Cookie-Einstellungen
Darts

Darts-WM - die Queen, die Teenie-Sensation, die Favoriten: Das große Power Ranking mit Elmar Paulke

DAZN-Kommentator Elmar Paulke hat für SPOX wieder sein Power Ranking zur WM aufgestellt.
© spox

Das Warten hat endlich ein Ende! Am Mittwoch startet im Londoner Ally Pally die Darts-WM 2022 (alle Sessions live auf DAZN). Kann Gerwyn Price seinen Titel verteidigen? Bringt Fallon Sherrock die Fans zum Ausrasten? Und was macht eigentlich die deutsche Teenie-Sensation?

DAZN-Kommentator Elmar Paulke und SPOX-Chefreporter Florian Regelmann machen den Favoritencheck und stellen ein Power Ranking auf.

Die Deutschen: Gabriel Clemens, Martin Schindler, Florian Hempel und Fabian Schmutzler

Gabriel Clemens (PDC Order of Merit: 25)

Wer erinnert sich nicht an die letzte WM, bei der Clemens erst in überragender Manier Peter Wright aus dem Turnier warf, als erster Deutscher in der Geschichte ins WM-Achtelfinale einzog, dort aber nach 7 (!) vergebenen Match-Darts in einem echten Drama an Krzysztof Ratajski scheiterte. Oder wie es der German Giant im SPOX-Interview auf seine unnachahmlich unaufgeregte Art ausdrückte: "Das Match gegen Ratajski war ein Match, bei dem beide wahnsinnig viele Chancen auf den Sieg hatten und einer von beiden hat am Ende getroffen."

Clemens hat ein interessantes Jahr 2021 hinter sich. Insgesamt sicher auf keinen Fall schlecht, auf der Pro-Tour sogar gut (auch wenn er wieder mal knapp an seinem ersten Turniererfolg vorbeischrammte), bei den großen TV-Turnieren und Majors aber schwächlich. Was jetzt bei der WM zu erwarten ist, weiß wohl Gaga selbst nicht so genau.

Klar ist: Sein erstes Match gegen Lewy Williams oder Toyokazu Shibata muss der 38-Jährige gewinnen. Danach würde in Runde drei der an 8 gesetzte Waliser Jonny Clayton warten, der über weite Strecken des Jahres der beste Dartsspieler auf dem Planeten war.

Elmar Paulke: "Vielleicht ist die Auslosung gar nicht schlecht für Gaga. Ein Match gegen Clayton wäre eine ähnliche Situation wie im Vorjahr gegen Wright, da hatte er auch überhaupt keinen Druck und hat uns gezeigt, dass er diese Jungs bei der WM schlagen kann. Ich habe auch den Eindruck, dass Clayton gerade einen leichten Knick bekommt. Dass er etwas nachlässt und nach der unglaublichen Welle, auf der er so lange geritten ist, anfängt, nachzudenken und nicht mehr diese Leichtigkeit in seinem Auftreten hat. Und Clayton weiß, wie gefährlich Gaga ist. Gaga hat in diesem Jahr auf der Pro-Tour einen Neuner geworfen, er hat einen 110er-Average gespielt, er ist für Clayton kein angenehmer Gegner. Wenn Clayton Schwächen zeigt, kann das richtig eng werden, aber wenn Clayton so gut spielt, wie er es uns 2021 so oft bewiesen hat, dann ist er einen Tick zu gut, so ehrlich müssen wir sein."

Martin Schindler (PDC Order of Merit: 69) und Florian Hempel (PDC Order of Merit: 87)

Wir haben wieder ein deutsches Duell im Ally Pally! Am 19. Dezember stehen sich in der Abend-Session Martin Schindler und Florian Hempel gegenüber und kämpfen darum, wer in der zweiten Runde den an fünf gesetzten Belgier Dimitri Van den Bergh herausfordern darf.

Ein interessantes Matchup, das völlig offen ist. Schindler hat nach Jahren, in denen es sehr ruhig um ihn geworden war, heimlich, still und leise ein sehr starkes Jahr mit konstant starken Ergebnissen und Averages auf der Pro-Tour hinter sich. Zuletzt war er auch bei Major-Turnieren wieder mit von der Partie. Und Rookie Hempel ist spätestens seit seinem sensationellen Sieg gegen Wright bei der European Championship ein Begriff.

Beiden wird die Auslosung nicht gefallen haben. Gerade Hempel machte am Rande einer DAZN-Übertragung deutlich, dass er zwei Szenarien gerne vermeiden wollte. Ein Match gegen Fallon Sherrock und damit auch gegen das gesamte Publikum im Ally Pally - und eben ein deutsches Duell. Zumal sowohl Hempel auch Schindler das Selbstvertrauen haben, um davon überzeugt zu sein, dass sie gegen alle anderen möglichen Gegner beide die Chance gehabt hätten, eine Runde weiterzukommen. So kann es nur einen geben - aber wen?

Elmar Paulke: "Für mich ist das Match völlig offen. Für Martin sprechen seine konstanten Leistungen auf der Tour und die Erfahrung, schon im Ally Pally gespielt zu haben. Auf der anderen Seite hat er im Ally Pally noch kein gutes Match gespielt. Und Flo, der den Ally Pally zwar nicht kennt, ist jemand, der die großen Bühnen mag. Er fühlt sich dort wohl, man merkt richtig, dass das sein Revier ist. Wahrscheinlich kommt ihm da auch seine Erfahrung aus dem Handball entgegen. Er weiß, wie es ist, vor Fans zu spielen. Er ist aus dem Handball auch eine gewisse Aggressivität gewohnt. So gut sich die beiden verstehen, auf der Bühne wird da keiner versuchen, eine gute Stimmung zu erzeugen, dieses Ding wollen beide unbedingt gewinnen. Ich habe eine leichte Tendenz zu Flo, aber es ist wirklich ganz eng und kaum vorherzusagen."

Fabian Schmutzler (PDC Order of Merit: nicht gerankt)

Es ist DIE Geschichte im deutschen Dartssport im Jahr 2021. Ein gerade erst 16 Jahre alt gewordener Junge aus Frankfurt qualifiziert sich im November an einem einzigen Wochenende mit überragenden Leistungen auf der Development Tour der PDC völlig überraschend für die WM. Als zweitjüngster Spieler in der Geschichte. Was geht da denn ab?!

Die gesamte Familie wurde vom Hype und plötzlichen Medieninteresse erschlagen. Es ging von 0 auf 180 im Hause Schmutzler! Verrückt: Mutter Pina wollte ihrem Sohn eigentlich Tickets für die WM schenken, das braucht sie aber jetzt gar nicht mehr. Sohn Fabian reist als Spieler nach London und nimmt die gesamte Familie natürlich mit.

Schmutzler trifft am 16. Dezember in der Abend-Session auf den Engländer Ryan Meikle. Dieser gilt seit Jahren als großes Talent und zeigt immer mal wieder, dass er ein extrem hohes Niveau spielen kann, konstant ist er aber so gar nicht. Und der Druck liegt gegen Schmutzler komplett bei ihm. Niemals darf er gegen einen 16-Jährigen verlieren, den muss er weghauen - genau da könnte die Chance des jungen Deutschen liegen. Man stelle sich mal vor, Schmutzler gewinnt, wird zum jüngsten Sieger ever bei der WM und nimmt es danach mit Wright auf - Darts-Deutschland würde Kopf stehen.

Elmar Paulke: "Fabian hat echt die Ruhe weg, das haben wir gemerkt, als wir ihn besucht haben. Wenn du mit ihm über Darts sprichst, hast du das Gefühl, du sprichst mit einem Erwachsenen. Aber auf der anderen Seite ist er halt doch ein ganz normaler 16-Jähriger, der in seinem Kinderzimmer ein Bett, einen Schreibtisch und ein Dartboard stehen hat. Und auf dem kleinen Regal stehen seine Pokale. Es ist herrlich. Er ahnt natürlich noch gar nicht, was da auf ihn zukommt bei der WM. Er hat mal im Stream vor 300 Leuten gespielt und mal bei einem Turnier vor 80, aber natürlich noch nie vor 3500 Verrückten im Ally Pally. Vielleicht erschlägt es ihn, vielleicht hilft ihm aber auch die Unbekümmertheit. Boris Becker hat mal zu mir gesagt, wenn du so jung bist, realisierst du die Momente gar nicht so wie später als erfahrener Spieler, selbst in scheinbar aussichtslosen Situationen machst du einfach weiter. Diese Naivität kann für die Gegner gefährlich sein. Fabian meinte, er spielt normalerweise einen 80er, 90er-Average, aber er hat auch schon über 100 gespielt, wenn alles zusammenläuft. Mir macht der langsame Wurfrhythmus von Meikle allerdings etwas Sorgen, hoffentlich kann er damit gut umgehen."

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung