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NFL

Wildes Chaos um möglichen Rücktritt: Brady verdient ein besseres Ende

Tom Brady könnte seine Karriere in den kommenden Tagen auch offiziell beenden.
© getty

Die Meldung vom angeblichen Karriereende von Tom Brady verbreitete sich am Samstag wie ein Lauffeuer - bis plötzlich Zweifel aufkamen. Die Berichte können dabei durchaus letztlich stimmen, doch vor allem scheint klar: Brady wollte seinen Abschied selbst gestalten. Eine Einschätzung von SPOX-Redakteur Adrian Franke.

Als Tom Sawyer und Huckleberry Finn sich in ihren Abenteuern als Piraten versuchen, vermuten ihre Angehörigen irgendwann, dass die beiden ertrunken sind. Eine Trauerfeier wird angesetzt, welcher die beiden in der Kirche, die "lange nicht mehr so voll gewesen war", unbemerkt beiwohnen - und dann schließlich das Missverständnis aufdecken.

Ein bisschen dürfte sich Brady am Samstag gefühlt haben wie das Duo, als überall die große Brady-Verabschiedung eingeleitet wurde und selbst ehemalige und aktuelle Mitspieler ihm via Social Media ihren Respekt zollten.

So würde es sich also anfühlen, wenn er aufhört.

Doch so sollte es nicht anfühlen. In Brady dürfte es gekocht haben, während Internet und Fernsehen mit der zweifellos pompösen Karriere-Aufarbeitung des größten Spielers aller Zeiten loslegten.

Und das durchaus berechtigterweise, denn als "mehreren Quellen zufolge"-Bericht von ESPN-Insider Adam Schefter hatte sich Brady den Auftakt seiner Verabschiedung sicher nicht vorgestellt.

Karriereende: Was plante Brady für die Verkündung?

Gerade Brady, der Wert auf eine gute Inszenierung legt, der mit Sicherheit ein großes Video mit persönlicher Botschaft für die Verkündung vorgesehen hatte. Und Brady kennt natürlich die Mechanismen des Geschäfts.

Wenn ein großer Insider wie Schefter genügend Quellen hat - oder zumindest der Meinung ist, genügend zu haben -, lässt er eine solche Bombe platzen. In dem Fall muss man davon ausgehen, dass Schefter eine solche Meldung mehrfach absichert, bevor er damit an die Öffentlichkeit geht.

Wie kann es dann also zu einem Chaos kommen? Die naheliegende These ist in dem Fall vielleicht genau die zutreffende.

Diese Überlegung kann man sich so vorstellen: Brady plant seinen Rücktritt tatsächlich schon seit einer Weile, und er hat langsam aber sicher mehr Leute eingeweiht. Dabei kam es zu einem Leak, was Bradys Plan auf den Kopf stellte. Sicher wollte er zuerst die Buccaneers informieren - aus Tampa hieß es am Samstag eindeutig, dass Brady noch keine Entscheidung getroffen hat - und dann selbst alles öffentlich machen.

Kurios ist, dass Schefter dem Vernehmen nach ein sehr gutes Verhältnis zu Bradys Berater Don Yee pflegt. War der am Ende sogar die Quelle? Yee veröffentlichte lediglich ein halbgares Statement nach dem ersten Bericht. Ein Statement, aus dem man zumindest erahnen konnte, dass Brady tatsächlich bald seinen Abschied verkünden würde.

Gerade er hätte ja aber auch wissen müssen, wie wichtig Brady mutmaßlich die Art der Verkündung ist - und er hätte, auch wenn er nicht die primäre Quelle ist, Schefter ins Gewissen reden können, noch etwas abzuwarten, während er gleichzeitig Brady klarmacht, dass der Prozess beschleunigt werden muss.

Andere Reporter unterstreichen Schefters Bericht

Vielleicht ist die Realität aber auch, dass die Nachricht raus war. Hätte ESPN sie nicht berichtet, wäre wenig später ein anderes Outlet "Erster" gewesen. Das ist im heutigen Informationszeitalter nach wie vor ein Maßstab für Qualität, ob das einem gefällt oder nicht. Und so ist es umgekehrt betrachtet auch schwierig, zu erwarten, dass mehrere Insider irgendwann die Füße stillhalten, um Brady nicht in die Parade zu fahren.

Wer gut abgesicherte Informationen hat, berichtet diese. Nun wäre das nicht das erste Mal, dass Schefter daneben liegt; doch weitere Insider folgten, auch mit anderen Perspektiven auf die Thematik. NFL-Network-Insider Ian Rapoport etwa bestätigte einige Stunden später im Prinzip Schefters Bericht, und lieferte auch eine Erklärung für die Verstimmung, die anschließend aus Tampa Bay kam.

Das ist letztlich der Job dieser Reporter, auch wenn das nichts an der Tatsache ändert, dass Brady einen anderen Abschied verdient gehabt hätte, was die Art und Weise der Verkündung angeht

"Gehabt hätte", weil es jetzt natürlich schwer ist, nochmals die sprichwörtliche Katze in den Sack zu packen und selbigen dann abermals mit großem Trara zu öffnen. Seit Tagen hatten sich Gerüchte über Bradys Rücktritt aufgebaut, die einzige offene Formsache scheint jetzt Bradys Statement zu sein.

Bradys Karriereende: Wichtig ist, was wirklich hängen bleibt

Und selbstredend gibt es auch die Möglichkeit, dass er sich tatsächlich noch nicht entschieden hat. Vielleicht macht er jetzt sogar erst recht weiter, um die Insider abzustrafen; wenn man das jemandem zutraut, dann Brady.

Doch wirklich daran glauben kann ich nicht.

Zu real scheint die Idee, dass für Brady die Zeit gekommen ist, sich mehr der Familie zu widmen. Und auch wenn er nicht mit einem Titel abtritt, so geht er noch immer auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit, nach einer weiteren exzellenten Saison, in welcher er abermals die vermeintlichen Altersgrenzen verschoben hat. Sportlich betrachtet eine sehr guter Moment, um seinen Hut zu nehmen.

Geht er jetzt, hat er Vater Zeit vielleicht nicht besiegt, aber zumindest doch in Schach gehalten. Auf eine Art und Weise, wie es niemand vorher geschafft hat.

Im Endeffekt wird das der Part sein, an den man sich bei Bradys Karriereende rückblickend wirklich erinnert.

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