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Formel 1

"Alonso beim Indy? Ich drücke die Daumen"

Norbert Haug war 22 Jahre als Motorsportchef bei Mercedes aktiv

Norbert Haug war über zwei Jahrzehnte Motorsportchef bei Mercedes. Im Interview spricht der heutige Motorsport-Experte der ARD unter anderem über Fernando Alonsos Indy-500-Ausflug, Probleme der Formel 1 und Nico Rosbergs Rücktritt. Außerdem erzählt Haug von der Umgewöhnung an sein jetziges Leben und den Weltmeistern um Michael Schumacher und Mika Häkkinen.

SPOX: Nach drei Rennen scheinen Mercedes und Ferrari in dieser Formel-1-Saison auf Augenhöhe zu sein, Sebastian Vettel führt zurzeit sogar die Weltmeisterschaft an. Ist er 2017 wieder titelreif?

Norbert Haug: Es sieht nach drei Rennen durchaus zufriedenstellend aus für Ferrari und Sebastian Vettel. Entscheidend wird nun sein, ob Ferrari oder Mercedes während der Saison besser, schneller und treffsicherer technische Weiterentwicklungen in bessere und konstantere Rundenzeiten umsetzen kann.

SPOX: In Bahrain griff Mercedes zur Teamorder und befahl Valtteri Bottas, Lewis Hamilton vorbeizulassen. Ein taktisches Mittel, das in den letzten Jahren strikt abgelehnt wurde. Ist der Finne damit schon jetzt die klare Nummer zwei im Team?

Haug: Dieser Eingriff war die einzige verbleibende Chance auf einen Rennsieg von Mercedes in Bahrain. Das würde jedes Team machen, das sich nicht selbst im Weg stehen will. Bottas hatte nicht den notwendigen Speed, was wohl an Reifentemperaturen und Reifenluftdrücken in der Rennvorbereitung lag, wie berichtet wurde. Wenn beide Teamkollegen die einzigen Rivalen für den Sieg sind, kann man sie es auf der Strecke ausfahren lassen. Und das hat Mercedes ja über Jahre bis zum Exzess praktiziert, was man aus sportlicher und Zuschauer-Sicht den Verantwortlichen hoch anrechnen muss.

SPOX: Fernando Alonso wirkt von Rennen zu Rennen frustrierter. Nun hat er angekündigt, beim Indy 500 zu fahren und den Monaco-GP dafür auszulassen. Können Sie seine Entscheidung nachvollziehen?

Haug: Meine Erfahrung ist, dass hausgemachte Baustellen nicht dadurch behoben werden, dass eine neue aufgemacht wird. Ohne Erfahrung ausgerechnet im Hochgeschwindigkeitsoval von Indianapolis zur Indycar-Premiere anzutreten, halte ich für eine suboptimale Idee. Im letzten Jahr hat dort ein Neuling gewonnen, vielleicht schafft das Alonso ja auch - aber ob er dann motivierter in die Formel 1 zurückkommen wird, um dort weiter hinterher zu fahren? Für Indy ist der Alonso-Start ein Coup, wer aber mit 35 ohne diesbezügliche Erfahrung zu seinem ersten Ovalrennen antritt, bei dem im Pulk stundenlang 380 km/h gefahren wird, hat auch in einem Siegerteam nicht unbedingt die besten und sichersten Voraussetzungen. Ich drücke ihm die Daumen.

SPOX: Sie haben bei McLaren mit Alonso zusammengearbeitet und kennen ihn entsprechend gut. Denken Sie, dass er die Flinte am Saisonende - oder sogar früher - ins Korn werfen könnte und seine Formel-1-Karriere beendet?

Haug: Das denke ich nicht. Alonso ist ein Racer durch und durch, war aber auch schon zum falschen Zeitpunkt beim falschen Team, wie jetzt bei McLaren Honda, wo er hinten fährt, während sein Ex-Team Ferrari siegt. Oder er hat selbst im Übereifer Fehler gemacht. Den WM-Titel 2007 bei McLaren Mercedes hätte er, wie man weiß, gewinnen können, was für ihn den Hattrick 2005/2006/2007 bedeutet hätte

SPOX: Der vermeintlichen Königsklasse des Motorsports laufen seit Jahren die Fans davon. Mit den diesjährigen Regeländerungen haben die Verantwortlichen versucht, dem entgegenzutreten. Was ist Ihrer Meinung nach das Problem der Formel 1?

Haug: Ich halte diese Aussage für zu pauschal und nicht für generell zutreffend. Es gibt durchaus auch volle Besucherränge und immer noch beeindruckende TV-Zahlen auf der ganzen Welt. Der Hype war früher, speziell in Deutschland, größer und die TV-Quoten höher. Da war Fußball noch nicht so dominierend, und das Kommunikationsverhalten nicht von Social Media und Internet dominiert. Die ersten Rennen der neuen Saison waren jedenfalls nicht schlecht, und ich bin sicher, dass ein Macher wie Ross Brawn die richtigen Stellschrauben finden wird, um spannende Rennen zu garantieren. Er muss gute Ideen allerdings auch durchsetzen können, und das ist das größere Problem. Ich nahm an Formel 1-Meetings teil, bei denen man sich noch nicht einmal auf den Termin für das nächste Meeting einigen konnte.

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