Basketball

Il tuttofare

Von Robert Heusel
Nicolo Melli ist einer der Bamberger Leistungsträger in der Euroleague
© getty

Nicolo Melli ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Brose Baskets Bamberg sich souverän für das Top 16 der Turkish Airlines Euroleague qualifiziert haben. Zum Auftakt der Zwischenrunde treffen die Franken auf niemand geringeren als Titelverteidiger Real Madrid (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER). Um in der spanischen Hauptstadt bestehen zu können, brauchen die Baskets wieder eine starke Leistung ihres Alleskönners Nicolo Melli.

Das war ein Statement. Am fünften Spieltag der Vorrunde führt Melli sein Team mit 26 Punkten, acht Rebounds, vier Assists und drei Steals quasi im Alleingang zum wichtigen Auswärtssieg in Sassari. Mit einem Effektivitätswert von 37 wird Melli unangefochtener MVP des Spieltags; später wird er sogar als bester Spieler des Monats November ausgezeichnet.

Dass der Italiener nach seiner ganz persönlichen Galavorstellung kein Wort über seine eigene Leistung verliert, zeigt seinen großen Ehrgeiz. "Der Sieg bedeutet alles, aber zugleich auch nichts. Wir müssen jetzt dranbleiben", analysiert Melli trocken.

Der 24-jährige ist in Bamberg gereift: sowohl menschlich als auch als Spieler auf dem Parkett. Melli hat sich zu einem kompletten Spieler entwickelt, der auf dem Parkett alle Aufgaben erledigen kann. Als entscheidenden Schritt für diese Entwicklung sieht Melli den Wechsel ins Ausland, raus aus der Komfortzone in Italien.

Lehrjahre in Mailand

"Meine Heimat nach fünf Jahren bei einem Klub zu verlassen, war keine leichte Entscheidung", sagt Melli in BIG. Dennoch scheint die Entscheidung richtig gewesen zu sein. Beim italienischen Traditionsverein Armani Mailand konnte der Junge aus Reggio Emilia reifen, sich an das europäische Topniveau gewöhnen.

Fünf Jahre spielte Melli in der Modemetropole, in jeder Saison war er auch in der Euroleague aktiv. 2014 gewann er mit der italienischen Meisterschaft seinen ersten großen Titel. Melli spielte gut, er erledigte seinen Job stets zu vollster Zufriedenheit. Aus dem Schatten von Stars wie Samardo Samuels oder Gani Lawal kam er aber nicht heraus.

"Ich glaube, es war an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen. Ich habe Mailand viel zu verdanken, doch ich will ein internationaler Spieler werden. Ich will mich auf höchstmöglichem Level durchsetzen", erklärt Melli seine Beweggründe für den Abschied aus Mailand.

Ein Wechsel innerhalb des Landes kam für den Nationalspieler nicht in Frage. "Wer in seinem eigenen Land spielt, weiß nie genau, ob die Vereine die inländischen Spieler verpflichten, weil sie gut sind oder weil sie die heimische Nationalität haben", so Melli. Der Schritt ins Ausland war somit die logische Konsequenz und als die Anfrage aus Bamberg kam musste Melli nicht lange überlegen.

Leistungsträger in Bamberg

Trainer Andrea Trinchieri gilt als großer Fürsprecher Mellis und wollte seinen Landsmann schon in den vergangenen Jahren für seine Teams verpflichten. "Dieses Jahr hat es endlich geklappt", freut sich Melli. "Es ehrt mich sehr, ein Teil der Vision von Andrea Trichieri und den Brose Baskets sein zu dürfen."

Anders als in Mailand betraut der Trainer seinen 205cm großen Schützling nicht ausschließlich mit Spezialaufgaben, sondern überträgt ihm an beiden Enden des Courts viel Verantwortung. Mit durchschnittlich 29 Minuten pro Spiel steht in der Euroleague kein anderer Bamberger Spieler länger auf dem Parkett als Melli.

Gruppencheck: Neu mischen, bitte?!

In der Bundesliga können die Einsatzzeiten besser dosiert werden, doch mit gut 24 Minuten im Schnitt ist Melli aus der Rotation nicht wegzudenken. Sowohl in der Euroleague als auch in der BBL zählt der Italiener zu den effektivsten Spielern seiner Mannschaft. Und das obwohl er sich nicht nur offensiv einbringen kann, sondern auch in der Defensive immer aufs neuste gefordert wird.

Il tuttofare - Der Alleskönner

"Er ist ein großartiger Verteidiger", lobte Bambergs Sportdirektor Daniele Baiesi bei Mellis Verpflichtung. Besonders die gute Beinarbeit des 24-Jährigen ragt heraus und ermöglicht Coach Trinchieri in der Verteidigung viele Möglichkeiten. Vor allem weil Bamberg sehr viel Small Ball spielt, sind mobile Bigmen wie Melli essentiell.

Die Schnelligkeit macht sich Melli nicht nur in der Verteidigungsarbeit zu Nutze, sondern setzt sie auch im Angriff effektiv ein. Durch sein für einen Zwei-Meter-mann außergewöhnlich gutes Ballhandling kann er an gleich großen, aber langsameren Gegenspielern oft vorbeiziehen. Reagiert der Gegner mit einem kleinen flinken Gegenspieler, kann Melli seine Länge ausnutzen und einfach über den Verteidiger hinwegwerfen.

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Nicht selten geht ein Raunen durch die Brose Arena, wenn die Distanzwürfe Mellis mit einer traumhaft hohen Flugkurve durch die Reuse sausen. Diese Fähigkeiten gepaart mit der Reboundstärke und dem guten Auge für den Mitspieler machen den Italiener bereits jetzt zu einem der komplettesten Bigmen Europas.

Die Reise ist noch nicht zu Ende

"Er hat noch Potential nach oben", so versucht Baiesi die Erwartungen nicht in den Himmel wachsen zu lassen. Dass Melli abhebt, müssen die Bamberger Verantwortlichen wohl nicht befürchten. "Ich will dem Team einfach nur helfen, Spiele zu gewinnen. Dabei erfülle ich jede Rolle, die der Coach von mir erwartet", gibt sich der Italiener gewohnt bodenständig.

Die Leistungen, die Melli in seinen ersten Monaten bei den Brose Baskets aufs Parkett gezaubert hat, dürften durchaus Interesse bei anderen Topteams in Europa geweckt haben. Gut nur, dass die Verantwortlichen um Manager Rolf Beyer schon vorgesorgt haben und ihren Alleskönner mit einem Zwei-Jahres-Vertrag ausgestattet haben. Vor Juni 2017 braucht wohl niemand überhaupt anzufragen.

Groß in die Zukunft zu blicken macht momentan sowieso keinen Sinn. Melli fühlt sich in Bamberg pudelwohl und fokussiert sich nur auf das Hier und Jetzt. "Für mich zählen nur die Siege", gibt Bambergs Nummer 4 die Marschroute vor. Und wer weiß, vielleicht klappt es mit einem Erfolgserlebnis gleich zum Auftakt des Top 16 gegen Real Madrid.

Nicolo Melli im Steckbrief

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