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NFL Mailbag: Funktioniert Aaron Rodgers nur in der Regular Season?

SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet eure Fragen zur Divisional-Runde.
© getty

Wird die Legacy von Aaron Rodgers in den Playoffs leiden? Wie kann man die Overtime-Regel verbessern? Und kann Seattle die Russell-Wilson-Ära nochmal in die Spur bringen?

Außerdem: Warum funktionieren die 49ers auch ohne Elite-Quarterback? Und gibt es im diesjährigen Draft ein legitimes Nummer-1-Elite-Prospect?

SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet eure Fragen nach der Divisional-Runde.

Mailbag: Welche Overtime-Alternativen gibt es?

Chrs Hrr: Welche sinnvollen Alternativen gibt es zur momentanen Overtime-Regel? Dass Josh Allen in der Overtime nicht mehr an den Ball kam, war schon übel.

Sinnvolle Alternativen könnte ich mir einige vorstellen. Man könnte ein reguläres 10-Minuten-Viertel anhängen, man könnte abwechselnd von der 10-Yard-Line oder als 2-Point-Conversion analog zum Elfmeterschießen im Fußball First-and-Goal ausspielen, und wer zuerst einen Touchdown des Gegners nicht kontern kann, verliert. Es gab den Vorschlag der Ravens, dass das Team, das den Münzwurf gewinnt, auswählen darf, wo der Ball platziert wird, und der Gegner dann entscheiden darf, wer den ersten Ballbesitz hat.

Kein Fan bin ich davon, einfach beiden Teams eine Possession zu geben, hier wäre dann der Vorteil für das zweite Team zu groß, das ja genau wüsste, wie viele Punkte es braucht. Das College-System ist ja gewissermaßen nur eine andere Variante davon, auch das halte ich nicht für gerechter, und die Statistiken untermauern das.

Aber die oben genannten Ideen fände ich beispielsweise allesamt besser als das aktuelle Modell - selbst wenn die Liga eine solche Änderung nur für die Playoffs anwenden würde. Ich halte die aktuelle Overtime-Regel für die Regular Season für gar nicht so schlecht, und die Stats legen das ja auch durchaus nahe.

In den Playoffs ist das anders, und zwar deutlich - was ohne Zweifel auch daran liegt, dass hier eben die besten Offenses aufeinander treffen und deshalb sollte man die Regeln zumindest für die Playoffs auch verändern. Wenn die besten Offenses und die besten Quarterbacks auf dem Platz stehen, ist der Vorteil für das Team, das den Ball zuerst bekommt, nochmal so viel größer; die aktuelle Regel spiegelt dann nicht die Realität wider, in welche sich die NFL seit Jahren hin entwickelt.

Während in der Regular Season seit der veränderten Overtime-Regelung 2012 das Team, das den Overtime-Münzwurf gewinnt, knapp 53 Prozent der Spiele dann auch für sich entscheidet, rast diese Zahl in den Playoffs auf fast 91 Prozent hoch. Es ist ein anderes Spiel in der Postseason.

Und vor allem ist die Overtime in der NFL in ihrer aktuellen Regelung total antiklimaktisch. Nachdem sich Allen und Mahomes die Raketen nur so um die Ohren gehauen haben, soll nur noch einer danach den Ball bekommen? In welchem anderen Sport ist das so? Die Overtime in der NFL und gerade in den Playoffs ergänzt nicht die vier spannenden Viertel, die wir davor gesehen haben, und treibt diese Spannung auf den Höhepunkt, sondern sie lässt die Spannung abstürzen.

Ja, Defense-Spieler werden auch bezahlt, ja, Special Team spielt eine Rolle, ja, man hatte vier Viertel lang die Chance, das Spiel zu gewinnen, ja, die Bills hätten Kansas City mit 13 Sekunden auf der Uhr ja auch stoppen können. All das ist richtig, aber es ändert nichts daran, dass die Overtime in ihrer aktuellen Form das Spiel im Vergleich zu den vier Vierteln davor schlechter macht. Und das kann ja auf keinen Fall das Ziel sein.

Mirco Brelage: Müssen wir über Aaron Rodgers' Legacy reden? Dass er nur ein guter Regular-Season-Quarterback ist und in den Playoffs, seit dem Super-Bowl-Run, nicht mehr liefert?

Ich vermute, diese Storyline wird Rodgers jetzt begleiten, auch wenn ich einige Argumente dagegen anbringen würde.

Denn einerseits unterstreicht die Playoff-Bilanz von Rodgers - oder auch die von Drew Brees, und selbst Peyton Manning hat den zweiten Super Bowl nur gewonnen, weil Denvers Defense ihn mitgeschleppt hat - wie schwierig es ist, in der NFL Postseason-Erfolg zu haben. Brady hat da ohne Frage die Wahrnehmung auch krass geprägt, und Mahomes ist auf bestem Wege, daran anzuknüpfen; aber normal oder erwartbar ist so ein Playoff-Record deshalb nicht, auch nicht für die besten Quarterbacks ihrer Ära.

Andererseits muss man auch sagen, dass Rodgers über die Jahre einige überschaubare Packers-Teams getragen hat - bis es eben nicht mehr ging. Die Niederlage gegen die Falcons im Championship Game 2016 wäre so ein Fall, oder die Overtime-Niederlage in Arizona im Jahr davor. Dieses absurde Championship Game gegen die Seahawks nach der 2014er Saison, das in erster Linie auf McCarthy und den Onside Kick geht, ebenso.

Besonders in Erinnerung ist auch 2011, nach der 15-1-Saison, als die Packers neun (!) Drops hatten und Green Bay 37 Punkte gegen Eli Manning und die Giants in der Divisional Round zuließ.

Natürlich ist klar, dass Playoff-Erfolge letztlich die Legacy eines Quarterbacks maßgeblich mitbestimmen. Und Rodgers' Auftritt gegen die 49ers war sehr schwach, so etwas bleibt zweifellos in Erinnerung. Er fiel in alte Muster, spielte nicht diszipliniert aus der Pocket und schoss sich auf Adams als einziges echtes Target ein. Den Vorwurf muss er sich gefallen lassen.

Aber "nur ein guter Regular-Season-Quarterback" wird ihm dann doch nicht gerecht, dafür hat Rodgers über die Jahre viel zu viele gute Playoff-Spiele abgeliefert - und wurde von seinem Team oder seinem Coach in entscheidenden Momenten hängen gelassen.

Florian Meilinger: Sind die 49ers die Antithese zu "deinem" QB-Take, und warum und wie funktioniert es genau?

Die simple Antwort hier ist Kyle Shanahan.

Es ist absolut bemerkenswert, was Shanahan Jahr für Jahr aus seinen Quarterbacks herausholt. Unter allen Quarterbacks mit mindestens 250 Plays war Nick Mullens 2018 auf Platz 15 in puncto Expected Points Added pro Play. Garoppolo war 2019 auf Platz 9 und steht dieses Jahr auf Platz 5.

Garoppolo ist insofern eine Ausnahme von der Regel, als dass er individuell betrachtet nicht auf dem gleichen Talent-Level agiert wie Allen, Mahomes, Brady oder auch Stafford, ich denke, da würde kaum jemand widersprechen. Was allerdings dieses Niners-Beispiel eindrucksvoll untermauert, ist einerseits der Wert eines Elite-Play-Callers - für mich rangiert Shanahan ligaweit auf Platz 1 in der Hinsicht - in Kombination mit einem Quarterback, der ideal in dessen System passt.

Bei all seinen Limitierungen ist Garoppolo mit seinem schnellen Release, mit der Underneath Accuracy und mit der Konstanz als Passer aus der Bewegung ein exzellenter Scheme-Fit für Shanahan. Wir haben ja auch hier schon mit Matt Ryan in der finalen Saison mit den Falcons gesehen, wie das noch besser aussehen kann, wenn der QB-Fit gegeben, aber das Talent des Quarterbacks noch höher ist.

Es ist vermutlich auch an dieser Stelle nochmals erwähnenswert, dass es nicht den einen Weg gibt, um in der NFL einen Titel zu gewinnen, und eine Garantie schonmal gar nicht. Ein Elite-Quarterback gibt einem Team über einen längeren Zeitraum die beste Chance, dabei bleibe ich - aber natürlich ist es nicht so, dass man nicht auch anderweitig einen Titel gewinnen kann. Gerade wenn es immer nur ein Spiel in den Playoffs gibt.

San Francisco ist für mich das Musterbeispiel für ein Team, das einen immens hohen Floor kreiert hat, und zwar auf beiden Seiten des Balls. Ich hatte in meinen Takeaways am Montag schon ein wenig dazu geschrieben, diese Saison hat für mich deutlich unterstrichen, wie viel Value eine dominante Defensive Line hat und wie viel Stabilität eine solche einem Team insgesamt geben kann.

Die Niners kommen einerseits über diese Qualität, und haben da ja auch über Jahre hinweg hohe Picks und Ressourcen rein investiert - und offensiv bereiten Shanahan, das Scheme, die Line und die Waffen ein sehr stabiles Gerüst, welches Garoppolo die Arbeit erleichtert und welches Garoppolo selbst wiederum an guten Tagen dann exzellent auf den Platz übertragen kann. San Francisco hat sich ein fantastisches System auf beiden Seiten des Balls aufgebaut, das auch einfach gut zusammenfunktioniert.

Daniel Humburg: Welche DC-Kandidaten sollte sich Seattle wirklich anschauen, statt der Bekannten von Pete Carroll? Kann Russell Wilson mit Carroll und John Schneider nochmal erfolgreich werden, und wenn ja, wie?

Was ich sehr spannend bei den Seahawks finde, ist, dass man offensichtlich Interesse am Fangio-Coaching-Tree hat. Das ist teilweise - da schaue ich natürlich Richtung Ed Donatell - dann auch mit persönlichen Connections erklärbar, aber Donatell war nicht der einzige Name in der Richtung. Auch Bears-DC Sean Desai steht auf Seattles Liste, Desai war bereits in Chicago, als Fangio dort war.

Mit zwei Namen aus diesem Tree halte ich das für keinen Zufall, auch mit Carrolls langjähriger Freundschaft mit Donatell im Hinterkopf. Und dann hätten wir eine interessante schematische Umstellung: Jahrelang stand Carroll für die Single-High-Defense, die Cover-3 in erster Linie, welche seine Seahawks-Teams im großen Stil in der NFL in Umlauf brachte. Und daran hielt Seattle auch lange fest, auch als das Talentlevel gerade in der Secondary runterging.

In dieser Saison war da schon eine Umstellung zu beobachten, Seattle spielte mehr 2-High-Strukturen, wirkte da flexibler - also das, wofür der Fangio-Tree im Kern steht, aus dem auch Chargers-Coach Brandon Staley kommt. Ich halte das für sinnvoll, nicht nur weil der Trend mehr und mehr in diese Richtung geht, als Antwort auf die Art wie Offenses zunehmend spielen, sondern auch weil ich mir vorstellen kann, dass das zum aktuellen Personal dieser Seahawks-Defense besser passt. Angefangen mit Jamal Adams, der in meinen Augen gerade in Coverage besser funktioniert, wenn er aus der Tiefe nach vorne arbeiten kann, verglichen mit wenn er aus der Box nach hinten covern muss.

Was den zweiten Teil der Frage angeht: Ich bleibe skeptisch bei der Frage, ob die Seahawks rund um Wilson nochmal ein echtes Titelfenster aufstoßen können. Der Kader hat massive Lücken und viele Fragezeichen, die beantwortet werden müssen und die Zeit brauchen werden. Offensive Line, Cornerback, Receiving Corps, Pass-Rush - und wenig Draft-Kapital. Es bräuchte einige exzellente Drafts nacheinander und generell sehr gute Offseasons, um mit Wilson nochmal ein wirklich starkes Team aufzubauen

Elmar Int Groenewald: Sind schon Fragen zum Draft erlaubt? Gibt es dieses Jahr überhaupt ein Prospect das den Value für den Nummer-1-Overall-Pick hat? Aktuell sehe ich kaum klare Elite-Prospects.

Ich bin selbst noch ziemlich in den Anfängen dieser Klasse, einzig bei den Quarterbacks bin ich wirklich schon tiefer drin. Und nein, auf den ersten Blick ist es in der Spitze keine sonderlich starke Klasse. Was natürlich nicht heißt, dass es keine guten und auch sehr guten Prospects in der Spitze gibt - das Elite-Prospect fehlt allerdings, da würde ich mitgehen.

Ich denke, dass das in erster Linie Auswirkungen auf die mögliche Trade-Bereitschaft haben wird. Sprich, es wird wesentlich schwieriger sein, einen dieser hohen Picks gewinnbringend weg zu traden, weil es nicht attraktiv ist in diesem Jahr, teuer hoch zu traden.

So gesehen war der Nummer-1-Pick in vergangenen Jahren deutlich mehr wert, ob man selbst den Topspieler nahm oder ob man einen der ersten Picks weg tradete. Trotzdem gibt es auch für die Top 10 Talente, die ein Team nachhaltig verändern können. Ich bin insbesondere gespannt darauf, wie Kyle Hamilton und Derek Stingley in der NFL einschlagen.

Und wenn ich gleichzeitig sage, wie viel mehr Wert ich in einer dominanten Defensive Line nach dieser Saison sehe, sind natürlich Kayvon Thibodeaux und Aidan Hutchinson sehr gute Picks. Sie sind aber nicht auf dem Level von Myles Garrett oder Nick Bosa.

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