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NFL

Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse der Conference Championship Games

© getty

2. Kansas City Chiefs: Die nächste Defense-Evolution?

Selbst mit etwas Abstand komme ich beim AFC Championship Game darauf zurück, dass dieses Spiel eigentlich - aus Chiefs-Sicht - kurz nach der Halbzeitpause hätte durch sein müssen.

Doch nachdem man zuerst vor der Halbzeitpause nicht punktete - auch weil Mahomes offenbar der Meinung war, dass er noch eine Timeout hätte, die Andy Reid allerdings früh im Spiel bereits geopfert hatte - folgte dann zum Start in die zweite Hälfte der schnelle Punt.

Statt einer mutmaßlich uneinholbaren Führung war das Spiel weiterhin eng. Und die Bengals sind mental so gefestigt, dass sie sich auch von so einer lange desolaten ersten Hälfte nicht aus der Bahn werfen lassen.

Aber es gibt natürlich auch einen schematischen Ansatz und so etwas wie einen Erklärungsversuch zu diesem Spiel, der über die Partie hinausgehen könnte. Dieses Tief der Chiefs-Offense, über das wir alle etwa nach dem zweiten Saison-Drittel gesprochen haben, war kein künstlich aufgepumptes Phänomen; Mahomes war rund um die Saison-Mitte nicht gut, die ganze Offense wirkte unrund.

An irgendeinem Punkt musste jeder Analyst zugeben, dass die Chiefs-Offense Probleme hatte, die über die unglücklichen Turnover hinausgingen. Teams spielten konsequent 2-High-Shells gegen Kansas City, kein Quarterback wurde seltener geblitzt und Defenses zwangen die Chiefs dazu, unheimlich geduldig zu spielen, und das Drive für Drive, Woche für Woche.

Die Chiefs starten wie erwartet

Es dauerte einige Zeit, ehe Mahomes sich in diesen aufgezwungenen Parametern wohlfühlte; das Spiel gegen Buffalo, als er keinen einzigen tiefen Pass warf und die Defense mit Big Plays Underneath und in der Mid Range dominierte, war das Meisterstück dieser Entwicklung.

Cincinnati hatte schon in dem Woche-17-Duell gegen die Chiefs gezeigt, dass man sich eindeutig anpasst an diesen spezifischen Gegner. Die Bengals spielten für ihre Verhältnisse deutlich mehr mit zwei Safeties tief - und wenn sie doch ihre Single High auspackten, wurden sie regelmäßig von den Chiefs bestraft.

Das passierte auch früh im Championship Game.

Nachdem Kansas City den Ball früh exzellent gegen die leichten Boxes und die passivere Coverage bewegt hatte, spielte Cincinnati dann doch mal aggressiver, mit nur einem tiefen Safety infolge einer Post-Snap-Rotation und Eins-gegen-Eins-Coverage außen - und wurde direkt von den Chiefs mit dem Big Play von Mecole Hardman Ende des ersten Viertels bestraft.

Bengals-Defense: Die nächste Stufe in der Evolution?

Aber der grundsätzliche Plan der Bengals war in sich schlüssig - und wurde in der zweiten Hälfte belohnt. Auch Cincinnati setzte, wie schon so viele andere Defenses in den vergangenen Wochen, darauf, die Chiefs zu langen Drives und zu Geduld zu zwingen.

Und die Bengals blieben dabei, auch wenn Kansas City den Ball bei den ersten Drives sehr gut dagegen bewegen konnte. Aber die Quintessenz dieser Art, Defense zu spielen, bleibt ja. Die Idee ist letztlich: Je mehr Plays die Offense machen muss, desto höher steigt die Wahrscheinlichkeit, dass kleine Fehler passieren. Selbst wenn es die Chiefs sind.

Ein kleiner Drop hier, eine Ungenauigkeit im Passspiel da, ein Protection-Bust, und dann puntet selbst die Chiefs-Offense ein paar Mal schnell nacheinander. Das war auch in der zweiten Halbzeit gegen die Bengals in Woche 17 zu sehen und es wiederholte sich in der zweiten Hälfte des AFC Championship Games.

Mit einem Unterschied: Cincinnati trieb diese Taktik sogar noch weiter auf die Spitze. Bei 35 Prozent (!) der gegnerischen Pass-Plays ließen die Bengals mindestens acht Verteidiger in Coverage zurückfallen - mit Erfolg: Mahomes brachte gegen acht oder mehr Verteidiger in Coverage nur sieben von 13 Pässen an, für 59 Yards und einen Pick. Und er kassierte zwei Sacks.

Immer wieder war zu beobachten, wie er zwar Zeit hatte, aber niemand sich auch nach fünf, sechs, sieben Sekunden freilaufen konnte - und mehrfach machte Mahomes dann noch wesentlich negativere Plays daraus, indem er sich immer weiter fallen ließ, verzweifelt auf der Suche nach einer Anspielstation.

Wird das vielleicht die nächste Defense-Entwicklung sein, die Mahomes und die Chiefs überwinden müssen? Wird sich Kansas City in diesen Szenarien noch mehr auf den Run stützen müssen? Für die Bengals funktionierte dieser Ansatz, selbst wenn es viel Geduld von Cincinnatis Defense forderte.

Die Chiefs blicken auf 4 tolle Jahre zurück

Auch wenn Kansas City mit diesem offensiven Meltdown in der zweiten Halbzeit leben muss, so ist der eindrucksvolle Erfolg dieses Teams über die letzten Jahre nicht von der Hand zu weisen.

Seit vier Jahren ist Patrick Mahomes nunmehr der Starting-Quarterback der Kansas City Chiefs. In dieser Zeit hat er diverse Rekorde gebrochen, manche größer, manche kleiner - aber eine Bestmarke ist bei mir mit mehr Nachdruck hängen geblieben als alle anderen.

Die Chiefs sind das erste Team aller Zeiten, das vier aufeinanderfolgende Conference Championship Games ausrichten durfte und das siebte Team in der NFL-Historie, das in vier aufeinanderfolgenden Jahren im Championship Game überhaupt dabei war.

Nach Expected Points Added pro Play hatte Kansas City zeitgleich in den vergangenen vier Jahren die Nummer-28-, Nummer-16-, Nummer-19- und die Nummer-23-Defense. Das ist ein Team, das mehr als jede andere Franchise das Mantra, wonach die NFL eine Passing- und Offense-Liga ist, lebt. Und das sich das leisten kann, weil es den Head Coach, die Waffen und eben den Quarterback dafür hat.

Die Youngster als zweites Gerüst

"Sich etwas leisten können" ist auch ein gutes Stichwort, wenn man auf die Perspektive der Chiefs schaut. Kansas City hat Stand heute für 2022 rund 14,5 Millionen Dollar an Cap Space, muss aber mit Orlando Brown und Tyrann Mathieu auch zwei Stars auf beiden Seiten des Balls mit neuen Verträgen ausstatten.

Dazu kommen gegebenenfalls Spieler aus der zweiten Reihe wie Melvin Ingram, Byron Pringle, Jarran Reed oder Demarcus Robinson.

Aber Kansas City hat noch Flexibilität und Spielraum, auch weil die jüngsten Draft-Klassen Starter produziert haben.

Mecole Hardman (Runde 2/2019), Rashad Fenton (6/2019), Willie Gay (2/2020), L'Jarius Sneed (4/2020), Creed Humphrey (2/2021), Nick Bolton (2/2021), Trey Smith (6/2021) - sie sind das günstige zweite Gerüst dieses Teams, welches die teuren Superstars ergänzt.

Wie lange bleiben die Chiefs auf diesem Level?

Diesen Spagat hinzubekommen, wird natürlich immer schwieriger.

Mahomes' Vertrag klettert dann ab 2023 über die 40-Millionen-Marke, Travis Kelce wird nicht jünger und wird irgendwann ersetzt werden müssen, und die jetzt günstigen Rookies müssen früher oder später bezahlt werden - während es gleichzeitig keineswegs selbstverständlich ist, dass man jedes Jahr im Draft zwei Starter findet.

Und auch die Division wird nicht leichter. Die Chargers mit Justin Herbert, mehreren Säulen offensiv wie defensiv und jeder Menge Ressourcen in der Offseason könnten bereit sein, ganz oben anzugreifen. Und wer weiß, mit welchem Quarterback die Broncos im September an den Start gehen.

Trotzdem fällt es schwer, ein Team zu nennen, bei dem man weniger Bedenken für die nächsten fünf Jahre hat. Das ist die Sicherheit, die Andy Reid und Patrick Mahomes einem geben, und deren Prognose in diesem Jahr durch die zwischenzeitliche Mini-Krise sogar noch robuster wurde.

Weil Reid und Mahomes gezeigt haben, dass sie auch mit entsprechenden Herausforderungen und Problemen umgehen können - auch wenn die zweite Hälfte des Championship Games dann ein Rückfall in die schwache Phase dieser Saison war.

Und wenn das in den Playoffs passiert, dann kostet dich das auch das Spiel. Sogar ein Kansas City, selbst mit einer dominanten ersten Hälfte im Rücken.

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