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Fussball

VfB Stuttgart spielt mal wieder Game of Cannstatt: Fragen und Antworten zum Machtkampf zwischen Hitzlsperger und Vogt

Thomas Hitzlsperger greift beim VfB Stuttgart nach der Macht.
© getty

VfB: Worüber streiten Vogt und Hitzlsperger?

Kommunikationschef Oliver Schraft muss wegen seiner mutmaßlichen Rolle in der Affäre derzeit sein Amt ruhen lassen. Vogt soll Schraft, mit kurzer Unterbrechung seit fast 20 Jahren im Klub und ein versierter Strippenzieher im Stuttgarter Kessel, komplett loswerden wollen.

Dagegen wehrt sich jedoch Hitzlsperger. "Ich werde mich brutal für ihn einsetzen", sagte der Vorstandschef bereits vor Wochen.

Schraft soll zwar 2016 als Erster die Idee gehabt haben, Hitzlsperger zum VfB zurückzuholen, doch ob Dankbarkeit allein diese Nibelungentreue rechtfertigt, die Hitzlsperger gegen Vogt All-in gehen lässt?

Rund um den VfB fragen sich angesichts der Eskalation kurz vor dem Jahreswechsel Mitglieder beider Streitlager spätestens jetzt nicht mehr bloß, ob noch weitere sprichwörtliche Leichen im Keller des roten VfB-Clubhauses liegen, sondern welche das wohl sind.

VfB: Wer steht hinter Hitzlsperger?

Seine Funktionärskarriere hat Hitzlsperger in Rekordzeit weitgehend unter dem vorwiegend in Gutsherrenart agierenden Ex-Präsidenten Wolfgang Dietrich gemacht. Ehe der ebenso umtriebige wie bei den Mitgliedern von Beginn an umstrittene Unternehmer 2019 über die Wlan-Panne bei der Mitgliederversammlung stolperte und den Weg freimachte für Vogt, war Hitzlsperger vom Vorstandsberater zum Präsidiumsmitglied, Jugendleiter und Sportvorstand und kurz nach Dietrichs Ende auch zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen.

Mit Sportdirektor Sven Mislintat und Trainer Pellegrino Matarazzo bildet Hitzlsperger ein in seiner Diskussionsfreudigkeit geeintes Erfolgstrio.

Obwohl Hitzlsperger die Unterstützung des alten VfB-Establishments genießt, dem bei den Anhängern von Präsident Vogt verhassten Stuttgarter Klüngel, war er bis zur Eskalation des Streits auch bei den Anhängern Vogts und den VfB-Ultras beliebt. Hitzlsperger sei wohl der Einzige, der in einer Wahl gegen Vogt realistische Chancen auf den Sieg hätte, heißt es im VfB-Umfeld - von Vertretern beider Lager.

VfB: Wer steht hinter Vogt?

Der Inhaber eines Facility-Management-Unternehmens und Umweltmanager kommt aus der aktiven Fanszene. Der Streit zwischen den Lagern drehe sich auch um die Frage, wem der Fußball gehöre, dem Kommerz oder den Fans, hieß es dieser Tage aus dem VfB-Umfeld prompt.

Vogt war 2017 Mitgründer des FC PlayFair. Der Verein hat sich "Integrität und Nachhaltigkeit im Fußball" auf die Fahnen geschrieben, richtet sich gegen die Überkommerzialisierung im Fußball und will sich für Faninteressen einsetzen. Aktiv unterstützt wird die Initiative unter anderem vom früheren Grünen-Chef und VfB-Fan Cem Özdemir, vom Ex-FIFA-Schiedsrichter Urs Meier, aber auch vom langjährigen Mediendirektor des FC Bayern München Markus Hörwick.

Die Mitarbeiter und Funktionäre der ausgegliederten VfB-Profifußballabteilung sollen dem unbequemen Fankativisten, der unter anderem die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Trainer Pellegrino Matarazzo noch vor dem Aufstieg im Aufsichtsrat hinterfragte, von Anfang an maximal skeptisch gegenübergestanden sein. So soll es Wochen gedauert haben, bis Vogt Einblick in den Gesellschaftervertrag erhielt.

Hitzlsperger wirft Vogt unter anderem vor, viele Versprechen aus seinem Präsidentschafts-Wahlkampf - etwa die Gründung einer Frauenfußballmannschaft beim VfB - nicht durchgesetzt zu haben. "Claus Vogt ist mit Zielen und Vorstellungen angetreten, die uns allen wichtig sind. Ein Jahr später ist so gut wie nichts davon umgesetzt", schrieb der 38-Jährige in seinem Brief über Vogt, der sich 2019 in einer Kampfabstimmung gegen den ebenfalls fannahen Christian Riedmüller mit 64,83 Prozent der Stimmen durchsetzte.

VfB Stuttgart: Wie geht es weiter?

Bislang haben weder Hitzlsperger noch Vogt ihre Bewerbungen um das Präsidentenamt zurückgezogen. Ab kommenden Montag führt der Vereinsbeirat Gespräche mit allen Kandidaten. Mittlerweile scheint es nicht mehr ausgeschlossen, dass Hitzlsperger und Vogt am Ende beide auf ihren aktuellen Posten bleiben. Hitzlsperger soll laut Stuttgarter Zeitung von den teils vernichtenden Fanreaktionen in den sozialen Netzwerken und von den nicht viel positiveren Kommentaren aus ganz Deutschland auf sein beispielloses Machtstreben schockiert gewesen sein. Und Vogt gilt zwar als unbequem, als Fundamentalist soll er aber auch nicht in Erscheinung getreten sein.

Und am Ende darf man nicht vergessen: So aussichtslos und verfahren die Lage auch scheint - Game of Cannstatt spielen sie beim VfB schon sehr lange.

VfB Stuttgart: Die Bundesligatabelle

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Bayern München1444:212333
2.RB Leipzig1425:91631
3.Bayer Leverkusen1429:141528
4.Borussia Dortmund1428:181025
5.1. FC Union Berlin1429:181124
6.Wolfsburg1420:15524
7.Borussia M'gladbach1425:22321
8.Eintracht Frankfurt1423:23020
9.SC Freiburg1423:24-120
10.FC Augsburg1416:19-319
11.VfB Stuttgart1426:21518
12.Hertha BSC1423:24-116
13.TSG Hoffenheim1422:26-415
14.Werder Bremen1416:23-714
15.1. FC Köln1413:22-911
16.Arminia Bielefeld149:24-1510
17.1. FSV Mainz 051414:31-176
18.Schalke 04148:39-314

 

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