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Nur die Stärksten überleben

Von Maurice Kneisel/Marcus Hinselmann
CM Punk und Daniel Bryan treffen auf Luke Harper und Erick Rowan
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CM Punk & Daniel Bryan vs. Erick Rowan & Luke Harper

Kneisel: Schade, dass man bei den SURVIVOR SERIES nicht ein SURVIVOR SERIES-Match aus dieser Paarung gemacht und noch ein paar passende Superstars hinzugepackt hat, aber das ist leider wenig verwunderlich. Bray Wyatt steht wieder mal nicht im Ring, was sicherlich seiner seit Jahren bestehenden Verletzungsanfälligkeit ebenso geschuldet ist wie dem geplanten Push für Harper und Rowan. Ich freue mich besonders auf Luke Harper, der in den letzten Wochen in sämtlichen Shows beweisen durfte, dass er es im Ring drauf hat. Mit Gegnern wie Bryan und Punk wird er einmal mehr etwas Sehenswertes auf die Matte zaubern. Wenn Rowan zudem noch beweist, dass er mehr kann als zwei, drei ordentliche Moves, dann könnte dies der Showstealer werden. Beim Sieger setze ich auf die Wyatt Family, da Bray seinen beiden Schäfchen zum Sieg verhilft und somit die Storyline auf die nächste Ebene hievt.

Hinselmann: Definitiv das interessanteste Match auf der diesjährigen Survivor Series-Card. Das ist ein riesiger, überfälliger Push für die Wyatt Family. Es war schon äußerst merkwürdig, dass sie debütierten, Kane platt gemacht haben und dann einige Wochen ohne jegliches Programm in der Luft hingen. Dies hat sich nun geändert und die Wyatts sind dabei, den Shield als dominierende Dreiergruppe abzulösen. Für Bryan auf der anderen Seite erscheint das Ganze doch eher als eine Herabstufung. Raus aus dem WWE-Titelgeschehen und rein in eine Fehde, in der es wohl darum geht, eine neue Gruppierung over zu bringen. Trotzdem ist die Fehde frisch und äußerst attraktiv. Die Begegnung bei der WWE Live Tour in München war zweifelsohne das Highlight des Abends, dies sollte es unter normalen Umständen auch beim PPV werden. Siegen wird die Wyatt Family.

World Heavyweight Champion John Cena vs. Alberto Del Rio

Hinselmann: Es ist verrückt, wie Cena den Wert des Titels sofort wieder in die Höhe getrieben hat. Man kann über ihn sagen was man will, aber er hat einfach die Power, jede Crowd und jeden Titel zu elektrisieren. Sicher bin ich kein Cena-Fan, aber großen Respekt muss man vor seiner Hingabe und seinem erarbeiteten Standing haben. Dass dieses Rückmatch nur ein Übergang ist und John Cena verteidigen wird, steht außer Frage. Die Vorfreude auf dieses Match liegt bei null, weil das Ergebnis eben vorhersehbar ist und man von der Matchqualität auch nicht sonderlich viel erwarten darf. Man kann nur hoffen, dass die nächste Fehde um den World Heavyweight Titel eine attraktivere Paarung wird als Del Rio gegen Cena, die bei mir einfach keinerlei Interesse aufbaut. Könnte aber auch am schlechten Aufbau liegen. Oder was meinst du?

Kneisel: Ich denke, dass du den beiden hinsichtlich der Matchqualität mehr zugestehen solltest, denn sowohl Cena als auch Del Rio legen für WWE-Standards eigentlich immer überdurchschnittliche Leistungen auf die Matte. Hinsichtlich der Spannung muss ich dir leider zustimmen, die liegt bei null, da jedem klar ist, dass John Cena verteidigt - da braucht es nicht mal den Heimvorteil. Entsprechend voraussehbar ist auch der Verlauf. Dieses Match dient lediglich als Übergang und Del Rio wird sich anschließend vermutlich eine Weile abseits des Titelgeschehens beschäftigen müssen, was ihm - bei aller Sympathie - zur Abwechslung auch mal nicht schadet. Cena bringt dem World Heavyweight Title ein Stück seines alten Glanzes zurück und wird nahe seiner Heimatstadt West Newbury den dazu passenden Feel Good Moment schaffen, denn nur darum geht es hier.

WWE Champion Randy Orton vs. Big Show

Kneisel: Das wird eine ganz schwere Herausforderung... nein, nicht für Randy, sondern für uns Zuschauer! Wie soll man bei dem Match bitte wach bleiben?! Spaß beiseite, der Larger-than-Life Big Men-Push hat Show nach langem und zugegebenermaßen sogar halbwegs gelungenem Aufbau in den Main Event gespült. Story ist drin, Emotionen auch, aber ist diese Ansetzung wirklich eines WWE-Titelmatches bei einem (zumindest offiziellen) Big-Four-Pay-per-View würdig? Wrestlerisch wird Magerkost geboten werden, Show und Randy haben mich bislang auch in den gemeinsamen Segmenten nur bedingt überzeugen können. Wesentlich unterhaltsamer ist die Paarung Big Show/Triple H, zu der es laut Hunters Aussagen bei Raw aber nicht kommen wird. Ganz glauben will ich aber nicht, dass er sich komplett raushält, da dieses Match ohne Eingreifen von außen Langeweile pur garantiert. Entsprechend hege ich die Hoffnung, dass Storyline-Elemente das Match halbwegs rausreißen und Randy Orton zur Titelverteidigung verhelfen werden. Ansonsten werden die "BORING"- und "DANIEL BRYAN"-Chants vermutlich das Highlight im Main Event, oder was denkst du, Marcus?

Hinselmann: Wieder einmal kann ich dir nur durchweg zustimmen. Das einzige, was dieses Match ansehnlich machen kann, ist die Involvierung anderer Charaktere, um die Story voranzutreiben. Wie du schon gesagt hast: Ein Match ohne Run-Ins oder Derartiges wird nur sehr schwer anzusehen sein. Man muss errwähnen, dass die Fehde vom Prinzip her einer Titelfehde gerecht wird. Leider ist aber die Besetzung der Big Show aus meiner Sicht absolut falsch. Big Show gegen Orton gab es schon zu Hauf und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand von der Paarung begeistert ist, geschweige denn an einen Titelwechsel glaubt. Daran kann auch die Verbannung des Shields nicht ändern. Ich hoffe dass der WWE Champ sich nach der Survivor Series einem neuen Herausforderer widmet und Big Show meinetwegen gegen HHH antritt. Gewinnen wird hier Randy Orton.

Fazit

Hinselmann: Die Card ist äußerst mau und wird einem Big-Four-PPV nicht gerecht. Man hat mit den Wyatts gegen The Best and the Beard und dem Herren-Survivor-Series-Match zwei attraktive Paarungen. Das war es aber auch schon. Bei den beiden Haupttitelmatches scheint das Ergebnis schon vorher festzustehen, der Rest der Card ist geprägt von Irrelevanz. Außerdem kann man davon ausgehen, dass weitere Auffüllmatches und Segmente drauf gepackt werden. Die Survivor Series haben in den letzten Jahren enorm an Strahlkraft verloren und diese Tendenz hat auch dieses Jahr weiter angehalten. Sollte nicht etwas Außergewöhnliches und Überraschendes passieren, werden wir am Montag über das Event nicht positiv diskutieren. Oder siehst du das anders?

Kneisel: Leider nein. Vor einigen Jahren hat die WWE überlegt, die Series abzuschaffen und mittlerweile bin ich, ehrlich gesagt, dafür. Der letzte Big-Four-PPV des Jahres ist zu einem gewöhnlichen verkommen, dem das Besondere, was ihn früher auszeichnete - die traditionellen Series-Matches - abhandengekommen ist. Immerhin werden uns in diesem Jahr zehn talentierte Leute geboten, die nicht komplett willkürlich zusammen gewürfelt wurden. Von diesem Match sowie von Punk/Bryan vs. The Wyatts verspreche ich mir tatsächlich einiges. Bei den Titelmatches ist wenig Spannung drin, aber zumindest Orton/Big Show könnte durch Storyline-Elemente gerettet werden. Es bleibt zu hoffen, dass dies ein weiterer PPV ist, bei dem man nach niedrigen Erwartungen aufgrund der schwachen Card letztlich positiv überrascht wird.

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