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Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 8 in der NFL

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© getty
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3. Rams verlieren erneut: Zu viele Baustellen

Das Duell zwischen den Rams und den 49ers in Woche 4 war eines dieser Spiele, das einem die Augen öffnet. An jenem Montagabend wurde für jeden offensichtlich, dass die Probleme in der Offensive Line der Rams nicht nur eine Momentaufnahme waren, sondern dass L.A. hier eine ernsthafte Großbaustelle hatte. Dass die Offense insgesamt weit weg von der Unit war, die in den vergangenen Playoffs geglänzt hatte, und dass es keine einfachen Reparaturmaßnahmen geben würde.

Bei 41 Prozent seiner Dropbacks stand Matt Stafford lauf PFF unter Druck, zum Vergleich: Im Super Bowl stand er bei 18,6 Prozent seiner Dropbacks unter Druck, im Championship Game gegen eben jene Niners bei 25 Prozent, selbst gegen die Blitz-lastigen Bucs lag seine Pressure-Rate bei unter 37 Prozent.

Woche 18 gegen - erneut - San Francisco war das letzte Mal in der vergangenen Saison, dass Stafford eine Pressure-Rate jenseits der 40 Prozent hatte. Doch legte er damals zum einen 147 Yards und zwei Touchdowns auf einer sauberen Pocket auf, und zum anderen warf er den Ball unter Druck immer noch im Schnitt 12,9 Yards tief, verzeichnete sieben Yards pro Pass und einen Touchdown, bei einer Interception.

Als es in Woche 4 dieser Saison erneut gegen jene Niners-Defense ging, sah das ganz anders aus. Stafford kam auf 4,7 Yards pro Pass unter Druck - bei einer durchschnittlichen Target-tiefe von 5,3 Yards. Nicht einmal die Hälfte von dem, was er im Regular-Season-Finale damals aufgelegt hatte. Es war ein Spiel, in dem offensichtlich wurde, dass die Rams im Spiel darauf reagieren mussten, dass sie deutlich gravierender unterlegen waren als sie das vorher mutmaßlich einkalkuliert hatten. 14 Pressures von Nick Bosa alleine können das bewirken.

Antworten oder Strohfeuer der Rams?

Mit der jüngsten Verletzung von Left Tackle Joe Noteboom wurde die Line nochmals zusätzlich geschwächt, immerhin Center Brian Allen ist mittlerweile wieder mit von der Partie.

Und das ist für mich das Kernthema, wenn wir darüber sprechen, ob die Rams in dieser Saison noch eine relevante (Playoff-)Rolle spielen können: Können sie ihre Line auf ein - für ihre Ansprüche - funktionales Level heben? Und können sie im Passspiel mehr Antworten finden, um hier ein Defizit, das Sean McVay bislang als Head Coach der Rams selten hatte, zu kompensieren?

Die Antwort gegen die Niners unter dem Strich lautete: Vereinzelt, ja. In der ersten Hälfte hatten die Rams mehr Zug im Spiel und variierten ihre Plays. Viele schnell designte schnelle Pässe nach außen, einige gute Screens auch als Drive-Starter, ein paar tiefere Shots via Play Action. L.A. fand einen Rhythmus - aber der stand noch immer auf wackeligen Füßen, der Spielraum für Fehler blieb klein und in der zweiten Hälfte wurde das gnadenlos aufgedeckt.

Die Rams hatten in der zweiten Halbzeit fünf Drives, keiner umfasste mehr als acht Plays oder mehr als 32 Yards und zwei der fünf Drives endeten maßgeblich aufgrund eines Sacks. Deshalb hatte ich die Rams auch nicht bei meinen Teams, die auf dem Trade-Markt aktiv werden sollten, mit aufgeführt: Die Baustellen sind in meinen Augen zu zahlreich. Offensive Line, Edge-Rush, Speed auf Receiver - L.A. hat selbst in einer verwundbaren NFC für mich zu viele Fragezeichen, zu wenig Tiefe und zu wenige tragende Säulen, um All-In zu gehen.

Niners: McCaffrey mit seiner ersten Show

San Francisco ist bereits All-In gegangen, mit einem Move, den Los Angeles auch gerne durchgeführt hätte: Der Trade für Christian McCaffrey war dementsprechend unweigerlich ein großes Thema vor dieser Partie, und als hätte Kyle Shanahan seinem Gegenüber Sean McVay eins auswischen wollen - und ich zweifle für keine Sekunde an, dass das zumindest in seinem Hinterkopf war - bot er die volle McCaffrey-Palette gegen die Rams auf.

Ein Passing-Touchdown, ein Rushing-Touchdown und ein Receiving-Touchdown, seit LaDainian Tomlinson im Jahr 2005 hatte das kein Spieler geschafft. Mindestens 30 Passing-, Rushing- und Receiving-Yards in einem Spiel hatte McCaffrey selbst zuletzt 2018 geschafft.

Sein Speed, seine Agilität im Raum, seine Quickness und seine Fähigkeit, aus kurzen Pässen First Downs zu kreieren, werden eine weitere Stütze sein, um Jimmy Garoppolo unter die Arme zu greifen. Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Offense in einigen Wochen aussieht, mit McCaffrey und Deebo Samuel gemeinsam auf dem Platz - und dann darauf, wie groß der Impact des Neuzugangs sein kann.