aufgrund meiner Berater-Situation keine hunderte. Der erste Reflex ist ja, sofort wieder auf den Platz zurück zu wollen, um allen zu zeigen, dass man der Beste ist. (lacht) Es gab Anfragen, bei denen ich sofort hätte übernehmen können. Ein Verband wollte mich beispielsweise als technischen Direktor haben. Da springt man gedanklich dann zumindest kurzzeitig auf ein paar Sachen an. Doch dann gehe ich entweder mit meiner Frau joggen oder schlafe eine Nacht darüber, um meine Gedanken vernünftig zu ordnen. Ich will die aktuelle Zeit einfach nutzen, um mich zu reflektieren und auch gewissermaßen neu aufzustellen.

Zuletzt kamen Gerüchte auf, wonach Sie bei Celtic Glasgow und Swansea City im Gespräch sein sollen. Ist denn die Lust, zum Saisonstart irgendwo einzusteigen, grundsätzlich wieder da?

Köllner: Absolut. Ich bin aber ehrlich gesagt auch wählerisch. Hauptsache ein Job - das gibt es bei mir nicht. Ich war nicht umsonst fast 13 Jahre beim DFB. Ich denke auch nicht in Ligen. Daher ist es mir überspitzt gesagt relativ egal, wo ich trainiere. Ich bin nicht auf Deutschland fixiert. Der Verein und die Aufgabe müssen passen. Das Land ist in dem Sinne nebensächlich.

Michael Köllner, neuer Cheftrainer bei Swansea City in der englischen Championship - das ließen Sie sich schon sagen, oder?

Köllner: Kein Kommentar. (lacht) Natürlich ist England derzeit das Maß aller Dinge und sehr interessant. Doch die neue Aufgabe muss sich mit meinen Werten decken, ob ich sie einbringen kann und ob man in der Spiel- und Kaderentwicklung gemeinsam etwas Nachhaltiges schaffen möchte. Dann wäre der Klub für mich interessant. Wenn so etwas auf mich zukommen sollte, mache ich es. Und wenn nicht, dann lohnt es sich, auf die passende Aufgabe zu warten.

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